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Jan Wilhelm Buhrmann

Portwein – ein wandlungsfähiger Klassiker

Foto: Weinkaiser.de

Prolog

Portwein ist eine Weingalaxis für sich. Er spielt in seiner eigenen Liga und hat quasi keine Konkurrenz. Und einer der absoluten Klassikern der Weinwelt noch dazu. Aber Portwein ist kein verschlossenes Mysterium, im Grunde genommen ist Portwein sogar schnell erklärt und sein Geheimnis gelüftet. Zeit also, ihm ein paar Zeilen zu widmen und sich mit der geschmacklichen Vielfalt zu befassen.

Douro und Porto – die Heimat

Die Reben wachsen entlang des Douros, im Nordosten Portugals, eine landschaftlich romantische Idylle, die mit ihren kleinen Weinbergsterrassen und Steilhängen an die Untermosel erinnert. In der Hafenstadt Porto, etwa 100 km westlich der Weinberge, reiften schon im Mittelalter die Weine in den lodges (Lagerräume) heran und wurden von dort aus in die Welt exportiert. Aus dem Vino de Porto wurde kurz und knapp Portwein. Wie Sherry, Madeira oder Banyuls zählt zu der Gruppe der Südweine, sprich jene Weine, die mit Alkohol verstärkt werden. Im Gegensatz zum Sherry wird Portwein bereits während der Gärung aufgespritet, so dass man sich einen natürlichen Restzucker bewahrt.

Field Blend – ein wildes Durcheinander

Manch eine möge sagen, in den Weinbergen des Dourotals herrsche ein wildes Durcheinander. Denn in den Weinbergen ist niemals eine Rebsorte gepflanzt, sondern gleich mehrere durcheinander – nicht so wie in den meisten Weinländern. Insgesamt sind knapp 50 Rebsorten zugelassen, 20 empfohlen, aber es wurde festgestellt, dass es in der Realität über 120 sind. Die wichtigsten drei sind jedoch Touriga Nacional, Tinta Roriz (im restlichen Portugal als Aragonez und in Spanien als Tempranillo bekannt) und Touriga Franca.

Die Weinbereitung in Lichtgeschwindigkeit

Wenn man an Portwein denkt, hat man sofort das Bild von den traubentretenden Arbeitern vor Augen. Diese Tradition hat tatsächlich einen Grund, weshalb sie auch heute noch in einigen Quintas angewandt wird.

Portwein wird während der Maischegärung mit Branntwein abgestoppt. Das bedeutet, dass man so schnell wie nur möglich die Farb- und Aromastoffe aus den Traubenschalen extrahieren und dabei möglichst wenig Tannine, die bittere Gerbstoffe, aus den Traubenkernen lösen möchte. Farbe erwünscht, Gerbstoffe nicht. Die Arbeiter treten einfach 4 bis 5 Stunden fleißig die Trauben, zur Motivation werden sie vom Vorarbeiter kräftig angefeuert (Eins-Zwei; Links-Rechts) und anschließend von Musikklängen zum Weitertreten animiert werden. Und mit den Füssen kann man schonend die farblichen Extrakte der Traubenschalen lösen, ohne die Kerne zu beschädigen und somit ungewollte Tannine zu bekommen.

Portwein. Foto: Weinkaiser.de

Portwein. Die Tradition des Traubentretens. Foto: Weinkaiser.de

Nach dem Aufspriten des Weinmostes, wird der Wein zum Reifen in kleine Eichenfässer gefüllt und die die lodges von Vila Nova de Gaia, in der Hafenstadt Porto gebracht. Dort ist das Klima gemäßigter als im Dourotal und eignet sich besser zur Reifung der Weine.

Die wichtigsten Portweine im Schnellüberblick

Portwein ist Diabetikern nicht gerade zu empfehlen, er hat immer eine ordentliche Süße, die jedoch auch dank des höheren Alkoholgehaltes (ca. 20 Vol.-%) gepuffert wird. Aber er wird jedoch allen viel Freude bereiten, wenn man sich erst einmal auf die Süße einlässt. Also keine Angst vor Zucker, viele von Ihnen trinken gerne Cola, und die hat 10 Mal mehr Zucker als ein Portwein.

Ruby, Tawny und White

Wir machen den Einstieg in die Portweinwelt leicht. Es sind Cuvée aus Weinen jüngerer Jahrgänge. Es sind junge und fruchtbetonte Weine, die sich zum direkten Genuss eignen. Rubys ca. 2 Jahre alt und Tawnys etwas älter. Die Altersangaben beim Portwein beziehen sich immer auf das Durchschnittsalter und die Dauer der Reife im Fass. White Port gehört auch in diese Kategorie, wird jedoch aus weißen Trauben vinifiziert.

Tawnys mit Altersangabe

Diese Tawnys reifen zwischen 10-40 Jahren im Fass, bevor sie abgefüllt werden. Mit zunehmenden Alter wird die Farbe blass, leichte bräunliche Nuancen schleichen sich ein. Und auch die Aromatik ändert sich: je älter, desto komplexer.

Portwein. Reifung im Fass.

Portwein. Reifung im Fass. Foto: Graham’s

Vintage Ports

Wer bereits an gereiften Tawnys seine Freude gefunden hat, wird bei den Jahrgangsports im siebten Himmel schweben. Im Gegensatz zu den einfacheren Qualitäten sind es Weine aus einem einzelnen Jahrgang. Sie werden nur in den besten Jahrgängen produziert, Jahrgang und Abfülldatum müssen stets auf dem Etikett angegeben werden und es gibt drei Varianten.

Late bottled Vintage

Der Name verrät es schon, dieser Jahrgangsport wird – je nach Philosophie der Quinta – nach 4-6 Jahren Fassreife gefüllt. LBVs (so die beliebte Kurzform) sind bereits bei ihrer Abfüllung trinkfertig, man kann sie aber guten Gewissens noch einige Jahre in der Flasche reifen lassen.

Vintage Port und Colheita

Diese beiden sind wahre Donnergurkler. Vintage Ports ist der Jahrgangsport für die besonders geduldigen Weinsammler. Er wird früh nach ca. 2 Jahren gefüllt. Entweder trinkt man einen Vintage sehr jung, wenn er sich in seiner charmanten Fruchtphase befindet oder man geduldet sich einige Jahrzehnte. Jahrzehnte? Wirklich keine Übertreibung. Vintage Ports können fast ewig auf der Flasche reifen. 50 Jahre sind keine Seltenheit und weit über 100 Jahre kein Einzelfall.

Colheitas reifen länger im Fass als Vintage oder LBVs, mindestens 7 Jahre. Manche Quintas füllen ihre Colheitas nach einigen Jahrzehnten und dann auch nur auf spezielle Anfrage. Natürlich sind diese Jahrgangsportweine nicht gerade günstig. Vergleicht man jedoch die Preise mit Spitzenweinen aus dem Bordeaux oder Priorat, so sind sie erfreulich erschwinglich.

Vintage Port. Portwein.


 Faustregeln

  • Ruby & Tawny: Jahrgangsverschnitte, Durchschnittsalter, fruchtbetont und trinkfertig
  • Jahrgangsport: wird »früh« gefüllt und braucht Flaschenreife
  • Late Bottled Vintage: »jung« gefüllter Jahrgangsport, trinkfertig
  • Colheita: »reif« gefüllter Jahrgangsport, trinkfertig

Wann trinkt man Portwein?

Zu Schokolade und schokoladenhaltigen Desserts kann man sich ebenfalls keine klassischere Kombination vorstellen und die Engländer reichen zu ihrem Stilton gerne einen gereiften Port. Alte Colheitas kann man gut einem gereiften Gouda an die Seite stellen oder einfach mit einer guten Zigarre nach dem Essen genießen. Und als Aperitif empfiehlt sich ein eisgekühlter White Port, den man im Sommer auch hervorragend mit Tonic Water mixen kann. Reicht man dazu noch gesalzene Mandeln, schmackhafte Salami und etwas Räucherschinken, fühlt man sich, als säße man direkt am Hafen von Porto. Wie immer bei der Speis-Wein-Kombination gilt Experimentierfreude vor altbackenen Regeln (Weißwein und Fisch oder Rotwein und Fleisch). Probieren Sie einmal einen jungen Vintage Port zum kurzgebratenen Dry aged Filet vom Rind. Hervorragend.

Epilog

Ich muss gestehen, dass ich ein Faible für vinophile Weinklasssiker habe. Sei es nun Sherry, Madeira oder eben Port. Ihre Vielfalt, das Aromenspektrum, die Wandlungsfähigkeit als Speisenbegleiter fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Also, nehmen Sie sich die Musse und gönnen sich mal wieder oder endlich einen guten Schluck Portwein. Ein Glas genügt, angebrochen hält sich die Flasche mehrere Wochen ohne Qualitätseinbussen.


 

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Jan Wilhelm Buhrmann, geboren 1975, ist Sommelier und Weinjournalist.

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