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Didier Houvenaghel

TOP 15: Die häufigsten Fragen über Zigarren

Jeder angehende Raucher steht vor der Herausforderung, sich mit dem vielschichtigen Wissen der Zigarrenkunde vertraut zu machen. Im Laufe dieses Lernprozesses setzt man sich mit elementaren Fragen auseinander: Wie zünde ich eine Zigarre an? Wie verkoste ich diese? Was liegt innerhalb der Norm und was ist ein Mangel? Ob angehender oder gestandener Aficionado, manche Fragen zum Basiswissen der Zigarrenkunde bleiben stets aktuell und verjähren niemals. Gerade die Antworten auf vermeintlich triviale Fragen, schärfen das eigene Verständnis und führen zu vertieftem Wissen über Feinheiten der Zigarrenproduktion und der Verkostung insgesamt.

Zigarrenhaptik

1. Wenn eine Zigarre zu fest gerollt scheint, ist das ein schlechtes Zeichen?

Die Mehrheit der Aficionados nehmen an, dass eine fest gerollte Zigarre aufgrund des Überschusses an Blättern einen schlechten Zug hat. Das ist bei Weitem nicht immer der Fall. Bei optimaler Qualität des Rohstoffs und einer festen Konstruktion wird die Zigarre ihre gute Struktur während des Abbrands beibehalten. Eine zu locker gerollte Zigarre hingegen weist Restfettgehalt in der Mischung auf. Dies ist einer unvollendeten Fermentation geschuldet.  Bei hoher Temperatur führt dieser Restfettgehalt zur Strukturveränderung der Zigarre. Manchmal kann die Festigkeit einer Zigarre in der Tat die Folge einer Überfeuchtung der Einlage zum Zeitpunkt des Rollens sein, was auf die ungenügende Reife des Tabakblatts zurückzuführen ist. In diesem Fall trocknen die Blätter bereits nach der Rollung aus und die Zigarre verhärtet.

Zigarren, gerollt

 

2. Ist es normal, wenn eine Zigarre eine ungleiche bzw. schiefe Form hat?

Ganz und gar nicht. Abgesehen davon, dass eine solche Zigarre nicht nur visuell nicht ansprechend ist und offensichtliche Produktionsfehler offenbart, könnte dies problematisch für die Verkostung werden. Eine gut gerollte Zigarre sollte elastisch sein und eine gleichmäßige Zylinderform haben. Schlechtes Rollen führt zur Verzerrung des Durchmessers und mitunter zur Disproportion des Tabaks entlang der gesamten Zigarre. Mehr oder weniger eingefallene Zonen mit einer geringen Dichte der Blätter nennt man baches (span. für Furche). Diese sind hauptsächlich schlecht für das Zugverhalten.

Zigarrenoptik

3. Muss ein Deckblatt immer glänzend sein?

Nein, das kann man so nicht sagen. Das optimale Glanzniveau des Deckblatts sollte ein mittleres sein; es sollte weder übermäßig glänzen noch zu matt sein. Ein Glanzüberschuss, der nur äußerst selten der Fall ist, kann durch den hohen Restfettgehalt, Wachse und Harze im Deckblatt entstehen. Eine übermäßige Öligkeit des Deckblatts ist daher ein Beweis für Fehler oder ein Manko bei der Fermentation.

Ein Mangel an Öligkeit wird durch die Abwesenheit der Öle, des Wachses oder der Harze im Blatt hervorgerufen. Da dies nach einer ordnungsgemäßen, aber viel zu langen Fermentation eintreten kann, ist es nicht immer ein Problem. Für die Herstellung eines natürlichen Maduro-Blatts beispielsweise ist ein längerer Fermentationsvorgang notwendig.

Der Glanzmangel hingegen steht in der Regel für einen übermäßig langen Trocknungs- und Fermentationsprozess bzw. ist Anzeichen dafür, dass bei der Durchführung dieser Prozesse eine falsche Temperatur herrschte. Ein anderer Grund könnte die falsche Lagerung in einer viel zu trockenen Umgebung sein, was schließlich zum irreversiblen Prozess der Öl- und Wachsverdunstung führt.

Für ein besseres Gesamtverständnis sollte hier noch ergänzt werden, dass der Ölgehalt des Deckblatts in Abhängigkeit folgender Kriterien variieren kann:

  1. Bodenbeschaffenheit
  2. Tabaksorte
  3. Klimabedingungen wie Regen und Sonne während des Pflanzenwachstums
  4. Zeitpunkt der Ernte, da diese vor oder nach dem Eintritt der biologischen Pflanzenreife geschehn kann
  5. Wassergehalt, der in den Blättern zum Zeitpunkt der Ernte enthalten war.

Zigarrendeckblatt, glänzend

4. Was bedeuten die Pünktchen auf dem Deckblatt? Beeinflussen sie den Geschmack einer Zigarre?

Auf dem Deckblatt können tatsächlich einige Fleckentypen erscheinen und deren Einfluss kann sich ganz unterschiedlich auf die Verkostung auswirken.

Grüne Flecken entstehen durch Pigmente des Chlorophylls, das bei der sukzessiven Verarbeitung der Tabakblätter nicht beseitigt wurde. Dies passiert entweder infolge einer falschen Trocknung, die zu schnell und zu heiß war, oder wegen kleiner Risse in der Blattoberfläche, in denen sich eine Vielzahl des Chlorophylls konzentriert. Die Ansammlung des Chlorophylls kann man im Bezug auf die aromatischen Charakteristiken einer Zigarre nicht als wohltuend bezeichnen.

Zigarre: Grüne Flecken auf dem Deckblatt

Gelbe Flecken stehen für einen Feuchtigkeitsmangel im Laufe des Trocknungsprozesses und können stellenweise zur Verdickung der gelblichen Pigmente führen. Auch während der Fermentation bleibt die Farbe gleich. Zusammenfassend kann man festhalten, dass diverse Pigmentation auf die geschmacklichen und aromatischen Charakteristiken des Tabakblatts keine positiven Einflüsse haben.

Verläuft der Trocknungsprozess hingegen bei übermäßig hoher Feuchtigkeit, führt es zu einem unvollständigen Abbau des Kraftmehls und des Zuckers im Tabakblatt. Folglich werden die gelben Pigmentflecke in der daran anschließenden Fermentation schwarz. Bei dieser Trocknungsweise bekommen die Blätter aufgrund der übermäßig hohen Konzentration von Reizstoffen, wie Zucker und Kraftmehl, einen unangenehmen Beigeschmack.

Zigarre: Weisse Flecken auf dem Deckblatt

Kommen wir nun zu weißen Flecken. Zwar mindern sie die visuelle Ästhetik einer Zigarre erheblich, jedoch beeinträchtigen sie ihre Qualität keinesfalls. Weiße Flecken können aus zweierlei Gründen entstehen. Kleine runde weiße Flecken, pinta de ajonjoli (span. für Sesamkerne), sind die Folge des Pilzbefalls cercospora. Dieser Pilz ernährt sich vom Chlorophyll des braunen Blatts, ohne dabei seine Struktur zu zerstören. Diese Flecken verringern zwar die Konzentration des Chlorophylls in den Blättern, haben jedoch keine fatale Auswirkung auf den Zigarrengeschmack. Große weiße Flecken mit verwischten Konturen sind ein Zeichen für den Befall der grünen Blätter vom moho azul (span. für Blauschimmel). Die Konzentration solcher Flecken entlang der Deckblattadern ist ein Anzeichen für den moho azul, während Flecken, die nicht an die Blattadern angrenzen, auf lokale Probleme hinweisen. Dieser Blauschimmel, der für die grünen Blätter schädlich ist, kann für das braune Blatt harmlos sein, wenn der Algorithmus der Fermentation fachkundig festgelegt wurde.

Die olfaktorische Wahrnehmung

5. Wenn das Deckblatt einer Zigarre nicht aromatisch ist, ist das ein Zeichen für einen Defekt?

Nein, Sie sollten sie trotzdem probieren. Manchmal hat das Deckblatt ein viel zu schwaches Aroma, so dass es den Anschein hat, als fehle der Zigarre ein Teil oder sogar die gesamte Aromenpalette. Wir ziehen die Luft ein, aber das erwartete Bouquet wird von der Nase nicht bzw. kaum wahrgenommen. Aus einem vollkommen offensichtlichen Grund verwirrt uns das. De facto kann aber auch ein aromaarmes Deckblatt während des Abbrands ein hinreichendes Aroma entfalten. Wovon das abhängt? Natürlich kann das schwache Aroma des Deckblatts ein erstes Merkmal für eine ausdruckslose, mittelmäßige Zigarre sein. Ein solches Blatt wurde einer viel zu langen oder einer Fermentation bei außerordentlich hoher Temperatur unterzogen oder aber es liegt daran, dass eine minderwertige Tabaksorte verwendet wurde. Manchmal ist es aber auch ganz einfach, denn eine falsche Zigarrenlagerung kann zu Einbußen des Aromas führen, wenn diese entweder viel zu trocken war oder ein umliegender Baustoff den Geruch der Zigarre übertönt.

6. Woran liegt es, wenn eine Zigarre einen komischen Geruch aufweist?

Höchstwahrscheinlich meinen Sie den Geruch des Ammoniaks. Dieser Geruch entsteht für gewöhnlich bei Zigarren, wenn die Blätter nach der Fermentation oder während der Trocknung schlecht atmen konnten. Ammoniak ist ein Produkt, das sich erst in der Fermentationsphase in den Blättern bildet. Seine Anwesenheit deutet darauf hin, dass der Fermentationsprozess in den Blättern noch nicht abgeschlossen ist oder vor kurzem erst abgeschlossen wurde.

Der Anschnitt 

7. Wieso wird dem Anschnitt einer Zigarre so viel Aufmerksamkeit zuteil? 

ZigarrenanschnittWeil er für die Verkostungsqualität sehr wichtig ist. Der Anschnitt mit einer Schere, einem Kerbschneider oder einem Bohrer muss sauber sein. Ein unentschlossener oder nicht korrekt durchgeführter Anschnitt kann das Deckblatt beschädigen. Fängt das Deckblatt an, abzublättern, ist dies für den weiteren Rauchverlauf fatal. Der Anschnitt einer zu trockenen Zigarre kann auch dazu führen, dass das Deckblatt aufgeht. Darüber hinaus bestimmt der Durchmesser des Anschnitts das Rauchtempo, denn wenn dieser zu klein ist, kann er das Zugverhalten negativ beeinflussen.

Das Anzünden

8. Wie zünde ich eine Zigarre richtig an?

Zigarre richtig anzündenDas ist sehr einfach. Beim richtigen Anzünden sollte das gesamte Brandende erfasst werden. Falls einige Blätter nicht anbrennen, beginnt dieser Prozess ungleichmäßig und die Zigarre wird unter dem anfänglich unausgeglichenen Brennvorgang leiden. Dieser Fehler kann sich im weiteren Rauchverlauf von selbst beheben, es ist aber besser, ihn durch wiederholtes Anzünden zu korrigieren. Letztendlich empfiehlt es sich, eine Zigarre mit natürlichem Feuer anzuzünden, also mit Streichhölzern, Holzstäbchen oder einem Gasfeuerzeug.

Der Abbrand

9. Ist es normal, dass eine Zigarre im Rauchverlauf mehrmals ausgeht?

Zigarre geht beim Rauchen regelmäßig ausNein, das ist es nicht. Eine Zigarre, die mehrmals ausgeht, hat offensichtlich ein ernsthaftes Problem mit dem Abbrand. Auch dafür gibt es unterschiedlich mögliche Ursachen.Eine dieser Ursachen kann auf eine schlechte Fermentation zurückgehen, die dazu geführt hat, dass sich eine übermäßige Anzahl von Proteinen (stickstoffhaltige Elemente) in den Blättern oder negative Elemente wie Chlor angesammelt haben. Auch eine zu dicht gerollte Zigarre, was Blattüberschuss in der Zigarre bedeutet, oder Porosität des Blatts können zu einer begrenzten Luftzufuhr am Glutkegel führen. Ebenso kann ein zu hoher Feuchtigkeitsgehalt in den Blättern, d. h. eine relative Feuchtigkeit von über 15 %, zum Ausgehen führen.

10. Ist schwarze Asche negativ zu bewerten?

Nicht immer. Die schwarze Farbe der Zigarrenasche kann zwei Gründe haben: eine nicht perfekte chemische Zusammensetzung oder ein schlechter physischer Abbrand. Beides führt zur unvollständigen Verbrennung von organischen, chemischen Stoffen, so dass die Zigarrenasche schwarz ist. Die Hauptursache ist aber in der ungenügenden Fermentation begründet, welche unerwünschte, organische, chemische Verbindungen im Blattinneren zurücklässt, die sich im Nachhinein negativ auf den Abbrand auswirken. Gelegentlich kann es allerdings an einem Mangel an Bodennährstoffen wie beispielsweise Magnesium liegen. Eine solche Zigarre kann einen unangenehmen Geschmack aufweisen.

11. Was ist zu tun, wenn die Zigarre ungleichmäßig brennt?

Zigarre, Abband

Wenn eine Seite schneller brennt als die andere, kann es vielerlei Ursachen haben. Entweder ist die Zigarre ungleichmäßig angezündet worden oder ihre Konstruktion ist fehlerhaft. Auch eine dicke Ader kann den Brennprozess an einer Seite bremsen oder einige Blätter können zu feucht sein oder aber starke Luftströme können das Abbrandverhalten deformieren. Ein perfekt sanfter Abbrand bei einer gut gerollten Zigarre nach einer fachkundigen Fermentation, sollte während der gesamten Verkostung gleichmäßig verlaufen. Wenn der Abbrand dennoch ungleichmäßig ist, sollte für gewöhnlich ein wiederholtes Anzünden das Problem beheben.

Zigarre: Ungleichmäßiger Brand

12. Ist es normal, wenn an der Brennzone, gleich unter der Asche und dem Ring, ein schwarzer, verkohlter Kreis zu sehen ist?

Nein, das ist definitiv nicht in Ordnung, es ist sogar schlecht. Dieser harzartige, glänzende Kreis ist das Ergebnis einer Ansammlung von stickstoffhaltigen Substanzen in der chemischen Zusammensetzung des Blatts. Mit anderen Worten war in diesem Fall die Fermentationszeit für das Deckblatt zu kurz. Eine solche Zigarre weist in der Regel eine gewisse Bitterkeit auf.

Der Geschmack 

13. Warum schmecken manche Zigarren so bitter?

Dieses starke und überaus unangenehme Gefühl im hinteren Gaumen- und Rachenbereich wird in der Regel durch einen zu hohen Proteingehalt hervorgerufen, welcher bei einer falschen Trocknung oder Fermentation übrigbleibt. Leider ist das ein recht häufiges Problem. Ist die Bitterkeit zu dominant, verwandelt sich der Genuss einer Verkostung in eine Qual.

14. Wie kann ich die Stärke einer Zigarre überprüfen?

Bringen Sie in Erfahrung, wie der Hersteller diese Zigarre in ihrer Stärke einstuft. Die Stärke hängt von der Quantität eines bestimmten Blatttyps ab, welcher für die Mischung verwendet wird. Ligero-Blätter aus dem oberen Pflanzenteil verleihen der Zigarre Stärke. Diese Stärke wird als ein objektiver Parameter angesehen. Das bedeutet, dass alle degustierenden Aficionados die Stärke in etwa identisch bewerten sollten. Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt eine mittelstarke Zigarre entsprechend bei 5 Punkten. Ab 6,5 oder 7 Punkten gehen die starken Zigarren los. Interessanterweise beinhaltet die Fabrikklassifikation der Blätter nur vier Stärkestufen.

Zigarrenlagerung

15. Ist es erlaubt, Zigarren bei Tageslicht zu lagern?

Nein, das sollte vermieden werden. Bei einer fachkundigen Lagerung muss die Zigarre vollständig vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützt werden. Zu helles Licht, das kontinuierlich und unmittelbar auf die Zigarre fällt, wirkt sich negativ auf das Deckblatt aus. Die Schönheit des Deckblatts kann darunter leiden, so dass die Farbe verblasst und auch ein Teil des Aromas verfliegt. Dadurch wird das Deckblatt trockener und folglich auch fragiler.


 

Zigarren-Herstellung: In 35 Schritten erklärt

 

Schon früh spezialisierte sich der studierte Agrarwissenschaftler Didier Houvenaghel auf tropischen Pflanzenanbau und schwarzen Tabak. Er studierte an der Universität von Pinar del Rio auf Kuba und arbeitete dort auf den Tabakfeldern und in den Zigarrenmanufakturen. 2005 erschien sein Buch über den Anbau und die Verarbeitung von Tabak »The Cigar from Soil to Soul«.

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