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Jan Wilhelm Buhrmann

Villa Maria – (K)Ein Weinmärchen

Eigentlich fehlt in der Geschichte von Sir George Fistonich nur noch ein verwunschener Frosch und eine Prinzessin. Dann könnte man getrost von einem modernen Märchen sprechen: Ein junger Mann, der aus dem Nichts eines der größten und meist prämiertesten Weingüter Neuseelands geschaffen hat, der aufgrund seiner Verdienste zum Ritter geschlagen wurde und die Qualität nie aus dem Fokus verlor.

Ende der 1950er Jahre folgte George, Sohn kroatischer Einwanderer in Neuseeland, dem Wunsch seines Vaters und machte eine Ausbildung zum Zimmermann. Doch eigentlich wollte er etwas komplett anderes machen. Bereits als junger Mann kam er in Kontakt mit Wein. Die kroatischen Einwanderer in Neuseeland bauten ihren eigenen Wein an, meistens waren es Portwein- oder Sherry-ähnliche Weine, die sie fortifizierten und süß ausbauten. Weinbau an sich war seinerzeit in Neuseeland nicht gerade populär, die Prohibition hielt in weiten Teilen der Insel noch an und wenn, dann waren nur süße Weine gefragt. George kannte jedoch von seinen europäischen Verwandten trockene Weine und genau die hatten es ihm angetan.

1961 pachtete George von seinem Vater 1 Hektar Land mit Weinreben und begann, sich dem Weinbau zu widmen.

»WENN DU MIT WEIN ANFANGEN MÖCHTEST, BRAUCHST DU EINES: KRAFT!«

… erinnert sich Sir George. »Sowohl mentale als auch physische Kraft. Die Natur kann innerhalb weniger Stunden die Arbeit von einem ganzen Jahr zunichte machen. Da musst Du stark sein, eine Vision und Leidenschaft haben, um immer weiter zu machen.« Seine Frau und er arbeiteten oftmals 70 Stunden pro Woche.

Damit sie überleben konnten, erzeugte George auch süße Weine. Und jedem, der eine Flasche süßen Wein bei ihm kaufte, gab er eine von seinen trockenen Weinen mit. Diese Hartnäckigkeit zahlte sich irgendwann aus. Das Trinkverhalten der Neuseeländer änderte sich, sein Weingeschäft begann zu florieren und das Weingut immer weiter zu wachsen. Aus einem 1 Hektar wurden 1.000 im Eigenbesitz und weitere 1.500 Hektar werden von kleinen Winzern bewirtschaftet. Somit ist Villa Maria heute unumstritten einer der »Big Player« in Neuseeland und das größte Weingut, das sich immer noch in Familienbesitz befindet.

Villa Maria, Neuseeland, Karte

Schon in den 1970er Jahren begann die Expansion von Villa Maria, neue Weinberge wurden damals hinzu gekauft und Verträge mit anderen Winzern zum Traubenzukauf abgeschlossen. Als erster Winzer Neuseelands bezahlte er diese Vertragswinzer nicht nach der Quantität, sondern nach der Qualität. Auch in Sachen Speise-Wein-Kombination war er Pionier. Auf Villa Maria fanden in den 1970er Jahren die ersten Käse-Wein-Abende statt. Bereits Ende der 1970er befasste er sich mit dem Schraubverschluss als Alternative zum Kork.

Sir George ist mittlerweile Ende 70 und kommt immer noch nicht zur Ruhe. Auf einer Veranstaltung vor wenigen Tagen in Berlin habe ich ihn persönlich kennen gelernt. Als wir gemeinsam seine Weine probierten, sah ich es. Das Flackern, das Leuchten, die Leidenschaft in seinen Augen.

Verkostungsnotizen und weitere Informationen über die Villa Maria-Weine kann man schon bald in unserem Wein-Weihnachtsartikel nachlesen.

www.villamaria.co.nz


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Jan Wilhelm Buhrmann, geboren 1975, ist Sommelier und Weinjournalist.

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