anCnoc – Auf der Suche nach Bedeutungen

Es ist nicht immer einfach mit den »anCnoc Whiskys«. Als Einsteiger verwirren sie ob ihres Namens, als Traditionalist ist es die moderne Aufmachung. Als Genießer jedoch ist man mit anCnoc aus der Knockdhu Brennerei bestens beraten. Es sind fantastische Whiskys, die man dringend einmal probiert haben sollte und deren Geschichte und Geschichten am Ende ihrer Bedeutung gerecht werden.

Schottischer Whisky, Produkt und gelebte Tradition

Schottischer Whisky ist ein Produkt, welches voller Geschichten, Geschichte und gelebter Tradition steckt. Jeder Schottlandreisende wird darüber berichten können, genauso wie diejenigen, die sich schon etwas intensiver mit den liquiden Genüssen dieses wundervollen Landes beschäftigt haben. Traditionen sind wichtig, sind sie doch das Bindeglied zwischen einem Individuum und seiner Rolle in der Geschichte seiner Gesellschaft.

Menschen verorten sich in Zeit und Raum durch ihr Denken und ihr Handeln – eine Flasche Whisky verortet sich auch. Im Geschmack und im Erscheinungsbild. Erinnert man sich an die Debatten der 2000er Jahre, als Brennereien wie Glenmorangie oder Bruichladdich ihre Flaschen modernisierten – was waren das für Grabenkämpfe zwischen Traditionalisten und Modernisten. Eines blieb jedoch immer konstant: der Informationsgehalt auf dem Etikett einer Flasche. Ganz getreu dem Motto Nomen est omen ist der Name der Brennerei das entscheidende Merkmal eines jeden Whiskylabels. Nun ja; es gibt eine Brennerei, die sich seit vielen Jahren nicht an diese Regel hält. Die Rede ist von Knockdhu und den dazu gehörigen Abfüllungen von anCnoc.

Schwarze Berge und ein Plan

Die Brennerei Knockdhu befindet sich östlich der Stadt Keith unweit der A95 in der Speyside – im Übrigen die zweite Irritation des Etiketts. Geführt wird AnCnoc stets als Highland Whisky, dabei liegt Keith eigentlich noch in der Whisky-Region der Speyside.

AnCnoc Whisky, Knockdhu Distillery, Keith

Gegründet jedenfalls wurde diese Brennerei 1892 – zumindest erwarb die Whiskyfirma von John Morris das Land, auf dem die Brennerei ein Jahr später entstand. Destilliert wurde dann ab Oktober 1894 – wie es auf den Flaschen auch zu lesen ist. Der Name bedeutet übersetzt soviel wie Schwarzer Berg, dessen geographische Grundlage der naheliegende Knock Hill ist.

Die Brennerei zieht ihr Wasser aus kleinen Bächen auf dem nahe gelegenen Knock Hill. Die Produktionskapazität der Brennerei liegt nur bei 1,5 Millionen Litern pro Jahr. Sehr ungewöhnlich ist, dass Knockdhu den frisch destillierten  Spirit in einer Gusseisen-Worm-Tub kühlt.

Es war zu Zeiten der Inbetriebnahme die erste eigene Malt-Brennerei der Morris-Unternehmung, die unter dem Namen Distillers Company Limited (DCL) eine enorm große Bedeutung für die Blending-Industrie in Schottland hatte. Diese wurde am 24.April 1877 als Zusammenschluss von 6 Lowland Grain-Destillerien gegründet. Damals gab es einen ersten großen Whiskyhype und der Plan war, dass die zwei Brennblasen von Knockdhu den nötigen Pot Still Whisky für das Blending der Eigenmarken der DCL produzieren sollte. Aus diesem Grund wurden die Stills auch extrem groß angelegt und bemessen heute noch 10.350 Liter (wash still) und 9.500 Liter (spirit still). Theoretisch ist man in der Lage, mit diesen zwei Brennblasen bis zu 2 Mio. Liter New Make im Jahr unter voller Auslastung zu produzieren.

AnCnoc Whisky, Brennerei, Brennblasen

In bezaubernder Gesellschaft und ein jähes, bekanntes Ende

Die Nachfrage nach schottischem Whisky stieg Anfang des 20. Jahrhunderts rasant an. Dies war vor allem eine Folge des irischen Unabhängigkeitskrieges, der für den Absatz der Whiskeys von der grünen Esmerald Isle das erstmalige Aus bedeutete. Die Nachfrage an Scotch bedeutete natürlich auch eine Konzentration von Unternehmungen und so fusionierte die DLC mit der 1914 gegründeten Scottish Malt Distillers PLC (SMD). Im Jahre 1930 übernahm diese somit auch die Bewirtschaftung der Knockdhu-Brennerei.

Zur damaligen Zeit befand man sich in fantastischer Gesellschaft, waren doch unter anderem Rosebank, Glenkinchie oder St. Magdalene Brennereien, die zu SMD gehörten. Die Zugehörigkeit zu einer solch großen Unternehmung schützte Knockdhu auch vor schweren Schäden während der amerikansichen Prohibition und den Weltkriegen-Zeiten, in denen kleinere, unabhängige Brennereien zu Hauf schlossen. Knockdhu produzierte weiter. Einige Zeit floss der Whisky angeblich sogar in die Flaschen von Johnny Walker, der Fokus jedoch lag auf den firmeneigenen Blends wie King of Kings, Albion oder The King’s Choice.

AnCnoc Whisky

Der Hype um schottischen Whisky kannte lange Zeit fast keine Grenzen, doch es kam – wie man es sooft hört in der Scotch Whisky Industrie – die dunkle Zeit der 1980er Jahre. Der Absatz sank rapide und Brennerei um Brennerei schloss. So auch Knockdhu im März 1983.

Eine neue Zeit und ein neuer Name

Während die Brennerei in einen tiefen Schlaf verfiel, wechselten die Besitzer und so kam 1988 das Anwesen mitsamt der Produktionsstätte in die Hände von Inver House, welches der verlängerte Arm der amerikanischen Publicker Industries of Philadelphia war. Am 6. Februar 1989 begann man hier wieder mit der Produktion und brachte ein Jahr später einen Whisky – abgefüllt aus den Altbeständen – als Knockdhu auf den Markt. Dies war der erste Single Malt Whisky der Brennerei.

Doch es waren die 1990er Jahre und das Marketing hatte Einzug gehalten in das alt-ehrwürde Geschäft mit Scotch Whisky. Eben jenes Marketing stellte nun fest, dass die Namensgebung Knockdhu sich als eher kompliziert erwies, da eine Verwechselung mit Knockando befürchtet wurde. Und so entschloss man sich dazu, einen neuen Namen für die Whiskys der Knockdhu-Brennerei zu wählen und man entschied sich für anCnoc, welches aus dem Gälischen übersetzt der Berg bedeutet. Im Jahr 1993 veröffentlichte man unter diesem Namen erstmalig einen Whisky, der bis heute trotz seiner historischen Bedeutung für die Industrie immer noch ein Geheimtip ist.

Moderne Zeiten und ein breites Angebot

Knockdhu ist die erste Malt-Brennerei in Schottland, die seit einigen Jahren einen sogenannten Fliehkraftabscheider nach der Maische einsetzt. Dabei werden feste Teile – die Draft – sehr sorgsam von der verbleibenden Maische getrennt und man erhofft sich dadurch später in der 65 Stunden dauernden Fermentierung eine hohe Menge an Estern zu produzieren, die einen kräftigen und fruchtigen Körper erzeugen.

Die Knockdhu Destillerie besitzt nur eine Wash und eine Spirit Still.
Beide Stills sind ungewöhnlich groß, mit allmählich verengenden, konischen Hälsen.
Die Form und Größe der Pot Stills gewährt einen hohen Rücklauf in die Stills und damit »leichten Alkohol«. 
Knockdhu Malts reifen in einer Kombination aus American Oak und spanischen Sherry Fässern.

Mittlerweile gehört die Inver House Distillers Limited zu Thai Beverages und verantwortet neben Knockdhu weiterhin Old Pulteney, Balblair oder Speyburn. Es ist jedoch Knockdhu Distillery, die hier einen besonderen Weg geht, denn wenn man schon mit der Trennung von Brennereinamen und Abfüllungsbezeichnung modernste Wege geht, so kann man das auch in der Produktion.

anCnoc Scotch Whisky Range

Neben den vielen mit Altersangabe versehenen Abfüllungen – allesamt mit einem wundervollen frucht-malzigen Grundcharakter – erzeugt man seit einigen Jahren auch Whiskys, die zum Teil mit Torfmalz hergestellt werden, welches man – wie das ungetorfte Malz auch – extern mälzen lässt.

 

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