Das Dubliner Whiskey-Feuer von 1875 

Von Whiskey, Schweinen und einer Rettung durch Pferdemist

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Man spricht noch heute davon: die einen ängstlich, die anderen bedauernd in Hinblick auf den großen Verlust. Es geht um das Jahr 1875 und »The Great Whiskey Fire«. 5.000 Whiskey-Fässer fingen damals Feuer und der Inhalt floss infernalisch brennend durch die Straßen des Dubliner Bezirks The Liberties. Und gelöscht wurde es mit Pferdeäpfeln. Aber lassen Sie uns von vorne beginnen …

Der brennende Whiskey-Strom

Das Quitschen von aufgeregten Schweinen hallte frühmorgens am 18. Juni 1875 durch die Strassen und Gassen von Dublin. Ein Feuer war ausgebrochen, bei Malone’s Malt House & Storehouse in der Chamber Street, wo 5.000 Fässer Whiskey und andere Spirituosen gelagert wurden. Die Ursache ist bis heute nicht bekannt, aber fatalerweise breitete sich das Feuer sehr schnell aus.

Als die Flammen die mit dem hoch entzündlichen Alkohol gefüllten Holzfässer erreichten, platzten diese auf und sandten einen brennenden Whiskyfluss aus, der sich wie flüssige Lava durch die Straßen wälzte. Die brennende Spirituose entzündete wiederum alles, was mit ihr in Kontakt kam. Bald brannte das ganze Viertel. In dem besonders ärmlichen Stadtteil Dublins des 19. Jahrhunderts war es ausserdem nicht ungewöhnlich, dass Nutztiere entweder innerhalb oder außerhalb der Mietskasernen lebten. In der Folge liefen auch noch panische Tiere durch die Straßen – nicht nur Schweine, auch Ziegen und Federvieh, Esel und Pferde – und trugen zu dem tödlichen Chaos bei.

Dublin Whiskey Fire; Artokoloro Quint Lox Limited / Alamy Stock Foto

Der Mann der Stunde

Die Dublin Fire Brigade kam unter der Führung von Captain James Robert Ingram, der Feuerwehrmann bei der New Yorker Feuerwehr gewesen und für seine »unkonventionellen« Strategien zur Brandbekämpfung bekannt war. Ingram hatte seinen Männern verboten, ein Feuer auf einem lodernden Schiff im Hafen von Dublin zu löschen. Stattdessen bat er die Marine, es zu versenken.

Ingram wusste in diesem Fall, dass es katastrophal wäre, Wasser auf das Feuer zu gießen, da der Whiskey wie Benzin darauf schwimmen und das Feuer in der ganzen Stadt verbreiten würde. Auch dieses Mal half wieder die Armee. Man schickte Soldaten aus und befahl ihnen, Barrieren aus Pflastersteinen zu errichten und eine Mischung aus Sand und Kies auf den Whiskey zu gießen. Aber Captain Ingram erkannte bald, dass das nicht genug sein würde, als der Whiskey anfing, durch den Sand zu sickern.

Pferdemist war die Lösung. Unmengen davon lagen in Depots in der Stadt. Ingram befahl, dass Wagenladung davon in die Liberties gebracht und auf die Straßen geschüttet werden sollte. Als der brennende Whiskey auf den feuchten Mist traf, wurde er aufgehalten und das Feuer begann langsam nachzulassen.

Obwohl das Feuer dank der Pferdeäpfel gezügelt werden konnte, drohte die flammende Sintflut sowohl das Coombe Maternity Hospital als auch das Karmeliterkloster in der Ormond Street zu erreichen, bis ein segensreicher Wind die Flut abwandte (die erleichterten Nonnen dankten für das erbetene Wunder). Während in der Stadt erhebliche strukturelle Schäden auftraten, starb auf wundersame Weise nicht eine Person in den Flammen oder durch Rauchvergiftung. Allerdings forderte das »Whiskey Fire« eine tragische Anzahl von Opfern.

13 Tote waren zu beklagen

Die Flammen hatten sich anfangs so schnell verbreitet, dass Flucht für die meisten Bewohner die einzige Rettung war. Andere machten sich daran, die kostbare Flüssigkeit aufzufangen, bevor sie endgültig verloren war. Während die Stadt brannte, sammelten sich nun Menschenmassen an den Ufern des kochenden Schnapsflusses und versuchten, den kostenlosen Whiskey in Töpfen, Pfannen, Hüten und Stiefeln einzufangen.

Mit fatalen Folgen: Zwei Kornträger namens Healy und M’Nulty, wurden in einer Gasse vor der Cork Street bewusstlos gefunden. Mit ihren Stiefeln in Händen, die sie offensichtlich zum Sammeln des Schnaps benutzt hatten. 8 weitere Männer wurden in einem komatösen Zustand nach Meath Hospital gebracht, 12 in das Jervis Street Hospital, drei ins Stevens’ Hospital und ein junger Mann in das Mercer’s Hospital. Und noch viele andere Menschen wurden eingeliefert, mit ähnlichen Symptomen. Insgesamt starben 13 Menschen an den Folgen des brennenden Whiskeyflusses. Keiner der Verstorbenen starb in den Flammen, noch starben sie an Rauchvergiftung – jeder einzelne erlag einer Alkoholvergiftung durch Trinken des verschmutzten Whiskeys.

Der Wiederaufbau und das Andenken an die rettenden Schweine

Das Feuer erwies sich als eines der zerstörerischsten in der Geschichte von Dublin. Der Bürgermeister stellte damals einen Fonds auf und mehrere hundert Pfund – damals viel Geld – wurden aufgebracht, um denen zu helfen, die ihre Häuser verloren hatten.

Viele Geschichten über das berüchtigte »Great Whiskey Fire« leben noch heute. Im Jahr 2014 wurde ein neuer irischer Whiskey namens »Flaming Pig« ins Leben gerufen, benannt nach dem Quietschen der brennenden, fliehenden Schweine, die die Bewohner zuerst auf das Feuer aufmerksam gemacht haben sollen, und noch schlimmere Folgen verhindert haben.

The Great Whiskey Fire of Dublin, 1875
www.flamingpigwhiskey.com

The Great Whiskey Fire of Dublin, 1875

 

Weitere Quellen:

www.irishwhiskeymuseum.com/irish-whiskey-dublintours-irish-whiskey-museum/

www.irishtimes.com/news/offbeat/the-night-a-river-of-whiskey-ran-through-the-streets-of-dublin-1.2743517

 

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