Die 3. Leidenschaft der Madame Sand

Amantine-Aurore-Lucile Dupin de Franceuil, besser bekannt als George Sand (1. Juli 1804 – 8. Juni 1876). Sie trug Männerkleidung, rauchte Zigarren, wechselte in aller Öffentlichkeit ihre Liebhaber, befasste sich mit Politik und bezeichnete sich selbst als Kommunistin. In ihrer Sippe sind Nachfahren französischer Könige und tingelnde Komödianten wild durcheinandergewürfelt. Ihre heute nur noch wenigen Kennern geläufigen Bücher erregten einst die Gemüter und begeisterten Tausende in der ganzen Welt.

Die dritte Leidenschaft von George Sand: die Zigarren

Honoré de Balzac an Eva Hanska im Februar 1838:

»An einem bescheidenen Samstag bin ich gegen halb acht am Abend wohlbehalten in Nohant angekommen und traf meine Freundin George Sand im Morgenrock an. Sie rauchte ihre Nachmittags-Zigarre am Kamin in einem einsamen Zimmer riesigen Ausmaßes.«

Passionierte Aficionada

George Sand hatte die Frauenkleider abgelegt und sich ein männliches Pseudonym zugelegt. Nun hielt sie es für ihre Pflicht, sich gleichfalls männliche Gewohnheiten zu eigen zu machen. In der Gesellschaft Jules Sandeaus rauchten fast alle Zigarren. Aurore bildete bald darauf keine Ausnahme mehr. Zunächst war es nur eine Geste, eine gesellschaftliche Provokation und ein gelungener Schachzug in ihrem neuen extravaganten Leben. Allmählich aber kam sie auf den Geschmack:

»Eine gute Havanna ist eine der besten Erfindungen der Menschheit, die ich kenne«, schrieb sie in ihr Tagebuch.

»Am liebsten mag ich leichte Zigarren mittlerer Länge mit vollem, sattem Geschmack. Habe ich meine Zigarre nach dem letzten Zug abgelegt, kann ich nicht anders, als begeistert zu sein von der von mir geleisteten Arbeit, die mir eine halbe Stunde lang wahres Vergnügen bereitet hat.«

Ihre Umgebung sah das anders. In einem von Casimir Dudevant am Vorabend des Scheidungsprozesses verfassten Memorandum mass dieser dem Rauchen für den moralischen Verfall seiner Gattin eine besondere Bedeutung bei.

1835: Madame Dudevant begann, sich wie ein Mann aufzuführen, fing an zu rauchen, zu schimpfen, Männerkleider anzuziehen und verlor jegliche Anmut des weiblichen Geschlechts …

George Sand entgegnete, dass Kaffee und Zigarren das einzige seien, was ihre »bedauernswerte Inspiration für 200 Francs pro Blatt« aufrechterhalten könne.

Unnachgiebig

Trotz des öffentlichen Tadels hatte Aurore nicht vor, das Rauchen aufzugeben. Sie genehmigte sich zuweilen bis zu sieben Zigarren pro Tag. Selbst der ängstliche Chopin, dem zuliebe sie auf Männerkleidung verzichtet hatte, musste sich damit abfinden.

Ein Zeitgenosse George Sands, ein russischer Musiker, der in Paris gastierte, erinnerte sich voller Empörung, wie sie auf einem Empfang eine Zigarre herausholte und den Komponisten gebieterisch anheischte. »Frédéric, Feuer!« – und wie Frédéric sofort mit Streichhölzern losstürzte…

Im Gedenken an die berühmte Schriftstellerin trägt eine Frauengesellschaft für Zigarrenliebhaberinnen, die 1992 in Kalifornien gegründet wurde, ihren Namen. Wahrscheinlich wäre die große Aficionada George Sand begeistert gewesen.


Text: Yvette Krasnogorskaja

Vorbereitung des Arbeitsmaterials: Xenia Jakowlewa

Illustrationen: Maria Sosnina

 

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.