Ecuadorianischer (Trink)Genuss

Von gekochten Maden und der Chicha.

Grosser Berg Reis, Hähnchen, etwas Yuca, etwas Koriander (um das eklige Grünzeug kommt man hier nicht rum) und zum Trinken etwas mit viel Zucker. Dieses Gericht, welches man hier am liebsten drei mal pro Tag essen würde, könnte man als das Paradebeispiel für den Ecuadorianischen Genuss, als ein typisches Gericht von hier bezeichnen.

Aber ich möchte über Maden, Ameisen und Chicha schreiben – über das, was einen als Kind beeindruckt hat, über was man nur faszinierende Geschichten und unglaubwürdige Gerüchte gehört hat.

Etwas Weißes, Glitschiges ziert meinen Teller, umgeben von Koriander

Es ist eine weisse, gekochte Made. Meine Befürchtungen haben sich als eine vorbestimmte Wahrheit herausgestellt.

Die Made liegt direkt vor mir, auf meinem Teller und ist bereit, von mir gegessen zu werden. Aber bin ich dazu bereit?

Etwas zögernd, mit einem »leichten« Ekel beisse ich von dem weissen, glitschigen Ding auf meiner Gabel ab. Geschmacklich? Naja, ist nicht viel Geschmack vorhanden, aber die Konsistenz gibt mir den Rest! Ich verschenke den Rest meiner Made und den Koriander nur allzu gerne mit dazu.

Was geschmacklich beeindruckender war, irgendwie Hähnchen ähnlich, waren die Fingerbeeren grossen, schwarzen Ameisen. Diese räuchert man und verzehrt diese als kleinen Snack so nebenbei. Geschmacklich eigentlich ganz angenehm für den Gaumen, aber für das Auge eine etwas schwierigere Sache. Sich Insekten in den Mund zu stecken, löst bei mir einfach kein gutes, wenn nicht sogar unwohles Gefühl in Kopf und Magen aus.

Ganz angenehm für das Auge ist die Chicha. Ihr Effekt auch uns, gemüsefressenden Europäern, definitiv bekannt.

Es handelt sich um Alkohol

Aber nicht um irgendeinen Alkohol, den man sich wie bei uns im Spirituosenladen in einer schön verzierten Glasflasche kauft, sondern um ein Getränk aus Yuca oder aus diversen anderen stärkehaltigen Lebensmittel wie Mais oder Chonta.

Nun wie bekommt man den gewünschten Alkohol? Nun, man kaut die Yuca, spuckt sie aus und lässt diese gären.

Man trinkt also vorgekautes Essen und die Spucke von diversen Menschen. Eine Ehre ist das, wenn man davon trinken darf.

In meinem Kopf fühlt es sich aber ehrlich gesagt nicht nach einer Ehre an, es alarmiert eher meinen Brechreiz bei dem Gedanken, dass mein Getränk von anderen Menschen vorgekaut und mit deren Spuck vermischt worden war.

Ich finde es teilweise nur noch mühsam, mein Glas mit anderen Menschen zu teilen. Das ist noch mal ein ganz anderes Niveau von Getränk in Kombination mit menschlicher Spucke!

Serviert wird die Chicha zum Beispiel in einer ausgehöhlten Kokosnussschale und wird von Person zu Person weiter gereicht (in meinem Kopf male ich mir aus, wie viel zusätzliche Spucke da noch reinkommen mag).

Geschmacklich sehr fremd, auch wenn man nicht weiss, wie diese hergestellt wird. Die Wirkung – doch sehr bekannt und nicht ganz unerwünscht.

Es gibt den oben genannten, für uns bekannten Genuss wie Hähnchen mit Reis, aber der eindeutig spannendere und aufregendere Genuss sind die Dinger, von denen man in Büchern liest, Gerüchte hört und seinen Augen zuerst nicht trauen möchte, wenn vor einem eine fette Made oder geräucherte Ameisen auf dem Teller liegen. Und am besten spült man das kulinarische Erlebnis mit einer Chicha (mit extra viel Spucke) runter!

 

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