»You can steal my woman but don’t play with my whisky!«

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Alkohol besitzt eine reinigende Kraft. Spieleifer, Komödie, aufgesetzte Arroganz. Ein wunderbarer Zustand. Alles Wenigbedeutende verschwindet, man ist – wie es sein soll – im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit ist bereits Geschichte, über die Zukunft nachzudenken lohnt sich nicht – sie ist unerkennbar.

Eine Flasche des Lieblingsgetränks in guter Gesellschaft:

Prost!

Wein und Spirituosen sind eine Lebensnotwendigkeit. Ein Filter der Wirklichkeit, ihr Hervorrufer und Fixiermittel. Sie helfen, sich mit dieser Wirklichkeit anzufreunden. Oder umgekehrt – sich von ihr zu lösen, aufgelöst in trunkenen Illusionen. Der Kern liegt im eigenen Verhältnis zum Leben. Wie und was man filtert.

Internationale Trinkgewohnheiten …

Deutsche

In Deutschland drückt der Alkohol die soziale Zange auf. Der berauschte Humor mit der meist physiologischen Ausrichtung ist unverwechselbar. Der eingepflanzte Drang zur Ordnung versteckt sich, nach draußen dringt die deutsche Sentimentalität. Hier werden praktisch alle zum »jungen Werther«, allerdings mit einem Hauch des modernen Zynismus.

Iren

Die Iren! Drei Guinness intus, mit einem Jameson poliert – sláinte mhaith! Jeder Ire wird bestätigen: in einen Pub im nüchternen Zustand zu gehen gehört schlicht zum schlechten Ton. Mehr noch, es ist unklug. Im Pub ist’s teuerer, warum denn nicht schon auf dem Weg dahin ein Paar bechern.

In Irland ist der Pub keine Schnapsbude, es ist vielmehr ein Kulturhaus. Ein Ort der letzten Neuigkeiten und kultureller Auszeit. Fortpflanzungsdrang nicht zu vergessen.

In der Ästhetik irischer Pubs liegt die gesamte irische Geschichte, der Nationalstolz.

Italiener, Spanier

Die Südländer. Mag mir jemand einen versoffenen Italiener nennen. Nicht mal ein versoffener Spanier würde mir einfallen. Die Südländer besitzen kein Alkoholismus-Gen. Die haben es noch vor Dante Alighieri aus der Welt geschafft. Sie trinken natürlich, aber hauptsächlich während den Damen der Hof gemacht wird. Dabei haben sie so viel Wein um sich herum. Vitalität des Südens!

Amerikaner

In den USA ist es ein einziges Pharisäertum. Hochprozentiges reiht sich in den Supermärkten nur so auf, kalifornische Weine kosten nichts, Tequila – fast nichts. Bei einem Lunch an der Wall Street werden zwei Absolut Martini bestellt. Nach 7,5 Minuten wiederholt man die Runde. Und dann jede 5 Minuten, bis einer der Lunchenden sich in dem gigantischen Ledersessel hintenüber lehnen muss.

Samstags zu Hause trinkt man ganz leise und versteckt, damit die Nachbarn einen nicht denunzieren. Für die US-amerikanische Gesellschaft ist der Alkohol überwiegend eine Untugend.

Juden

Die Juden trinken scheinbar gar nicht. Sie haben ihren Kelch wohl bereits bis zur Neige geleert. Manchmal zum Sabbat etwas Süßes. Eine verschlossene Nation, eine nüchterne. Ist auch viel zu heiss zum Saufen, wäre irrational.

Slawen

Die slawische Säuferei ist mancherorts eine zerstörerische Auflösungserscheinung. Der Slawe trinkt mit einer unbändigen Kraft, Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, als ob er sich für den womöglich letzten Kampf seines Lebens rüstet. Gnadenlose Rebellion. Gegen alles.

… und spagateske literarische Verflechtungen

Die große russische Literatur wagt es nicht, den Alkohol zu thematisieren, geschweige denn, zu glorifizieren. Womöglich, weil sich die halbe Nation ja schon eh im Alkoholdelirium befindet.

Keine Oden an das Trinken. An dieser Stelle muss man den Amerikanern den gebührten Respekt zollen. Heuchelei ist das eine, aber niemand hat den Alkohol so besungen und verehrt wie die US-Literatur.

You can steal my woman but don't play with my whisky!

Charles Bukowksi

Charles Bukowksi war grundsätzlich nie nüchtern. Tagsüber eine Flasche neben der Schreibmaschine, abends Bartresen.

Civilization begins with destillation.

William Faulkner

 

William Faulkner trank viel und inbrünstig, war im Dauersuff. Seine Romane sind voller Gewalt und Hass, gleichzeitig wohnt ihnen ein Gerechtigkeitssinn von berauschender Intensität bei. Nobelpreis! Faulkner war unterdessen stets piekfein, mit gesteiftem Kragen.

Hemingway: »Don’t bother with churches, government buildings or city squares; if you want to know about a culture, spend a night in its bars.«

Und da gibt es ja noch Edgar Poe, Scott Fitzgerald

Das Gebot der Mäßigung

Ich persönlich kann das mit dem »sich mäßigen« nicht mehr hören. Da verschluckt man sich ja sofort. Mäßig trinken ist keine Freude, sondern eine Gewaltsamkeit. Als ob man mit dem Wecker unterm Kopfkissen schlafen würde.

Zum Wohl! Das Leben ist schön. Hier und jetzt und allgemein.

 

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