Geschüttelt, nicht gerührt: Die Geschichte des Cocktail-Shakers

Das essentielle Werkzeug des Barkeepers

Cocktail-Bücher wurden und werden zu Tausenden verfasst  – einmal als Fachbücher, die, falls sie denn gut sind, als Nachschlagewerke nützliche Informationen bereithalten, in der Mehrzahl jedoch als »Handbuch« für die Barfrau bzw. den Barmann in den eigenen vier Wänden, damit sie bzw. er bei der nächsten privaten Cocktail- oder Dinner-Party mit Fähigkeiten glänzen kann, die vordergründig nur den gestandenen Profi auszeichnen.

Dagegen gibt es zur Historie des »Apparatus for Mixing Drinks«, also des »Cocktail-Schüttel-Apparats«, sei es nun der zweiteilige, sei es der dreiteilige, bis heute so gut wie keine Publikationen über den Cocktail-Shaker. Nur einige verschiedene Verkaufskataloge sind hier zu finden, mit denen Museen, Galerien und Auktionshäuser ihre (bedeutenden) Sammlungen dokumentieren.

Sammlerstücke und Wertsteigerungsobjekte

Den wohl wichtigsten Anteil bei der Aufarbeitung zur Geschichte des Cocktail-Shakers haben somit jene leidenschaftlichen Sammler von jenen Utensilien, ohne die eine Bar nicht mehr als solche bezeichnet werden kann. Der bekannteste Experte für diese außergewöhnlichen Artefakte ist der Amerikaner Stephen Visakay, dessen Kollektion mehr als 1.600 Einzelstücke umfaßt. 1997 erschien mit Vintage Bar Ware. Identification & Value Guide das erste Nachschlagewerk des Sammlers, das mittlerweile als das ultimative Buch zum Thema gilt, vor allem auch deshalb, weil es sich ausführlich mit der Geschichte des Shakers beschäftigt. Nicht nur das.

Auch für die Preisbewertung zahlreicher Shaker ist es unerläßlich, und so richten sich inzwischen unzählige Sammler auf der ganzen Welt nach den Vorgaben des Amerikaners. Als im Jahr 2000 eine Neuauflage des Buches erschien, konnten die Leser beispielsweise die interessante Werte­entwicklung alter Shaker nachvollziehen. Sie taten es gewiß nicht ohne Erstaunen. So hatten sich innerhalb von drei Jahren fast alle Shaker, die im Buch dargestellt werden, kräftig im Wert erhöht, wobei die Spannbreite von mindestens 50 bis mehr als 300 % reichte.

Liebhaber von historischen Shakern, die schon vor 20 oder 30 Jahren einige Stücke für Spotpreise auf Flohmärkten erstanden oder bei Haushaltsauflösungen erhalten oder einfach nur geschenkt bekommen haben, dies vor allem deshalb, weil nur wenige mit jenen »Dingern« etwas anfangen konnten  – diese Liebhaber können so auf einen beträcht­lichen Wert verweisen, den ihre Sammlung inzwischen besitzt.

Ein Beispiel: Der futuristische Shaker ›Modernist‹ aus dem Jahre 1926, gefertigt aus Sterling-Silber von der Gorham Company, 1929 in einem Katalog für 100 US-Dollar angeboten, wurde 1997 mit 3.500 bis 4.500 und 2001 mit 14.000 bis 18.000 US-Dollar gehandelt. Keine schlechte Steigerung.

Ein anderes Beispiel: Shaker, Barsieb, Service-Tablett und Lemon Juicer, letzterer mit den Initialen ›AH‹ versehen, kamen über Wien als Geschenk eines Majors in die Sammlung von Visakay. Hergestellt bei Krupp-Berndorf und gestempelt mit Wellner, wurde das komplette Set 1997 auf 1.200 bis 1.600 US-Dollar geschätzt, um schon drei Jahre darauf mit dem zehnfachen Wert (12.000 bis 16.000 US-Dollar) angegeben zu werden.

Nicht bekannt ist, ob die Initialen ›AH‹ für ›Adolf Hitler‹ oder für ›Adlerhorst‹ stehen, jenem ›Teehaus‹ auf dem Berchtesgadener Obersalzberg, das zum Anwesen des Diktators gehörte.

Die berühmteste Sammlung an Shakern

Eine weitere Größe auf unserem Gebiet ist der Sammler, Galerist und Autor Simon Khachadourian. Seine beeindruckende Kollektion ist Teil der Ausstellung ›Objets de Luxe 1880–1950‹, zu sehen in der Londoner ›Pullman Gallery‹. Beeindruckend ist auch sein Buch The Cocktail-Shaker, das im Jahr 2000 erschienen ist  – ein Guide, der das Herz eines jeden Sammlers und Interessierten höher schlagen läßt. Simon Khachadourians Sammlung beherbergt wohl einige der bedeutendsten und seltensten Stücke von Bar Silver Ware und Bar Glass Ware, die es überhaupt noch zu erwerben gibt.

Cocktail-Shaker The Gaiety
›The Gaiety‹, der bekannteste Cocktail-Shaker der 30er und 40er Jahre, von Howard Reichenbach im Oktober 1933 designt und hergestellt bei ›Chase Brass & Copper‹, Waterbury, Connecticut

 

Obgleich einige Sammler bisher 300.000 US-Dollar und mehr für ihre Kollektionen aufgewendet haben, ist es für den interessierten Anfänger beruhigend zu wissen, dass man zunächst einmal mit kleinem Geld beginnen kann. Einige hundert Dollar genügen für den Einstieg in diese Leidenschaft, denn viele Glas-Shaker sind verhältnismäßig preiswert. Das Internet und die dort vertretenen Verkaufsbörsen machen es heutzutage möglich, Shaker und weitere Utensilien für die Bar weltweit zu ersteigern.

Ein Beispiel: Bei einer Auflistung von 500 Modellen sind über die Hälfte für ein Erstgebot von unter 100 US-Dollar jüngst zu haben gewesen. Auch bei Antiquitätenhändlern lassen sich manchmal einige schöne Shaker aus Silber oder versilbert oder auch solche aus Glas finden. Mitunter reicht auch schon einmal ein Blick in Großvaters Barschrank …

Der Urvater der Barmixer

Auch das Mixen selbst hat eine ähnlich lange Geschichte. Die erste schriftliche Erwähnung für das Wort »Cocktail« findet sich, wie an anderer Stelle erwähnt, in der amerikanischen Monatszeitschrift Balance and Columbian Repository (Ausgabe vom 13. Mai 1806). Doch es musste einige Zeit vergehen, bis das erste Rezeptbuch für »Mixed Drinks« erschien. 1862 gab es ein Verlag namens ›Dick and Fitzgerald‹ in New York heraus. Verfasser war der legendäre Professor Jerry Thomas, dessen Werk den Titel How to mix Drinks or The Bon-Vivants Companion trug. Für jeden Barkeeper ist besagter Jerry Thomas, der bekannteste Barmixer des 19. Jahrhunderts, zugleich Urvater und Legende der Zunft.

Weitere bedeutende Bücher erschienen 1882 und 1888, und um 1900 kamen auch die ersten Getränkebücher in Deutschland auf den Markt, unter anderem so bekannte Werke wie Sämtliche Getränke der Gegenwart (1901), Der Mixologist von C.A. Seuter (1909) und Die modernen Getränke von F.J. Beutel (1919).

Zum Klassiker für jeden Barmann wurde schließlich das Savoy Cocktail Book von Harry Craddock, der aus New York nach London ging, um dort im luxuriösen Hotel ›Savoy‹, das nach wie vor existiert, am Strand № 1 »Chief Barmixer« zu werden. Er hatte den Kontinent nicht ohne Grund gewechselt, denn ihm war sehr daran gelegen, auch weiterhin seinen Beruf ausüben zu können. Zu jener Zeit herrschte in Amerika die Prohibition (das Verbot, Alkohol auszuschenken, galt von 1920 bis 1933). Aus diesen Jahren stammen auch die verrücktesten und kreativsten Gefäße, aus denen man Alkohol zu sich nahm bzw. in denen man Cocktails mixte, um somit die Wächter des Verbots zu täuschen.

Patente und Apparate

Kommen wir zu den Patenten. Das erste für ein »Apparatus for Mixing Drink«, angemeldet von William Harnett aus Brooklyn, wurde am Heiligabend des Jahres 1872 vom US-Patentamt unter der Nummer 134.274 registriert. Bei diesem »Apparatus« handelte es sich um ein Modell, das mittels Kraft und Mechanik für sechs Shaker gleichzeitig zu bedienen war. Die ersten zweiteiligen Shaker waren schon in den Jahren 1882 und 1883 patentiert worden, während sich E.J. Hauck den ersten dreiteiligen »Shaker for Mixing Drinks« am 24. Juni 1884 patentieren ließ. Bleiben noch die ersten Glas-Shaker zu erwähnen. Sie wurden Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt bzw. patentiert.

Bevor sich diese Patente durchgesetzt hatten, wurden die Cocktails auf eine heute ungewöhnlich anmutende Weise gemixt. Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhundert behalf man sich mit bereits vorhandenen Gefäßen. Man nahm zwei Gläser oder Krüge mit Henkel, füllte eines zu einem Drittel mit zerschlagenem Eis, goß die Zutaten hinzu und schüttete den Inhalt zwischen den beiden Gläsern so oft hin und her, bis man glaubte, dass die Bestandteile richtig gemischt und gekühlt waren. Danach wurde der Drink durchgeseiht und in das eigentliche Trinkglas gefüllt.

Der Höllenfeuer-Drink

Eine nette Anekdote um den »Professor« soll hier ihren gebührenden Platz finden: Um 1850 war Jerry Thomas in San Francisco als »First Assistent« des »Principal Bartender« im ›El Dorado‹ beschäftigt. Eines Tages ließ er sich durch folgende Bemerkung eines reichen Goldgräbers herausfordern: »Mixer, mach’ mir mal einen Höllen­feuer-Drink zurecht, den man im Magen auch richtig spüren kann …« Jerrys Antwort: »Kommen Sie in einer Stunde wieder, Sir. Bis dahin lasse ich mir etwas einfallen.« Nach einer Stunde stand der Herausforderer in vorderster Reihe der Menschenansammlung, die sich vor dem Bartresen in gespannter Erwartung gebildet hatte.

Mit einer leichten Verbeugung kündigte Jerry den Gentlemen die Geburt eines völlig neuen Drinks an. Er nahm zwei Schaustücke des ›El Dorado‹ zur Hand, große silberne Henkelkrüge, und stellte sie nebeneinander vor sich auf die Bar.

In den einen goß er ein riesiges Longdrink-Glas Scotch Whisky, gefolgt von einer etwas kleineren Menge kochenden Wassers. Dann zündete er die Mischung an. Eine blaue Flamme schoß bis zur Decke des Barraums hoch, so daß die Anwesenden reflexartig einen Schritt zurücktraten. Jerry nahm in jede Hand einen der beiden silbernen Krüge und goß die Mischung zwischen den beiden Krügen in einer so hohen Geschwindigkeit hin und her, daß ein kontinuierlicher Strom von flüssigem blauen Feuer für zehn Sekunden die Szenerie erhellte. Dann löschte er die Flamme, rührte einen Teelöffel Puderzucker ein und spritzte mit Zitrone ab. Mit einer leichten Verbeugung gab er den Namen der neuen Kreation bekannt: »Für Sie, ›The Blue Blazer‹, Sir« – und schob den rauchenden Drink auf den Platz vor seinem Herausforderer.

Dieser ließ sich nicht lumpen: Er stellt sich in Positur, warf den Kopf in den Nacken und stürzte das Höllengebräu in einem Zug hinunter. Die Wirkung zeigte sich unmittelbar: Er begann am ganzen Körper zu zittern, seine Zähne schienen zu tanzen, die Augenlider ebenfalls, und er selbst schwankte wie ein Rohr im Wind. Dann sank er langsam in einen Sessel. Als er nach einigen Minuten die Sprache wiederfand, zeigte er sich als fairer Verlierer. »Das war wirklich ein Drink!« murmelte er. »Den spürt man tatsächlich im Magen!« Und zu Jerry Thomas: »Sie haben es geschafft, Sir!« Dann warf er eine Tüte Goldstaub auf die Theke und taumelte hinaus.

Dieses Ereignis hat wie kein anderes dazu beigetragen, den Ruf des Jerry Thomas als großartigen Barmixer zu festigen. Alle Darstellungen, die von ihm überliefert sind, zeigen ihn stets mit den beiden silbernen Krügen beim Zelebrieren des ›Blue Blazer‹.

Shaker und Design

Die Patente für Shaker wurden schnell in die ungewöhnlichsten Formen und Designs umgesetzt. Um die Jahrhundertwende pflegte man in den New Yorker Cityhotels die englische Gewohnheit der »Five-o’clock Tea Time«, und gleichzeitig entwickelte sich die »Fünf-Uhr-Cocktail-Stunde« mit all den glänzenden Cocktail-Shakern, die zu dieser Zeit in Form und Design mit Bedacht jenen Teekannen der »Tea Time« nachempfunden waren, die auf den Tischen der feinen Salons zu stehen kamen. Später, in den 20er Jahren, wurden ›Martinis‹ in Shakern aus Sterling-Silber für die feine Gesellschaft gemixt, während sich das nicht ganz so gut betuchte Publikum mit einfachen Shakern zum Mixen seiner Drinks begnügen mußte, beispielsweise solchen, die mit Nickel überzogen waren.

Während des 1. Weltkriegs ließ das Interesse an Cocktails, Shakern und dergleichen naturgemäß nach, doch die letzte Gewehrkugel war gerade einmal zwei Jahre zuvor abgefeuert worden, als geradezu eine Cocktail-Euphorie anbrach. Grund war die Prohibition in den Vereinigten Staaten. Sie erreichte im End­effekt nur das Gegenteil dessen, was die ›Anti Saloon Liga‹ erreichen wollte. Es gelang einfach nicht, den Alkoholkonsum nennenswert einzudämmen, obwohl in aggressiver Weise jeglicher Wirtshausbesuch verteufelt und sich der Berufsstand von Wirtsleuten und Bartendern – sofern sie Alkohol ausschenkten – bald auf einer Ebene mit den Gewerben von Bordellwirten, Opiumhöhlenbetreibern und sonstigen Ganoven wiederfand. Gerade durch dieses Verbot erfuhren Spirituosenindustrie, Cocktail-Kunst und Shaker-Herstellung enorme kreative Impulse, wodurch vor allem die Popularität des Cocktail-Shakers nachhaltig erhöht wurde – nicht zuletzt auch deshalb, weil er in dieser Zeit alle nur denkbaren (und undenkbaren) Formen annahm, so unter anderem Modelle von Flugzeugen und Leuchttürmen, von Hähnen und Pinguinen, von Feuerlöschern und Glocken, und auch solche von Golfbags waren auszumachen.

Selbst Länder wie China und Japan stellten  – natürlich mit den bekannten Drachenmustern – Silber-Shaker her, auch aufwendig von Hand bemalte und solche mit  – Chinalack. Sie fanden den Weg nach Amerika und Europa durch die großen Einwandererwellen und gelten heute als echte Raritäten. Auch in Dänemark und Deutschland wurden viele sehr gute Modelle produziert, wobei diese Teile den amerikanischen und englischen Shakern in nichts nachstanden.

Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hielt und das Gebrauchsgegenstände aus Metall fertigte, brachte seinerzeit eine eigene Linie auf den Markt. Große Marken wie ›Asprey‹ und ›Cartier‹, ›Christofle‹ und ›Tiffany‹ ließen durch bekannte Designer ihre eigenen kapriziösen Modelle kreieren. Auch aus Old Germany kamen Anregungen. Als der Atlantikflug des Zeppelins ›LZ 126‹ im Oktober 1924 die Aufmerksamkeit der Welt fand, nachdem er seinen Flug von Friedrichshafen nach Lakehurst bei New York in »nur« 81 Stunden bewältigt hatte, folgte vier Jahre nach diesem Ereignis auch ein Shaker in Zeppelinform. Er wurde in zwei verschiedenen Größen und Flügelspannweiten hergestellt, wobei man nahezu jedes Detail nutzte: den Korpus als Shaker, die Flügel als Flaschen; dazu gab es ein Dekantiergefäß, einen Eispicker, einen Korkenzieher, ein Sieb, vier Löffel, sechs kleine Drinkgefäße und noch vieles mehr; auf insgesamt 23 Einzelteilen bestand dieses Set. Heute sind »Zeppeline« absolute Liebhaberstücke, für die bei Auktionen horrende Preise gezahlt werden (je nach Zustand und Vollzähligkeit zwischen 15.000 und 30.000 US-Dollar).

Shaker im Stil des Art deco

In den 30er Jahren, nach der Prohibition, gab es eine weitere Wandlung im Design, beeinflußt vor allem durch die ästhetische Kunst des Art deco und, etwas später, durch die Moderne, welche die Linienformen der Shaker nachhaltig prägte. Darüber hinaus zog die Nachfrage weiter an: Renommierte Firmen wie ›International Silver Company‹ und ›Napier‹ trugen einem immer stärker werdenden Bedarf Rechnung und stellten Shaker in Massen her. Die Objekte waren jetzt chromüberzogen, aus rostfreiem Stahl mit Griffen, Rändern und Spitzen aus Bakelit, und es waren richtungsweisende Kreative wie der Industrie-Designer Norman Bel Geddes, welche die Formen beeinflußten. Nun waren Wolkenkratzer die Vorbilder, ›Skyscraper Style‹ genannt, doch auch jene Shaker mit Henkel, die aussahen wie moderne Kaffeekannen, waren wieder en vogue und stellten sich als populäre Modelle heraus. Wenn jedoch ein endgültiger Klassiker genannt werden müßte, so wäre dies der glatte, mit Chrom überzogene Manhattan-Wolkenkratzer-Shaker von 1936, stromlinienförmig und modern, ein echtes Meisterwerk. Heute wird er von vielen Sammlern wegen seiner vollkommenen Verbindung von Form und Funktion geschätzt –und somit auch gesucht.

Gläserne Zeiten für Cocktail-Shaker

Der Abschied vom Sterling-Silber als Material der Shaker vollzog sich relativ schnell. Die Vorteile von Shakern aus Glas lagen auf der Hand, gehörte doch mit ihrem Aufkommen das Putzen und Polieren (fast) der Vergangenheit an.

Große Glasfirmen wie ›Cambridge‹ und ›Heisey‹ stellten Shaker in vielen Farben her, häufig mit Rubin, dann auch mit Kobalt koloriert, des weiteren verziert mit Einlagen aus Sterling-Silber: Neben Streifen und Motiven waren mitunter aufwendige Ornamente zu sehen.

Auch das Ätzen des Glases war eine häufig angewandte Methode. Es entstanden außen am Glas Maßtabellen für die verschieden Cocktails, wodurch praktisch jeder die Klassiker herstellen konnte … nacheinander die bezeichneten Alkoholika in der korrekten Menge einschenken, Eis dazugeben und dann nur noch »losschütteln«.

Das Ende der goldenen Ära

Die goldene Ära und die große Zeit der Cocktail-Shaker endete jäh. Das geschah Anfang der 40er Jahre – genauer am 7. Dezember 1941 – mit dem Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg. Alles Metall benötigte man nun zur Herstellung von Kriegsmaterialien  – Waffen und Munition waren jetzt wichtiger. Firmen, die vorher Shaker hergestellt hatten, hatten umzurüsten und Artilleriegeschosse zu liefern.

Nach dem Krieg lebte die Erinnerung an Shaker  – und mit ihr die Cocktail-Kultur  – kaum mehr auf. Zwar verzeichnete man in den frühen 50er Jahren ein kurzes Aufflackern des Interesses an Cocktail-Shakern, doch batteriebetriebene rührende Vorrichtungen und elektrische Mixer löschten die kleine Flamme der Aufmerksamkeit relativ schnell. Die Push-Button-Zeit, die Plastikzeit, war angebrochen: »Füllen Sie etwas Eis, den Alkohol und die pulverisierte Geschmacksrichtung hinzu und drücken Sie auf den Schalter …«

Die Kunst, die Methoden, die Rituale, das gesamte Showmanship gerieten in Vergessenheit, und die Shaker, die Sterne der 30er Jahre, wurden in den einstweiligen Ruhestand verschickt.

Und dort warten Sie  – auf Dachböden, in Kellern, in Wandschränken, um irgendwann wieder ins Leben zurückgerufen zu werden. Fast 50 Jahre hat es gedauert, bis das »Kling« der Eiswürfel wieder schwach zu hören ist. Stärkere Laute wären zu wünschen, welche die Rückkehr des Shakers als eines der strahlenden Symbole von Eleganz, Kunst und Stil signalisierten.

 

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