Green Spot & Yellow Spot

Wiederentdeckung der Tradition.

Eine Wein- und Spirituosenhandlung gab es schon seit 1805 in der Grafton Street, später in der Kildare Street und heute im Finanzdistrikt der Docklands. Das wohl älteste Weinhandelshaus Dublins Mitchell & Son kümmerte sich nicht nur um den Import von Rum, Wein, Madeira, Sherry oder Port, sondern vertrieb seit den 1880er Jahren unter der Hausmarke Pat Whisky (ohne -e geschrieben) für einige Jahre ebenfalls einen Whiskey.

Mitchell & Son ©The Gateway to Distilleries 2018
Mitchell & Son ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Wie es damals üblich war, wurden die Spirituosen aus der Karibik, die Weine aus Bordeaux und die Sherrys aus Andalusien in großen Eichenholzfässern im Dubliner Hafen angeliefert. Für die Lieferung an die Hotels, Pubs, Restaurants und die privaten Kunden füllten die Mitchells die Getränke in kleinere Fässer, Keramikkrüge, -crocks oder Flaschen um.

Eine Idee setzt sich durch

»Was tun mit den vielen leeren Transportfässern?« fragten sich die Händler. Anfangs verkauften sie diese an die vielen Dubliner Distilleries in den Liberties. 1887 erweiterten die Mitchells ihr Geschäft und wurden selbst zum Whiskey-Bonder. Sie schickten leere Fino-, Oloroso-, Pedro Ximénez- sowie Port-Fässer zur Jameson Distillery in die Bow Street und ließen jährlich bis zu 100 Stück davon mit einem dreifach gebrannten Pot Still Spirit befüllen.

Das Destillat reifte in ihren eigenen weitläufigen steuerfreien Kellern mitten in Dublins Zentrum in der Fitzwilliam Lane zum Whiskey heran. Weil die Bonder das Alter der Whiskeys auf ihren Fässern mit bunten Farbklecksen markierten, entstanden die Labels. Der Blue Spot lagerte 7 Jahre, der Green Spot 10, der Yellow Spot 12 und der Red Spot 15 Jahre in den Import-Fässern. Durch das Verschneiden der in Madeira-, Sherry- oder Port-Fässern reifenden Whiskeys erweiterten sie das Aromaprofil der Mitchell-Whiskeys. Die Spots wurden in Irland gerne getrunken. Im Ausland waren sie nur spärlich erhältlich.

Privileg. Pot Still Whiskey aus Dublin

Anfang der 1960er Jahre stellte die John Jameson Distillery den Verkauf des New Spirits an irische Bonder mit einer Ausnahme ein. Bis zur Schließung der Brennerei in Dublins Bow Street im Jahre 1971 erhielten Mitchell & Son den frischen Spirit. So konnten sie eine kleine Fangemeinde mit dem in Irland mittlerweile sehr seltenen Pot Still Whiskey (ca. 4.000 bis 6.000 Flaschen pro Jahr) versorgen. Aktuell reifen die Whiskeys Green Spot und Yellow Spot wieder in großen Mengen in den gigantischen Warehouses der Midleton Distilleries im County Cork.

Midleton. Hier wird der neue Pot Still gebrannt.
Midleton Distilleries. Hier wird der neue Pot Still gebrannt. ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Der Pure Pot Still Green Spot war in den 1970er Jahren und danach ein Geheimtipp. So brachte der Postbote dem in Paris lebenden irischen Dramatiker Samuel Beckett – Waiting for Godot – das exklusives daily tipple aus Dublin im Päckchen ins Haus. Mitchells Green Spot Pot Still Whiskey war zur Jahrtausendwende einer der wenigen Vertreter der ehemals stolzen irischen Whiskey-Industrie.

Nach dem Verkauf der Marke an die Irish Distillers-Pernod Ricard Group im Jahre 2011 erfuhr das Nischenprodukt in neuer Aufmachung eine gewaltige Renaissance. Die Iren entdeckten ihre kulinarische Vergangenheit neu. Außerdem erschien 2012 in einer ersten limitierten Auflage von 3.000 Flaschen ein 12-jähriger Yellow Spot. Die Whiskey World frohlockte. Der dreifach gebrannte Single Pot Still Whiskey aus ungemälzter und gemälzter Gerste wurde nach der alten Rezeptur wiedererschaffen. Er ist ein Vatting aus 12jährigen Whiskeys, die jeweils in amerikanischen Bourbon Barrels, Seasoned Sherry Casks aus Jerez und Likörweinfässern aus Malaga in den Lagerhallen von Midleton reiften. Es fand kein Finishing statt!

Wie schmeckt ein Yellow Spot Pot Still Whiskey?

 

Yellow Spot
©The Gateway to Distilleries 2018

 

Aromen von Pfirsich, Honig, Muskat und Gewürznelken verbinden sich mit einem süßen, cremigen und würzigem Geschmack, der Spuren einer Crème Brûlée mit Milchschokolade mischt. Tropisch-fruchtige Aromen wirken in einer kräftigen Fülle nach und gestalten den Iren zu einem wohltuend nachklingenden Ereignis. Jeder Tropfen überrascht immer wieder positiv mit einem kräftig-fruchtigen Aroma-Profil. Der Spannungsbogen aus Honig, Karamell, Nüssen, Mandeln und folgender Ingwerschärfe formt eine reizvolle Komposition, deren Genuss nie langweilig wird. Die andalusischen Wein-Fässer, in denen zuvor ein junger süßer Dessertwein aus der Provinz Málaga die erste oxidative Prägung erfuhr, drücken dem Yellow Spot markant ihren Stempel auf. Sie machen den Pot Still süßer, komplexer, tiefgründiger und reifer als seinen jüngeren Bruder Green Spot.

Der gelbe Fleck ist ein weicher Whiskey mit filigranen Weinnoten zum Genießen. Mit starken 46 Vol.-% und nicht kühlgefiltert repräsentiert der Yellow Spot auf magische Weise den vielschichtigen klassischen Irish Single Pot Still Whiskey-Typ vergangener Generationen. Ein purer Genuss! Es ist die Wiedergeburt eines Klassikers.

Preis: 60,00 Euro

 

 

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