Irischer Whiskey brennt

Foto: The Gateway to Distilleries 2018
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»Irischer Whiskey ist dreifach aus einer Mischung ungemälzter und gemälzter Gerste destilliert, er ist in den Aromen und im Geschmack nicht torfig.« Die Iren bastelten über Jahre sehr erfolgreich an diesem Mythos. Der französische Global Player Pernod Ricard, Besitzer der Marke Jameson, freut sich über ein außergewöhnliches Wachstum von 13% gegenüber dem Vorjahr 2016. Das Paradepferd Jameson wurde 2017 zum beliebtesten und bestselling Irish Whiskey in den USA. Die beeindruckende Erfolgskurve wird allerdings durch schwächelnde Absatzzahlen im Heimatland getrübt, dort beklagen die Publicans ohnehin Umsatzeinbrüche.

Zwischen Mythos und den aktuellen Dimensionen

Mit ihrem Protagonisten Jameson dominieren Pernod-Ricard den irischen Whiskey-Markt mit 60 Millionen Litern Umsatz weltweit – mehr als 110 Millionen Flaschen irischer Whiskey wurden 2016 verkauft. Mittlerweile sind die über 200 Millionen Euro teuren Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen am Produktionsstandort Midleton Co. Cork abgeschlossen. Die jährliche Kapazität beträgt 64 Millionen Liter reinen Alkohols.

Midleton, Fassungsvermögen der weltgrößten Brennblase: 143.000 Liter; © The Gateway to Distilleries 2018
Midleton, Fassungsvermögen der weltgrößten Brennblase: 143.000 Liter ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Vorbei sind die Jahre des Jammers, als die irische Whiskey-Industrie fast vollkommen am Boden lag. Mit dem Kauf der Irish Distillers durch Pernod-Ricard im Jahre 1986 begann die Kehrtwende. Plötzlich waren irische Whiskeys wieder in den Regalen der Duty Free Shops internationaler Flughäfen zu finden. Die Franzosen öffneten neue Vertriebswege. Jameson Whiskey ist heute sehr bekannt und dazu noch populär. Für viele wurde er zum Symbol irischer Lebensfreude. Jameson, das ist DER irische Whiskey. Selbst die amerikanische Beam Inc., ebenso ein Gigant auf dem Spirituosen-Markt, sprang auf den rasant fahrenden Zug und positionierte sich 2011 mit dem Erwerb der einzigen bis dahin unabhängigen Destillerie Cooley für 95 Millionen Dollar in diesem Segment.

Der Weltmarktführer des 19. Jahrhunderts genoss traditionell einen sehr guten Ruf und wurde ausgesprochen gerne getrunken. Um die Jahrhundertwende allerdings schlitterte irischer Whiskey in eine teilweise selbstverschuldete Krise.

Eine bedauerliche Misere

Ursachen waren das sture Festhalten am traditionellen Irish Pot Still Whiskey, die Erfindung der Coffey Patent Still, die Ablehnung von Grain Whiskey und damit Blended Whiskey, die Abspaltung vom Vereinigten Königreich, die amerikanische Prohibition, die Weltkriege, hohe Alkoholsteuern und die Hinwendung der Verbraucher zum günstigen Bier.

Eine Reihe von Faktoren bewirkte, dass es nach 1950 lediglich wenige verbliebene Destillerien auf der Emerald Isle gab: Bushmills, Coleraine, Comber, Jameson & Son, Power & Son, Tullamore, John Locke sowie Midleton. Die glorreiche Zeit irischer Destillationskunst war nur noch eine wehmütige Erinnerung. 1835 hatten 93 Brennereien in den Städten und auf dem Lande die Welt mit 50,2 Millionen Litern »Wasser des Lebens« überschwemmt. Viele, teilweise unglückliche wirtschaftliche, politische und produktionstechnische Faktoren sowie marktpolitische Fehlentscheidungen bewirkten einen Fast-Zusammenbruch der irischen Whiskey-Industrie.

»Vergessen wir die Vergangenheit, blicken wir in die Gegenwart und in die Zukunft, denn Irischer Whiskey brennt«, freut sich Stephen. Sein Vater, Dr. John Teeling, hatte 1987 mit dem Kauf der in Riverstown im Co. Louth gelegenen Potato Peel Distillery eine marode Industrie-Alkohol Brennerei vom irischen Staat erworben. Statt Alkohol für die pharmazeutische Industrie produzierte der Dubliner Unternehmer nunmehr Whiskey in der nach der Halbinsel Cooley umbenannten Brennerei. Der European Distiller of the Year 2011 destillierte sowohl Grain Whiskey als auch zweifach oder dreifach gebrannten Malt Whiskey. Aus drei Column Stills sprudelten etwa 2.5 Millionen Liter Grain Spirit pro Jahr, während die beiden 1989 installierten kupfernen Brennblasen 650.000 Liter rauchige oder nicht-rauchige Gerstendestillate brannten.

Die Marken Tyrconnel, Greenore, Kilbeggan und Connemara diversifizierten das bis dahin überschaubare Angebot der Monopolisten Bushmills und Jameson. In den Regalen des Einzelhandels standen die Auftragswhiskeys Concannon, Danny Boy, Michael Collins, Feckin oder Slane Castle – mit den White Labels fand der Whiskey von Cooley massenhaft mit phantasievollen Namen seinen Weg in Lebensmittelketten wie Aldi, Edeka, Lidl und Rewe. Mehr als 125 Goldmedaillen markieren Teelings sensationellen Erfolg. Daher ist es kein Wunder, dass Beam Inc. die innovative Brennerei in ihr Portfolio aufnahm. Mit der Übernahme der Amerikaner durch den japanischen Getränkekonzern Suntory firmieren die Produkte inzwischen unter Beam-Suntory.

Neugründungen und Strukturelles

Der Blockbuster Jameson machte die Pace. Auch Cooleys Erfolge bewiesen das Entwicklungspotenzial von Whiskey aus Irland. Überall in der Republik und in Nord-Irland initiierten Investoren den Bau kleinerer und größerer Brennereien.

Beispielsweise taten sich im malerischen südirischen Küstenort Union Hall im Jahr 2003 drei Freunde zusammen. Denis McCarthy, sein Cousin Ger McCarthy und John O’Connell trafen sich in ihrer Stammkneipe Dinty’s. Bei einem kühlen Pint of Murphy’s sinnierten sie über ihre private und berufliche Zukunft. Denis und Ger waren vom Niedergang der Fischerei betroffen und suchten nach neuen Einkommensmöglichkeiten. In einer ehemaligen Schreinerei in Union Hall, westlich von Cork gelegen, wagten sie in den Jahren 2003/2004 als Bonders die ersten zaghaften Schritte im Whiskey Business. Wie es in Irland Tradition war und immer noch ist, kauften sie Grain- und Malt Whiskeys von irischen Distilleries, darunter Cooley, und verschnitten diese zu neuen preisgünstigen Produkten. Geschickt vermarkten sie seit April 2004 die 40 Vol.-% starken Blended Whiskeys unter den Labels Original Kennedy und Drombeg. Ihre Unternehmung West Cork Distillers mit einer Jahresproduktion von 1,7 Millionen Litern ist mittlerweile der viertgrößte Whiskey-Produzent auf der grünen Insel.

Private und lokale Projekte gedeihen …

Bier ist bekanntlich das Ausgangsprodukt für Whiskey. So verfolgte der 2016 überraschend verstorbene Bierbrauer Oliver Hughes der Porterhouse Brewing Company mit Brewpubs in Dublin, London und New York die Idee einer eigenen Brennerei. Im alten Sägewerk von Baile an Mhuilinn an der irischen Westküste in Dingle entstand 2012 in Zusammenarbeit mit dem schottischen Master Distiller John McDougall seine Whiskey Distillery. Die kupfernen Brennblasen kamen von Forsyths aus der schottischen Speyside. »Das feuchte Mikro-Klima und der warme Golfstrom werden die Reifung derart positiv beeinflussen, dass ein delikater, seidiger, dreifach destillierter Malt-Whiskey entsteht«, prognostiziert der erfahrene Whisky-Experte McDougall. 2017 freute sich das Team der Dingle Distillery, den ersten Irish Single Pot Still Whiskey – dreifach gebrannt aus ungemälzter und gemälzter Gerste – einer unabhängigen Brennerei seit mehreren Jahrzehnten zu präsentieren.

Dingle Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018
Dingle Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018

… und nicht nur die Schotten …

Es knallten die Sektkorken in Tullamore. Die Freude war riesig, als William Grant & Sons, die Hersteller des weltweit meist getrunkenen Single Malts Glenfiddich, im März 2012 erklärten, eine neue Destillerie in Irland zu bauen. Bereits 2010 hatten sie für 300 Millionen Euro das Label Tullamore D.E.W. von der C & C Group erworben. Die Schotten machten Ernst und investierten 60 Millionen Euro in den neuen Produktionsstandort. Seit September 2014 brennen sie einen Irish Pot Still Whiskey dreifach und einen Single Malt zweifach. Die Kapazität verdoppelte sich von anfänglich 1,8 Millionen Litern auf 3,6 Millionen Liter destillierten reinen Alkohol im zweiten Produktionsjahr. Seit Oktober 2017 addiert sich ein Grain Spirit aus Mais mit einem jährlichen Ausstoß von 8 Millionen Litern dazu. Tullamore D.E.W. ist der Marktführer unter den irischen Whiskeys in Deutschland.

Tullomore ©The Gateway to Distilleries 2018
Tullamore ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Nach dem Verkauf der Cooley Distillery an Beam kam investives Kapital zurück nach Dublin. John Teelings Kinder Jack und Stephen sowie deren Schwester investierten ihr neugewonnenes Kapital in eine Pot Still Distillery in der Hauptstadt. Ihr Vorfahre Walter Teeling hatte 1782 in den Liberties, dem ehemaligen Brauerei- und Brennereidistrikt, bereits Whiskey destilliert. Seit 2015 sprudelt dort der dreifach destillierte Spirit of Dublin aus italienischen Brennblasen. Es war die erste Neugründung an diesem Standort seit 125 Jahren. Für Jack Teeling ist die Diversifikation des Portfolios eine strategische Frage, denn es gelte, »das allgemeine Interesse der Menschen an unseren Produkten zu erhalten.« Hohe Qualität ist daher eine der Voraussetzungen.

Jack Teeling; © The Gateway to Distilleries 2018
Jack Teeling ©The Gateway to Distilleries 2018

Master Distiller Alex Chasko achtet auf die Einhaltung der Standards, d.h. beste Gerste, lange Gärzeit, langsame Destillation und erstklassige Eichenholzfässer für die Reifung. »Wir füllen unsere Whiskeys nicht kühlfiltriert ab, damit alle Aromen und der Geschmack vollständig erhalten bleiben. Neue Varianten reifen in Sherry-Fässern.« Der Konsument fragt sich allerdings, wie eine erst seit kurzem produzierende Distillery einen »Teeling Revival« im Alter von 13 Jahren abfüllen und vermarkten kann. Die Antwort ist einfach – diese Whiskeys stammen aus Fässern der Cooley-Brennerei, welche die cleveren Teeling-Brüder vor dem Verkauf an Beam erwarben und in ihre Lagerhäuser nach Greenore brachten.

… und US-Investoren kommen …

Der Milliardär Dr. Pearse Lyons, ein erfolgreicher Tierfutterfabrikant und Brauer aus Kentucky folgte der Initiative der Teelings. Mitten im Herzen der Liberties, in unmittelbarer Nähe zur Guinness Brewery erwarb der ursprünglich aus Dundalk stammende Unternehmer eine entweihte Pfarrkirche. In seiner »Boutique Distillery« in der Saint James Street, gegenüber dem ehemaligen Wohnhaus von Sir Arthur Guinness gelegen, brennt der Master Distiller Gearoid Cahill in den Brennblasen Mighty Molly und Little Lizzie seit September 2017 einen traditionellen Pot Still Whiskey.

Dr. Pearse Lyons © The Gateway to Distilleries 2018
Dr. Pearse Lyons ©The Gateway to Distilleries 2018

Der Investor wird das Produkt nicht mehr verkosten können, er verstarb im Februar 2018 an den Folgen einer Operation. In zwei der in der Distillery erhältlichen Pearse Lyons Whiskeys The Original und Distiller’s Choice sind Spirits verschnitten, die in Bagenalstown im County Carlow seit 2012 destilliert wurden. Dort hatte der amerikanische Unternehmer jene Vendome Copper Pot Stills aus Kentucky zuvor in der Carlow Craft Brewery installiert, die jetzt in Dublin ihre Arbeit verrichten.

… auch der größte Spirtuosenkonzern der Welt schaufelt Geld nach Dublin

In naher Zukunft wird in der Mill Street, in direkter Nachbarschaft zu den Teelings, in einer 400 Jahre alten Mühle eine weitere Brennerei entstehen: die Dublin Liberties Distillery. Der weltgrößte Spirituosenkonzern Diageo – Johnnie Walker, Smirnoff, Guinness – plant ab 2019 in der Nähe der 1926 geschlossenen Thomas Street Distillery eine Craft Distillery zu eröffnen.

Die Erfolgsgeschichte der Whiskey Dynastie Teeling setzt sich noch weiter fort. In der früheren Harp-Lager-Brauerei in Dundalk, nördlich von Dublin gelegen, destilliert der Senior Dr. John Teeling seit Juli 2015 Grain-, Pot Still und Malt-Spirits im großen Stil. Der clevere Unternehmer hatte die geniale Idee, dort wo Diageo ehemals das in Irland beliebte Harp Lager braute, in modifizierten Sudkesseln einen Spirit zu brennen. Seit 2008 stand die Brauanlage zum Verkauf. Keiner wollte sie, dann griff Teeling zu. Günstig erwarb der Dubliner zusammen mit anderen Investoren, darunter seine Tochter und die beiden Söhne, die moderne und gepflegte Produktionsstätte im September 2013.

Die Sudpfannen baute die schottische Kupferschmiede Forsythes zu riesigen Pot Stills um. Dephlegmatoren in den horizontal verlaufenden Lyne Arms und eine Reflux Pipe erlauben das Brennen von unterschiedlichen Spirits. Die kontinuierlichen Column Stills zur Produktion von Grain Spirits auf Maisbasis kamen aus Italien – dort wurden ebenfalls die formschönen Pot Stills der Teeling Distillery in Dublin gefertigt. Von Montag bis Freitag destillieren die Mashmen und Stillmen computergesteuert in mehreren Schichten 24 Stunden am Tag Spirits, die vor Ort vorzugsweise in Bourbon-Fässer von Jack Daniel’s abgefüllt werden.

»Unser Spirit ist sehr gut«, schwärmt Distillery Manager Allan Anderson, der den Umbau der 1896 gegründeten Brauerei in eine Brennerei, die Great Northern Distillery, verantwortete. Es ist daher kein Wunder, dass der Spirituosen-Gigant Diageo die Spirits für seine Liköre von Teeling bezieht.

Still House der Great Northern Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018
Das ehemalige Sudhaus, jetzt Still House der Great Northern Distillery ©Copyright: The Gateway to Distilleries 2018

 

»Das Team ist sehr stolz auf das bisher Erreichte. Im Jahr 2016 durchbrachen wir mit 6 Millionen Litern Alkohol eine weitere Barriere. Wir destillieren mit unseren Anlagen 9 verschiedene Spirits,« freut sich der aus Schottland stammende Anderson. Neben Single Grain Spirits werden Single Malt Spirits aus 100% gemälzter Gerste und traditionelle Irish Pot Still Spirits aus einer Mischung von ungemälzter und gemälzter Gerste hergestellt. Unter den nicht getorften Whiskeys finden sich im Portfolio der Great Northern Distillery ebenfalls rauchige Varianten.

»Wir werden unsere Whiskeys unter dem alten Namen Burke vermarkten, denn ich habe die Rechte der Dubliner Marke erworben«, bemerkt Dr. John Teeling, der als bekennender Pioneer – katholische Abstinenzler Irlands – noch keinen seiner Whiskeys selbst verkostet hat.

Die neue Vielfalt geht auf Kosten der Transparenz

Irischer Whiskey steht inzwischen wieder für die Vielfalt wie sie der Whisky Chronicler Alfred Barnard während seiner Reise zu den Whisky Distilleries of the United Kingdom 1886 vorfand. Zu dieser Zeit produzierten 28 irische Brennereien rauchige und nicht rauchige Whiskeys entweder aus 100% gemälzter Gerste oder aus einer Mischung ungemälzter und gemältzter Gerste in zweifachen oder dreifachen Destillationsverfahren. Zahlreiche irische Bonder und Blender sorgen heute wie damals für eine kaum zu überschauende Markenvielfalt.

Rund 30 Distillery-Projekte sind in Irland in der Planung. Ein Teil wurde umgesetzt, andere warten auf die Installation ihrer Brennblasen. Um die Finanzierung abzufedern, erscheinen Whiskeys der Neugründungen unter deren jeweiligen Namen in den Verkaufsregalen, ohne von ihnen destilliert worden zu sein: Barre an Uisce, Clonakilty, Duneville’s, Dublin Liberties, Glendalough, Tipperary, The Irish Man, The Quiet Man, Retronaut, Slane, Saint Patrick’s, Writer’s Tears oder Tullamore D.E.W. Die meisten stammen aus den Lagerbeständen von Cooley, einige von Bushmills und wenige aus Midleton.

Aus Sicht der Kunden besteht in diesem Zusammenhang ein Mangel an Transparenz, da es in Irland keine verbraucherfreundliche, klare Auszeichnungspflicht gibt.

Ein hochdekorierter Whiskey namens Hyde wird vielerorts sehr geschätzt. Verantwortet werden die Hyde Whiskeys von Alan und Conor Hyde, den unabhängigen Abfüllern Hibernia Distillers. Der sogenannte Curator, Bonder and Blender mit Sitz in County Cork, erweckt den Eindruck, er produziere in einer eigenen Destillerie, denn sämtliche Abfüllungen sind auf dem Etikett vom Master Distiller – Brennmeister – an prominenter Stelle unterschrieben. Schaubilder von Destillationsprozessen auf der HydeWebseite sowie Erklärungen zum Mikroklima Corks, in dem die Whiskeys scheinbar reifen, verstärken diese Annahme. Tatsächlich werden die unter dem Label Hyde vertriebenen Produkte in Brennereien wie Cooley, Bushmills oder West Cork Distillery hergestellt.

Still bei Cooley Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018
Spirit Pot Still bei Cooley Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Auch kann es vorkommen, dass Etiketten und Banderolen irreführende Angaben enthalten. So suggeriert etwa das Label eines Jameson Whiskey, er komme aus der Bow Street in Dublin, wo zwar der Geschäftssitz ist, aber sich keine arbeitende John Jameson Distillery mehr befindet. Destilliert wird der Jameson in den 260 km entfernt liegenden Midleton Distilleries.

Ein ähnliches Missverständnis erzeugt der Blend Kilbeggan, der wegen des Namens scheinbar aus Irlands ältester arbeitender Distillery (1757) kommt. Einige im Kilbeggan verschnittene Grain- und Malt-Whiskeys reifen in der Tat in den Lagerhäusern am River Brusna, gebrannt werden sie in der Mehrzahl in der 135 km weit nördlich liegenden Cooley Distillery.

Kilbeggan Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018
Kilbeggan Distillery ©The Gateway to Distilleries 2018

 

Das Bonding – steuerfreies lagern von Whiskyfässern – oder Auftragsblenden hat in Irland eine lange Tradition. Hierzu zählen die Marken The Dubliner, Kinahan’s, Temple Bar, Palace Bar, Hyde, Titanic, Jack Ryan, Beggars Bush, Ken Lough und Malony’s, Jean Boyer Conaill Carnagh (Cooley), Wild Geese und Knappoque Castle (beide Bushmills). Nicht immer ist die Herkunft der Whiskeys bekannt. Allen oben genannten Marken ist eines gemeinsam: ihre Grain-, Malt- und Pot Still-Whiskies stammen aus den Brennereien Bushmills, Cooley, Midleton, Great Northern oder West Cork. Sie wurden von Blendern verschnitten, um bestimmte Aromaprofile zu komponieren, die einem leicht süßen, geschmeidigen, weichen und etwas würzigen Charakter entsprechen, der traditionell einen irischen Whiskey ausmacht. In der Regel werden derartige Whiskeys ohne Altersangabe abgefüllt und zur farblichen Betonung mit E 150a – Zuckerkulör – gefärbt sowie kühlgefiltert, damit sie bei der Zugabe von Eis nicht eintrüben.

 

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