Kovacs – Du riechst so geil nach Torf

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Am frühen Abend komme ich aus der Dusche und springe fast übergangslos in meine dunkle Anzughose und ein weißes Hemd. Ich gieße mir einen Talisker Skye ein, während Kovacs The devil you know mich auf den Abend einstimmt.

 

 

Die Flasche und das Glas hatte ich schon bereitgestellt. Der Torf fegt den Zahnpastageschmack weg und der Whisky wärmt inwendig. Laute Musik vor dem Ausgehen hören macht Sinn. Schon immer. Früher trugen wir engere Hosen, auch dunkel, und weiße T-shirts dazu, darüber schwarze Lederjacken. Dazu Bowlingschuhe, Rot-Blau, aufmunternd. Trotzdem hielt man uns in besten Fall für Türsteher. Früher gabs Spliffs, während wir uns für die Nacht fertig machten. Heute gibts Talisker und braune Lederschuhe. After six.

Kovacs kommt Bondig rüber. Früher gab es INXS und Shirley Bassey, manchmal Nirvana und manchmal José Feliciano. Der Talisker macht mich nicht nachdenklich, aber eine filterlose Zigarette wäre jetzt schon angebracht. Die Weste sitzt noch wie damals, als ich regelmäßig Dreiteiler trug und die Innentasche nimmt den Flask auf, wie dafür gemacht, trägt null auf.

You stepped into a dark ride
with cigarette smoke
feeling alright, the sky looked like black glitter
tonight you’ll be a winner.

Ich mag Kleinigkeiten, Dinge, Momente und Eigenarten. Ich mag sie teilweise, weil sie teuer sind und exklusiv. Zum Beispiel ein altes Dupont, es liegt gut in der Hand, schwer und hochwertig. Es sieht gut aus und gibt ein anständiges Feuer. Aber am liebsten mag ich den Klang, wenn man es öffnet. Bing. Das selbe Bing, wie ein Riedelglas von sich gibt, wenn es am Stiel bricht. Hundertmal gehört, immer eine angenehme Assoziation dazu. Keine aufregende Geschichte beginnt mit dem Rascheln eines Salatblatts.

Ich mag Innentaschen, ob im Sakko des Massanzugs oder in der Lederjacke, egal. Der Griff in die Innentasche einer gut sitzenden Jacke ist immer verheißungsvoll. Eine Pistole, ein Umschlag oder ein Softpack Lucky Strike ohne Filter, es kommt meistens etwas hervor, was die Situation nachhaltig verändert. Ich mag getorften Whisky und handgeschriebene Briefe, weil sie immer etwas Individuelles haben.

One step, two step, three step, four
My heart in the trunk
but your body’s on the floor.
Horns on my head, you lost your bet
‘Cause you are the Devil, you know …

Ich mag alte Filme und Erinnerungen an meine alten Filme. Erinnerungen an blau-rote Schuhe. Und ich mag Überraschungen und spannende Momente, was sich irgendjemand zu Herzen genommen haben muss. Jedenfalls fand ich neulich am Scheibenwischer meines Autos einen Umschlag, der nach teurem Parfum roch, dezent aber riechbar. Darin, auf ein Notizblatt eines Berliner Hotels die Worte »Morgen, um 21.00 an der Bar.« Darunter ein angedeutetes Herz, das Herz eines Menschen, der schon öfter ein Herz gemalt hat. Natürlich habe ich eine Vermutung, wer Herz und Duft und Brief geschickt hat. Ich bin pünktlich, der Taxifahrer nimmt den Schein, ich summe one step, two step, three step four und gehe in die Lobby. Alle dort sind geschäftig oder gemütlich. Bin ich auch demnächst, bestenfalls beides.

Coming out of a real thriller
Never thought you was a killer
Thunder brings white light, Kovac’s gonna be alright
We used to be easy, but now you are my enemy
Did you enjoy the wolf bite, now we say goodbye…

Sie sitzt an der Bar, würde sie nicht vor mir an der Bar sitzen, wäre sie es nicht gewesen. Auf sie zugehen hat was von einem Showdown im Italo-Western, das spürt auch der Barchef, der ein Gespräch mit anderen Gästen unterbricht und mich begrüßt. Anscheinend hat er uns beide hier mit anderen Menschen bedient und es fällt ihm schwer, das zu kaschieren. Er beugt sich über die Bar: Sie hat schon Gosset bestellt. Als ginge es hier um Champagnermarken. Ich antworte, nachdem ich sanft ihre Wange geküsst habe: Gute Wahl, früher hat sie Bordeaux mit Cola bestellt. Das beschert mir einen Tritt, den keiner sieht und keiner bemerkt, weil wir beide sanft weiter lächeln. 10 Minuten später sind wir auf dem Weg zum Aufzug. Die Braunen wieder mal auf Marmor, zwei Champagnergläser in der einen, den Kühler in der anderen Hand. Im Aufzug greift sie mir in die Innentasche, ich kann mich nicht wehren, ich habe ja die Hände voll. Lache, will mich gar nicht wehren. Lass mich an den Flachmann, Du riechst so geil nach Torf …

 

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