Die deutsche Irish Whiskey Lady

Mareike Spitzer von Irish-Whiskeys.de im Interview

Mareike Spitzer, geborene Hessin, hat sich 2011 auf den Weg gemacht, das zu werden was sie heute ist – nämlich eine der bekanntesten Koryphäen für Irish Whiskey im deutschsprachigen Raum. Ihre Passion für irischen Whiskey teilt sie nicht nur über ihren Onlineshop www.irish-whiskeys.de und über die Belieferung von Gastronomen und Wiederverkäufern. Sie ist auch regelmässig auf den allerorts stattfindenden Whisk(e)ymessen und -tastings anzutreffen.

  • Sie haben 2011 angefangen, Irish Whiskey online anzubieten. Wir würden Sie die Marktentwicklung seit dieser Zeit bis heute beurteilen? Was hat sich seit der Gründung von Irish-Whiskeys.de in der Branche geändert?

Seit dieser Zeit hat sich sehr viel geändert. Wir gingen online, als es nur die 3 großen Destillen gab, aber kaum unabhängige Abfüllungen. Im Jahr 2012 eröffnete dann die erste eigenständige Brennerei wieder und von da an wurden nach und nach neue Destillerien gebaut und eröffnet. Viele Iren erfüllen sich seit damals den Traum, in der Spirituosenbranche Fuß zu fassen. Mit dieser Entwicklung kamen vermehrt unabhängige Abfüllungen und damit viele neue interessante Whiskeys auf den Markt. Die neuen Destillerien werden ihre ersten Abfüllungen bald auf den Markt bringen und das wird viele neue Geschmacksrichtungen öffnen.

  • Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Online Spirituosengeschäft? Was ist Ihre Prognose im Hinblick auf die kommenden 5-10 Jahre?

Die nächsten 5 – 10 Jahre werden sehr spannend werden im irischen Markt und somit natürlich auch für unseren Online Shop. Vor allem die Preise werden von den Kunden immer konsequenter verglichen. Deshalb nutzen wir das Internet vor allem für das Nachbestellungsgeschäft. Anfänger probieren aber gerne aus, Raritäten und Neuheiten wollen live verkostet werden. Deshalb bleiben wir auch offline nah am Kunden. Schon deshalb wünsche ich mir auch, dass die Freunde irischer Whiskeys auch wieder mehr die klassische Beratung, die Messen und die allerorts stattfindenden Tastingmöglichkeiten wahrnehmen.

Irish Whiskey

  • Worauf führen Sie den rasanten Anstieg der Iren auf der Beliebtheitsskala von Whisk(e)y zurück?

Vor der Prohibition war irischer Whiskey der beliebteste in den USA und auch in großen Teilen Europas. Leider erlebte er danach den großen Zerfall. Es blieben nur zwei Destillerien übrig (Midleton und Bushmills), im Jahr 1988 kam dann noch die Cooley Distillery hinzu.

Über viele Jahre musste der irische Whiskey sich wieder einen guten Ruf erarbeiten. Bei Liebhabern war er aber nie ganz aus dem Fokus. Seit einigen Jahren ist Whisk(e)y insgesamt wieder gefragter und auch der irische Whiskey gewinnt wieder an Beliebtheit. Über viele Jahre konnte irischer Whiskey eine hohe Qualität halten und die Exportzahlen, besonders in die USA, sind in den letzten 10 Jahren stetig gestiegen. Irish Whiskey besticht durch feinere, zartere Nuancen, die durchaus auch ihre Liebhaber haben. Durch den Bau der vielen neuen Destillerien wird diese Typizität ausgebaut werden und neue interessante Typen hinzukommen.

Viele konzentrieren sich nach wie vor auf die Herstellung des traditionellen Single Pot Still Whiskeys, aber auch Peated Whiskey wird es zukünftig vermehrt auf dem irischen Markt geben. Weil aber jede neue Destille ja mindestens 3 Jahre und 1 Tag auf ihren Whiskey warten muss, gilt es diese Zeit zu überbrücken. Deshalb werden auch vermehrt Gins und Vodkas gebrannt.

  • Der Whisk(e)ymarkt bereitet sich auf den Strom neuer irischer Whiskeys vor, wer wird darunter leiden? Inwiefern werden Whiskyliebhaber davon profitieren?

Ich glaube gar nicht, dass überhaupt jemand darunter leiden wird. Auch in Schottland hält sich eine hohe Nachfrage. Die generelle Beliebtheit von Whiskey steigt bzw. bleibt auf einem konstant hohen Niveau. Die Whiskyliebhaber werden von einer neuen Geschmacksvielfalt profitieren. Jede neue Destillerie möchte sich natürlich abheben und etwas Besonderes hervorbringen. Das wird, besonders für die Genießer, spannend werden.

In der Tat ist der irische Whiskeymarkt derzeit noch etwas unübersichtlich. Noch kommen fast alle Whiskeys, die auf dem Markt sind, noch aus einer der drei großen Destillerien. Auch die neueren Abfüller greifen auf deren Bestände zu. Gerade findet sogar bei vielen ein Umdenken statt und man geht offen damit um, dass die Whiskeys aus einer der genannten Destillerien stammen. Einen guten Überblick über die irische Whiskeylandschaft und was aktuell passiert, verschafft man sich zum Beispiel bestens bei einem unserer regelmässigen Tastings.

 

irish whiskey lady

 

  • Wieviele der neuen Destillen werden Sie 2018 mit ins Sortiment aufnehmen?

Welche der neuen Destillerien wir noch in unser Sortiment aufnehmen, steht noch nicht fest. Wir führen gerade Gespräche. Aber zumindest einen sehr interessanten Neuzugang kann ich an dieser Stelle schon verlauten lassen: Als letzte Marke kam bei uns die Clonakilty Distillery hinzu. Sie werden im Sommer ihre Destillerie im Süden Irlands eröffnen.

  • Wie wichtig sind neue Produktionsmethoden für den irischen Whiskey in Zukunft?

Um sich auf dem immer größer werdenden Markt behaupten zu können, sind neue, andere Produktionsmethoden sehr wichtig. Ich kann mir vor allem vorstellen, dass auch Peated Whiskey in Zukunft eine größere Rolle in Irland spielen wird. Ausserdem rechnen wir damit, dass verschiedene Fassreifungen und Finishings in Port-, Sherry-, Rum- oder noch exotischeren Fässern ebenso mehr Platz in der Range einnehmen werden und so das Spektrum irischer Whiskeys deutlich erweitert wird.

  • Was genau darf man unter einer »Craft-Distillery« in Bezug auf Whiskey verstehen?

Eine kleine Destillerie, in der alle Produktionsschritte manuell gemacht, und nicht digital gesteuert abgewickelt werden. Dort werden vor allem die Destillationsprozesse noch per Hand eingestellt und nicht über den Computer ferngesteuert. Außerdem werden diese Brennereien von Menschen betrieben, die eine tiefe Leidenschaft und Passion für das Thema in ihrem Herzen tragen.

  • Sind dann bald alle Brennereien in Irland »Craft-Distillerys«?

Nein. Hier sprechen wir von einer wichtigen Trendentwicklung, um nicht zu sagen einem Trendbegriff. Die Craft-Bewegung ist aber nicht die einzige. Für die Zukunft des Irish Whiskeys ist auch die gegensätzliche Entwicklung sehr wichtig und kommt ebenso zum Tragen. Die Midleton Distillery zum Beispiel produziert neben ihrer neuen »Micro-Destillery« nach wie vor auf industrielle Weise weiter. Außerdem ist es ja kein Geheimnis, dass auch andere, große Marktteilnehmer investieren und ihre Standorte ausbauen.

  • Was ist dann das Gegenteil einer »Craft Distillery«?

Es handelt sich ganz einfach um industrielle Destillerien, was aber grundsätzlich nichts Negatives bedeutet. Hier sprechen wir ganz einfach über die Größe der Anlagen, computergesteuerte Prozesse und die Menge der Produktion. Durch ein größeres Durchlaufvolumen können Qualitätsschwankungen besser vermieden werden. Optimierte Produktionsprozesse bedeuten im momentanen Fall in Irland auch eine konstante Preisentwicklung und notwendige Ressourcensicherheit, was den Nachschub für die Whiskeyproduktion der Zukunft betrifft.

  • Destillen in Schottland verfügen immer noch über große Mengen an gelagerten Whiskyreserven, wie verhält sich das in Irland?

In Irland werden die Reserven von älterem Whiskey immer knapper. Hätten die Iren vor einigen Jahren schon gewusst, dass sie solch ein Whiskeyboom erwartet, dann hätten sie damals sicherlich schon mehr Whiskey produziert. Ich glaube allerdings, die Entwicklung in Irland sollte nicht vergleichbar mit der Entwicklung in Schottland angesehen werden. Lassen Sie uns abwarten, was passiert.

  • Welche Irish Whiskeys empfehlen Sie dem Whiskey-Einsteiger, welche dem, der vom schottischen Whisky »umsatteln« will?

Dem Einsteiger empfehle ich auf jeden Fall Barr an Uisce Wicklow Rare, Temple Bar 10 Jahre oder Clonakilty Virgin Oak. Dem »Umsattler« würde ich die Single Cask Abfüllungen der Black Rock-Reihe empfehlen oder J. J. Corry The Gael.

  • Was trinken Sie, wenn kein irischer Whiskey in der Nähe ist?

Einen irischen Gin oder Muldoon Whiskeylikör.

 

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.