Mission Peatiness: Ardbeg Supernova has landed

Neue Nachrichten aus dem Ardbegian Space Center. Anfang Oktober 2019 werden abertausende Ardberg Committee-Mitglieder wieder um eine Special Release ihrer vielgeliebten Brennerei wetteifern. Kürzlich hatten die Juroren der International Whisky Challenge, die seit 1815 auf Islay bestehende Brennerei zur »Destillerie des Jahres 2019« gekürt. Der neue Single Malt soll die Glücklichen der Ardbeg-Lotterie in unbekannte torfige Sphären katapultieren.

Langjähriger Distillery Manager Mickey Heads: »Ardbeg Supernova kehrt für kurze Zeit zurück«. Leider werden nur wenige der 100 000 weltweit registrierten Committe Members eine Supernova aus der limitierten Auflage – Zahl noch nicht bekannt – verkosten können. Enttäuschung ist bei diesem alljährlich wiederkehrenden Hype vorprogrammiert.

Der rauchige Single Malt Ardbeg Supernova stammt aus einer Reihe limitierter gleichnamiger Releases, die erstmals mit Furore im Jahr 2009 auf den Markt kamen. So wurde die zweite 2010 abgefüllte Variante aus einem mit 100 ppm getorften Malz aus der Port Ellen Mälzerei von Stillmen doppelt in kleinen kupfernen Brennblasen destilliert. Die limitierte Ardbeg Stellar Release von 2009 setzte die Maßstäbe. Abgefüllt mit 58,9 Vol.-% begeisterte der nicht gefärbte und nicht kühlfiltrierte Ardbeg Kritik sowie Whisky-Nerds. Sie mündete weltweit in mehrfache hochkarätige Auszeichnungen und Belobigungen.

Ardbeg Distillery Manager Mickey Heads
Distillery Manager Mickey Heads

 

Daher ist es kein Wunder, dass sich gerade diese inaugural edition zur Sammler-Preziose entwickelte. Sie feierte damals das bahnbrechende Ardbeg-Weltraumexperiment: »Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt reifte eine Whiskyprobe an Board der Internationalen Weltraumstation ISS und umkreiste schwerelos die Erde für drei Jahre«. Die bisher letzte Single Malt Variante erschien ohne eine Altersangabe vor vier Jahren mit einer Alkoholkonzentration von 54,3 Vol.-%. Grundlage der Destillation war 2015 wiederum ein Gerstenmalz mit 100 ppm Rauchanteilen, denn sonst liegt der übliche Wert des verarbeiteten Malzes bei lediglich 55 ppm.

Die Herbst-Edition 2019 der neuen Ardbeg Supernova prüft die sensorischen Fähigkeiten der Ardbegians. Der innovative Director of Distilling, Whisky Creation & Whisky Stocks Dr. Bill Lumsden schwärmt: »Supernova ist die torfigste Abfüllung, die wir bei Ardbeg herstellen. Wie die Aromen reifen und sich entwickeln ist wirklich erstaunlich«. Der langjährige Betriebsleiter Heads ergänzt: »Diese unglaubliche Torf-Eruption des Supernovas macht diese Reihe beim Ardbeg Committee so beliebt. Supernova 2019 ist die fünfte Edition und wird sicher in kürzester Zeit vergriffen sein«.

Wie schmeckt der »interstellare« Islay Malt?

Zunächst die offiziellen Verkostungsnotizen.

Die Farbe:  Helle Bronze

An der Nase: Wolken von schärferem Anis, Menthol und Eukalyptus werden von einem süßen Toffee-Duft umschlossen. Ein Hauch Pfefferminze, etwas Fenchel und ein entfernter, geheimnisvoller Duft von Kampferöl erscheinen. Mit etwas Wasser weitere Toffee-Noten mit trocken-erdigem Torf.

Am Gaumen: Ein prickelnd-pfeffriges Mundgefühl führt zu einer regelrechten Eruption von intensiven, erdig-rauchigen Noten – mit einem Aromen-Nebel aus Lagerfeuer, Ruß, Raucheiche, Birkenteer und Menthol.

Im Nachhall: Unglaublich lang, mit verschiedenen Schichten aus Weichtoffee, Anis, Eichen-Tannine, Gewürznelken und einer Brise bittersüßen, würzigen Sevilla-Orangen im Finish.“

Ernie’s Wahrnehmungen

Es ist ein seltenes Privileg, diese Supernova vor dem offiziellen Release am 1. Oktober 2019 zu begutachten. Respekt und Erwartungen formen eine latente Spannung: Was werden Nase und Zunge wahrnehmen? Wie schmeckt der Islay-Repräsentant? Die Farbe erinnert an poliertes helles Gold, an Pils. Nach einem kräftigen Schütteln des 10 cl Probenfläschchens folgt die ehrfurchtsvolle Öffnung. Erste Aromen strömen erwartungsvoll in die Nase. Die Überraschung: Das torfige Paradox bleibt auch bei der neuen Supernova vollkommen erhalten. Süße und Rauch gehen eine symbiotische Partnerschaft ein, die viele Malt Heads schlichtweg begeistert, aber andere Genießende vermutlich etwas abschrecken könnte. Für diese Gruppe wäre als eine erste Näherung an rauchige Ardbeg-Whiskys, wohl die An Oa Standard-Abfüllung eher zu empfehlen. 

Dennoch der Neue überrascht in vielfacher Hinsicht. Die Raucharomen präsentieren sich nicht dominant und verbergen sich zunächst scheinbar hinter der opulenten etwas säuerlichen Süße, die von der Nase als erstes intensiv wahrzunehmen ist. Süße und Rauch umschmeicheln wetteifernd, anfängliche alkoholische Noten treten allmählich zurück. Trockenes Gras, Spuren einer Rinde vermischen sich mit etwas Ruß, Bitterschokolade, Marzipan und erdigen mineralischen Wahrnehmungen.

Ardbeg Supernova 2019

Der prägende Einfluss der Eiche wird spürbar. Es ist die magische Wandlung des einst klaren auf Fassfüllstärke von 63,5 Vol.-% doppelt gebrannten Gerstendestillats zu einer Supernova. Welche Fasskulturen den rauchigen Islay-Malt prägten wurde noch nicht publiziert. Vermutlich waren es first- und second-fill Bourbon Casks, aber auch nicht-vorbelegte Eichenholzgebinde. Nachfragen ergaben derzeit keine Antwort.

Eine lange, anhaltende Süße paart sich mit frischen Pfefferminzeindrücken, die in einen würzigen, pfeffrigen, etwas bitteren sowie nussigen Geschmack überleiten. Im Nachklang erscheinen geringe Spuren einer weißen Schokolade. Seltsam, der Torfrauch tritt nicht so kräftig dominant und intensiv an, er ist eingebunden, regelrecht eingebettet. Die Rauchnoten sind ausgleichend harmonisch und erinnern keineswegs an Fahrradschläuche und Werkstätten. Süße, Rauch, Würze, diverse Früchte, etwas Karamell schmeicheln und begleiten den weichen Islay Single Malt. 

Der alkoholstarke Ardbeg verlangt allerdings nach einem großen Glas, das typische Glencairn Glas ist daher weniger zu empfehlen. Denn dort dominiert der Alkohol und nicht das vielschichtige Aromaprofil. Erst nach einer Weile nach dem Einlassen von etwas Sauerstoff erreichen die Aromen die Nase. Meine Empfehlung wäre ein Rona-Glas, ideal wäre ebenfalls ein Riedel-Glas, das leider nicht mehr im Handel verfügbar ist.

Fazit

Peat Heads werden die Intensität und Komplexität des Torfrauchs kontrovers diskutieren. Das ausgewogene Vatting mit einem vielschichtigen Aromaprofil aus jungen und etwas reiferen Ardbegs überrascht positiv. Alleine das wiederholte Riechen der charaktervollen Supernova bereitet eine große Freude.

Der Ardbeg Supernova Islay Single Malt erscheint ohne eine Altersangabe am 1. Oktober 2019 mit einer natürlichen Alkoholkonzentration von 53,8 Vol.-%. Leider können nur wenige Mitglieder des Ardbeg Committees den nicht gefärbten und nicht kühlfiltrierten Islay Malt mit viel Glück erhaschen. Von Ardbeg wird er zum Preis von 150,00 € (UVP) angeboten. Eine Mitgliedschaft ist jederzeit kostenfrei unter www.ardbeg.com möglich. Bleibt zu hoffen, dass die Ardbeg-Variation tatsächlich mit Freunden goutiert wird und nicht, wie so oft den abträglichen Weg in sterile Web-Auktionen findet.

Die Probe wurde kostenfrei von Moët Hennessy Deutschland bereitgestellt.

Die an der südlichen Küste Islays arbeitende Brennerei Ardbeg kann unter The Gateway to Distilleries bequem von zu Hause aus fotografisch detailliert besichtigt werden. 

 

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