PAUL JOHN Whisky: Die Erfolgsgeschichte

Teil 1: Paul P. John, der Entrépreneur.

Ein »Paul John Whisky Peated Select Cask« wurde bei den »World Whisky Awards 2017« zum besten indischen Whisky ausgezeichnet und gewann beim diesjährigen ISW die Preise »Großes Gold« und »Whisky des Jahres 2018 international«. Die »Icons of Whisky Awards« ernannten zudem den aus dem indischen Bundesstaat Kerala stammenden CEO der John Distilleries zum »World Whisky Brand Ambassador of the year«.

Was für bemerkenswerte Erfolge! Die erste Abfüllung unter dem Namen Paul John Single Cask P1 161 wurde im Oktober 2012 im Luxushotel Capital im mondänen Londoner Stadtteil Knightsbridge vorgestellt. The Whisky Show London formte den repräsentativen Rahmen für einen in 150 Flaschen abgefüllten und 57 Vol.-% starken Indian Single Malt Whisky.

Die Überraschung gelang, Kritiker waren voll des Lobes. Sie staunten über die Komplexität der Aromen und den weichen Geschmack des nur 3 Jahre alten indischen Whiskys, der in einem first-fill Bourbon-Fass reifte. Kurze Zeit später im März 2013 erschien eine zweite Einzelfassabfüllung unter dem Namen P 3 163.

Ein Jahr darauf ging Paul P. John in 8 Städten Großbritanniens, darunter London, Manchester und Liverpool, auf eine Werbetour. Im Gepäck hatte er in bis dahin relativ unbekanntes Sortiment aus nicht-rauchigen und rauchigen Indian Single Malts. Die waren nach den Bestimmungen der EU-Verordnung im Bundesstaat Goa im Pot Still Verfahren destilliert worden.

Paul John Peated
© Gateway to Distilleries

In sogenannten Blind Tastings stellte er zusammen mit dem Whisky-Ambassador Krish Kumar die nicht-kühlfiltrierten Inder den Schotten selbstbewusst gegenüber. Das erste Paar bildeten ein 12 Jahre alter Balvenie und der nicht rauchige Paul John Brilliance, das zweite ein 14-jähriger Clynelish und der leicht rauchige John Paul Edited, während im dritten Doppel ein rauchiger Talisker 57° gegen einen kräftig rauchigen John Paul Peated antrat.

Die Nasen und Zungen der Teilnehmenden entschieden: die Inder schlugen die Schotten!

Seit diesem überraschenden Ergebnis scheffeln Paul John Whiskys Belobigungen, Preise und Medaillen bei renommierten internationalen Wettbewerben. Der Whisky-Kritiker Jim Murray umschreibt die Single Malts poetisch mit der Metapher »liquid gold«.

Vom Start als Plätzchenbäcker …

Der im Land der Literatur, der Legenden, des Kautschuks und der SeenKottayam  im südwestlichen indischen Bundesstaat Kerala geborene Paul P. John begann seine Whisky-Karriere untypisch.

Nach dem Ende seines Studiums investierte Paul John in eine Gebäck-Fabrik. Aber der Handel mit Plätzchen lief nicht so gut wie geplant, es war ein Desaster. Er erzählt offen:

[bs-quote quote=”Nach zwei Jahren stand ich vorm Konkurs, ich verlor mein ganzes Geld und musste mich vor meinen Kreditgebern zwei Jahre verstecken.” style=”style-17″ align=”center”][/bs-quote]

Eine neue Idee reifte in ihm. Vorbild war sein Vater. Der Geschäftsmann besaß Kaffee-Plantagen im südindischen Kerala, handelte mit Wein sowie Alkohol und besaß mehrere Einzel- und Großhandelsläden in benachbarten Bundesstaaten.

Für den Sohn war der Eintritt in den Whisky-Handel eine sinnvolle Perspektive. »Irgendwie konnte ich 1992 eine Brennlizenz für Spirituosen erwerben und mich neu ausrichten.« Er hatte Glück, denn der florierende Spirituosenvertrieb und die gesellschaftliche Stellung seines Vaters erleichterten die schwierigen Lizenzverhandlungen mit den Behörden. »Wir kauften zunächst von anderen Brennereien und verarbeiteten diese nach indischen Methoden in Whiskys. Wir begannen mit eigenen Marken und bedienten das Niedrig-Preissegment.«

Sie gründeten in Bangalore die National Distillery. Nach anfänglichen Absatzproblemen veränderte Paul P. John 1996 nicht nur die Produkte, sondern auch den Firmennamen in John Distilleries Pvt. Ltd.

In der Hauptstadt Karnatakas hatte Paul vom Kindergarten bis hin zur Universität seine schulische und akademische Ausbildung absolviert. Obwohl der Produktionsort in Goa lag, verlegte der junge Bachelor of Commerce und Master of Law die Firmenzentrale dorthin.

… zum Spirituosengiganten

Die Mitte der 1990er Jahre eingeführte neue Marke Original Choice legte die Basis für den bis heute anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Zweistellige Wachstumszahlen markieren von Jahr zu Jahr den Umsatzverlauf.

Original Choice schuf die finanziellen Spielräume für weitere Investitionen. Trotz der Erfolge und Herausforderungen zog es ihn nach Florida. John P. Paul reizte die amerikanische Lebenskultur. In Tampa wollte er mit weiteren Projekten, darunter dem Import von indischer Seide, ein Teil des amerikanischen Traums werden. Von den USA aus kontrollierte er weiterhin auch die indischen Aktivitäten. Er steuerte aus der Ferne ein Team von Abteilungsleitern, das für den reibungslosen Ablauf von der Herstellung, Reifung, Abfüllung bis hin zum Marketing der Whiskys verantwortlich war. Paul P. John, indischer Whisky © Gateway to Distilleries

Aber 8 Jahre USA waren genug, die Bankenkrise beendete das Abenteuer. Seine Begegnungen mit amerikanischen Weinen und schottischen Malt Whiskys mündeten allerdings in die Herstellung von mehr Premium-Produkten. Im Kerngeschäft produzieren die John Distilleries aber weiterhin ein vielfältiges Portfolio: die Branntweine Mônt Castlé und Roulette, den Basiswein Ampersand und einen Sherry-ähnlichen Goana’s Wine. In der Original Choice-Reihe werden neben dem Flagschiff-Whisky, ein Deluxe VSOP Brandy, ein Deluxe XXX Rum, ein Dry Gin sowie ein Salute Wodka vertrieben. Unter den indischen Spirituosen-Giganten nahmen die John Distilleries 2017 den 5. Platz ein.

A vision of Malt Whisky

»Seit 2002 plante ich, einen Indian Malt Whisky zu produzieren. 2005 nahmen die Pläne ernste Strukturen an. 2008 sprudelte der erste Malt Spirit durch den Spirit Safe unserer Brennerei,« erklärt der dynamische und innovative CEO, »wir beabsichtigten in den Premium-Markt einzusteigen.«

Mittlerweile stehen Paul John Malt Whiskys in den Fachgeschäften von über 30 internationalen Märkten. Der Erwerb des staatlichen Großproduzenten Chitali Distillery Ltd. – Kapazität 5 Millionen Liter pro Monat – vom Bundesstaat Maharashtra machte John Distilleries im Jahre 2008 zu einem der größten Player auf dem subindischen Kontinent.

Die Zielgruppe, die untere und mittlere Mittelschicht Indiens, soll nach dem Willen Paul P. Johns allmählich für den Genuss von höherwertigen Single Malts aufgeschlossen werden. Vorwiegend im Süden Indiens verbreiten sich die Produkte der John Distilleries. Die Paul John Single Malt Umsätze sollten 2017 um 25 % wachsen, hoffte ihr Produzent und behielt Recht. Der Unternehmer stieg überraschend in eine andere Liga auf.

Eine Vergrößerung der Destillationskapazität im Malt Whisky-Bereich wurde bald wegen der steigenden Umsätze dringend notwendig. Von 20 000 six-bottle cases Paul John Malts  (2016) wollte man im Jahr 2017 50.000 cases verkaufen. Die Produktionskapazität beträgt aktuell 1.5 Millionen Liter im Jahr. »In den Jahren 2018/19 werden wir 1.2 Millionen Liter erreichen«, so der CEO der John Distilleries Ltd.

Ein Traum wird wahr

»In unserer Brennerei in Goa begannen wir, aus einer in Indien gemälzten sechsreihigen Gerste einen doppelt destillierten Malt Spirit zu brennen,« berichtet John, »… zur Reifung legten wir unseren Gerstenspirit in Bourbon-Fässer. Das warme Klima Goas begünstigt die Entwicklung eines Aroma- und Geschmacksprofils, das Kunden wie Experten überzeugt.«

Paul John Whisky

John P. Paul und sein Team stellten sich der großen Herausforderung, einen Malt zu brennen, der es mit den schottischen und internationalen Marken aufnehmen konnte. »Wir wollten keinen schottischen Malt imitieren, sondern ein eigenständiges indisches Produkt schaffen,« beschreibt der Unternehmer die primäre Zielvorgabe, wir wollten einen Gegenpol bilden.« 

In der Whisky Bible von Jim Murray liegen die Bewertungen zwischen 89 bis 96 Punkten von 100 möglichen. 2013 war der Whisky-Papst erstmals begeistert von der Reifequalität der nur dreijährigen Whiskys, als er drei Fassproben begutachtete:

[bs-quote quote=”»All is beautifully weighted, patient and poised-A new Indian classic: a sublime malt from the continent. To be more precise: a world classic!«” style=”style-17″ align=”center”][/bs-quote]

Und so wurde der Traum vom indischen Single Malt Whisky wahr. Lesen Sie im zweiten Teil der faszinierenden Geschichte über John Paul mehr von sechsreihigen Gersten und der Destillation, von der Reifelagerung in der subkontinentalen Tropenregion und wie der schottische Torf für die preisgekrönten Whiskys nach Indien kam.


Der Artikel erschien in seiner ursprünglichen Form im »The Highland Herold«, Nr. 36 / Herbst 2017.

 

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