Penderyn Rhiannon: Walisische Whisky-Mythologie

Seit 2004 gibt es wieder walisischen Whisky. Ein paar Enthusiasten gründeten mit Fördermitteln der EU und der walisischen Regionalregierung eine Brennerei in der Ortschaft Penderyn. Die Single Malts aus dem Breacon National Park strahlen mit ihren schlanken, hohen Flaschen in den Regalen der Lebensmittelketten Tesco, Asda, Safeways und den Fachgeschäften Frankreichs, Deutschlands, Asiens und der U.S.A. Selbst Harrods und die Luxushotels Ritz und Savoy in London offerieren ihren Kunden und Gästen das flüssige Gold aus Wales, aur Cymru.

Die Penderyn Still

Das Besondere: In Penderyn betreiben sie seit 2000 eine sehr spezielle Brennapparatur, die im Zuge eines grenzüberschreitenden europäischen Forschungsprojekts in der University of Surrey Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde. Federführend war der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. David Faraday, ein Nachfahre des berühmten viktorianischen Physikers Sir Michael Faraday. Gemeinsam forschte er mit Kollegen nach einer idealen Brennblase, die verschiedene Spirits ideal destillieren konnte.

Energiesparend fraktioniert die Anlage aus Kupfer in nur einem Brennvorgang Getreidedestillate. Sie ist im Grunde eine Mischung aus einer pot still mit einem Verstärkerhelm und einer Art continuous still. Das Resultat sind saubere, weiche, feinfruchtige Destillate mit einer durchschnittlichen Alkoholstärke von bis zu 92 Vol.-%, die kürzere Reifezeiten benötigen. Kein Geringerer als der Whisky-Wissenschaftler Dr. James Swan, verstorben 2017, legte die Herstellungsprozesse, die Destillationsabläufe und die Reifeverfahren fest. Der Schotte schulte die erste Brennmeisterin, die Waliserin Gillian MacDonald. 2012 wechselte sie zu Glenmorangie. Ihr folgten Laura Davies und die Litauerin Aista Jukneviciute. Das junge und dynamische Team ergänzt seit zwei Jahren die Assistant Blenderin Bethan Morgan. Gemeinsam verantworten die Ladies unter der Federführung von Master Blenderin Aista Jukneviciute das Portfolio der Penderyn Whiskys. 

Penderyn; Aista Jukneviciute, Master Blender und Master Distiller
Aista Jukneviciute, Master Blender und Master Distiller (rechts)

 

Der walisische Investor Nigel Short, gebürtig im Nachbarort Aberdare, legte 2003 die finanziellen Grundlagen für eine prosperierende Entwicklung der mittelständischen Brennerei, denn nur mit Enthusiasmus ließ sich keine Brennerei führen. Ausreichende Finanzmittel waren für eine vorausschauende Produktion notwendig. Ein engagiertes Management-Team um CEO Stephen Davies führt die Single Malts mit wirkungsvollen Strategien aus dem heimischen Markt Wales in die Internationalität: »70 % unserer Whiskys werden im U.K. getrunken, 30 % gehen in die internationalen Märkte. Mittelfristig streben wir einen Ausbau auf 40 % an. Deutschland ist nach Frankreich der drittgrößte Markt.« 

Neu in den deutschen Fachgeschäften ist ein Single Malt aus einem Vatting von Whiskys, die zunächst in first-fill und second-fill Bourbon Barrels von Buffallo Trace (200 l) reiften und danach zusammen eine zweite Reifung in 500 Liter großen Oloroso-Sherry Butts erfuhren. Den anderen Teil der Whiskys prägten zunächst first-fill Buffallo Trace-Fässer. In einer weiteren, zeitlich nicht genannten Phase wurden diese Whiskys zur weiteren Reifung in erstklassige Rotwein-Barriques (225 l) aus französischer Eiche gegeben. Sicher ist, dass es sich um Fässer aus einem Grand Cru Château aus dem Bordeaux handelt. In den Barriques bauten die französischen Winzer zuvor Cabernet Sauvignon, Merlot und andere Rebsorten aus.

»Aus rechtlichen Gründen dürfen wir den Namen des Châteaus nicht nennen. Wir konnten 23 Barriques erwerben«, berichtet Mike Wheeler, Penderyns International Brand Ambassador. Die dezent rötliche Erscheinung des Single Malts erinnert an die darin vorher ausgebauten Rotweine. Sie wurde mit 46 Vol.-% nicht kühlfiltriert und nicht gefärbt in einer eigenständigen Flasche mit schwarzweißem Label und einer attraktiven Umverpackung abgefüllt. »Geplant sind 5 000 Flaschen der Special Edition. Sollte die Nachfrage die Limitierung übersteigen, so wäre ein zweites Batch durchaus möglich«, sagt Wheeler. 

»It really is an exciting dram. The tannins are more prominent than in any Penderyn I’ve tried, but only ever serving to enhance the forest fruits that presented early on. A juicy treat for the senses«.

Welsh Mythology

Der Rhiannon ist die siebte Release der Whisky-Serie Icons of Wales. Es sind limitierte Präsentationen, mit denen die Penderyn Distillery Personen, Meilensteine oder Ereignisse der walisischen Geschichte thematisiert. Damit tragen die Icons of Wales in einer gewissen Weise zur kulturhistorischen Bewusstseinsbildung nicht nur der Waliser bei und formen nachhaltig deren kulturelle Identität. Marketingtechnisch sind diese Icon Single Malts darüber hinaus sehr wirkungsvoll, denn sie sind auf dem heimischen Markt nicht nur als Geschenke sehr beliebt und steigern somit die Popularität Penderyns.

Der kymrische Name Rhiannon kommt im Übrigen aus der walisischen-keltischen Mythologie. In mittelalterlichen Manuskripten aus dem 14. Jhd und älteren Fragmenten des Pedeir Ceinc y Mabinogi wird von einer Gottheit, einem mystischen Wesen aus der keltischen Anderswelt erzählt. Sie erscheint darin als eine große Königin mit ihrer tragischen Liebe zu einem Prinzen. Der Erzähler berichtet von Rhiannon der Zauberin und Pferde-Göttin mit übernatürlichen Kräften. Ihre Schönheit, Intelligenz, Großzügigkeit und strategische Willensstärke machten sie zu einer der wichtigen Charaktere in walisisch-keltischen Tradition.

Faraday Still Kettle, Penderyn

Wie alle Single Malt Spirits der Penderyn Distillery wurde der Rhiannon Whisky in einem einzigartigen Destillationsprozess in der Faraday Still schonend und langsam gebrannt. Auf die Zugabe von Aroma- und Geschmacksverstärkern wird grundsätzlich verzichtet. Ausschließlich Gerstenmalz, Hefe, Gärung, Destillation, Eichenhölzer, Klima, Quellwasser und Abfüllstärke prägen die Aromen und den Geschmack der Penderyn Whiskys.

Wie schmeckt der Rhiannon?

Farbe: ein kräftiger Warmton mit wenigen rötlichen Reflexen, erscheint im Grunde wie ein weißer Süßwein – Sauternes – erstaunliche ölige Konsistenz

Penderyn RhiannonNase: Als erstes flammen dezente weinige Noten kurz auf und verschwinden, weibliche Nasen vermuten darüber hinaus einen sehr feinen Holzrauchton. Die kräftige Süße überrascht angenehm und wird begleitet von einer frischen Fruchtigkeit, die an mittelreife Mirabellen erinnert, dazu gesellen sich würzige Assoziationen. Alkoholische Eindrücke erscheinen und deuten auf ein Arrangement aus jüngeren Whiskys hin. Die Abfüllung mir 46 Vol.-% gibt dem Whisky einen kräftigen Ausdruck. Wohltuend, dass Sherry-typische Aromen sich nicht so prominent darbieten, sondern harmonisch in die Karamell-Nuss-Charakteristik eingliedern. Selbst die Vanille wird nicht erdrückt.

Zunge: Die geschmeidige weiche Öligkeit geht über in eine nicht allzu kräftige Würzigkeit. Ein Süße entfaltet sich und verbindet sich harmonisch mit Karamell. Der Malt präsentiert sich fruchtig ausgleichend und erinnert an Mirabellenkonfitüre. Feingliedriger Holzrauch mit angenehm würzigen und leicht bitteren Spuren von Kaffee machen den trockenen Whisky spannend. Wie in der Nase bleiben Sherry-typische Eindrücke eher ausgleichend eingliedernd im Hintergrund. 

Fazit: Der Rhiannon ist ein harmonischer Whisky, dessen vielschichtige Aromen viel Freude bereiten. Spannend sind die sich ausprägenden anhaltenden würzigen Gegensätze auf der Zunge. Kaffee, Nüsse und sowie bittere Noten bleiben anhaltend wahrnehmbar. Das Bündel an Fruchtnoten ist breit gefächert. Mit jedem Dram sind neue aromatische Entdeckungen möglich. Master Blenderin Aista Jukneviciute ist mit der siebten Auflage der Icons of Wales Rhiannon eine weitere positive Überraschung gelungen. 

Verkostet wurde der Whisky in einem Rona Glas.

Offizielle Verkostungsnotizen: 

Geruch: Würzig süß mit dem Duft von roten Beeren, schwarzen Johannisbeeren, gerösteten Haselnüssen, Birnen, Sultaninen und Marzipan sowie einem Hauch von Vanille und Röstaromen.

Geschmack: Sanfte, samtige Süße mit Aromen von cremigem Karamell, Feigen, roten Beeren, Schokoladenganache (Creme) und einem Hauch von Kaffee 

Finish: Süß und trocken mit lange verweilenden Eichentanninen.

UVP: 59,90 Euro / 0,7 l

 

Wir danken Bastian Denkler, Penderyn Ambassador Deutschland, für die Bereitstellung der Probe.

Besuchen Sie Pendery auf The Gateway to Distilleries.

 

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