Port Charlotte … aber bitte mit Rauch!

Heavily peated. Port Charlotte Islay Barley.

Der Generationenwechsel ist vollzogen. Das junge Team um Head Distiller Adam Hannett und Production Director Allan Logan sowie den Designern und Marketingspezialisten der Bruichladdich Distillery präsentiert selbstbewusst die eigenen Interpretationen des rauchigen Port Charlotte Islay Single Malts in neuer Ausstattung.

Bruichladdich
Head Distiller Adam Hannett und Production Director Allan Logan.

 

Während des Feis Ile Festivals im Mai 2018 freuten sich Freunde eines rauchigen Whiskys über den fulminanten Relaunch. Adam Hannett feierte mit ihnen die aktuelle Serie im viktorianischen Warehouse No 12 der direkt am Meer gelegenen Bruichladdich Brennerei. Vier Knaller eröffneten die Präsentation der rauchigen Whiskies aus dem Hause Bruichladdich: The Heretic, ein 10-jähriger Port Charlotte Scottish Barley, ein 12-jähriger Port Charlotte Distillery Valinch und der Port Charlotte Islay Barley Vintage 2011.

The Last of the First

The Heretic

Duncan McGillivary © The Gateway to Distilleries
Duncan McGillivray © The Gateway to Distilleries

Was für eine Überraschung! »The Heretic«, ein Denkmal! Die letzten 5 vorhandenen Fässer aus der ersten Port Charlotte Destillation füllten mit einer durchschnittlichen Fassstärke von 55,9 Vol.-% nur 1.300 Flaschen. Zu wenige für die Whisky-Welt.

Im maritimen Klima Islays war ein rauchiger Spirit in den Lagerhäusern zu einem Whisky herangereift, den der herausragende Jim McEwan und der geschätzte Duncan McGillivray 2001 mit der von ihnen entwickelten trickle distillation-Methode aus einer schottischen, rauchig gemälzten Gerste – 40 ppm – schonend destilliert hatten.

Jim McEwan, Bruichladdich
Jim McEwan © The Gateway to Distilleries

Beide Bruichladdich-Urgesteine sind mittlerweile im Ruhestand. Jims Nachfolger Adam Hannett verheiratete zur Harmonisierung der Whiskies das Vatting – Verschnitt – mehrere Wochen in einem Vat. Drei Bourbon-Barrels und ein Rum-Fass prägten manifest den aktuellen rarest of the rare Port Charlotte Islay Single Malt. Die Aromen und der Geschmack wurden durch die Beimischung des letzten verbliebenen Fasses vielschichtiger. Denn es kam ein Whisky hinzu, dessen Spirit zunächst für einige Jahre im Bourbon-Fass reifte, um sich danach während eines nicht genannten Zeitraums in einem 225 Liter großen französischen Rotwein-Barrique aus Bordeaux aromatisch zu verfeinern.

»The Heretic is exciting, it’s an iconic spirit«, lobpreiste Adam die Festival-Abfüllung. »Der frische maritime Einfluss, die Salzigkeit machen den Whisky wunderschön. Es sind die Meeresbrisen, die diesem Malt Whisky maritime Noten verleihen, er ist atemberaubend.«

The Distillery Valinch

Die erwartungsvollen Laddie-Fans konnten darüber hinaus im Visitor Centre eine weitere einzigartige Port Charlotte-Preziose erstehen: »The Distillery Valinch«.

Islay Barley 2004 Festival Bottle, The Valinch
© The Gateway to Distilleries

 

Dieser Ausnahme-Port Charlotte reifte nach der Destillation am 21. November 2005 bis zur Abfüllung 2018 in einem 500 Liter großen second fill-Oloroso Butt No 2087. In diesem hatte zuvor ein Bourbon-fassgereifter Bruichladdich eine Zweitprägung erfahren. Nur 956 der üblichen Valinch-Halb-Liter-Flaschen kamen mit der natürlichen Fassstärke von 59,3 Vol.-% in den Verkauf. Ein kräftiges Bouquet aus trockenen Früchten, angebranntem Karamell, Räucherschinken, Kirschen, Vanille, Mandeln und Rauch erfreute die Nase. Die Zunge entdeckte Süße, Salz, Ingwer und Pfeffer. Angenehm eingebundener Rauch hallte nach.

Ein Whisky der Spitzenklasse!

An Iconic Dram returns: Port Charlotte Islay Barley 2011

Der legendäre PC 5 hat einen würdigen Nachfolger. Das Flagschiff erscheint in neuer Flaschenform und Aufmachung. Beides erinnert an Apotheker-Flaschen. Das ansprechende fortschrittliche Design in dunkelgrüner Farbe und mattes Glas mit einem schwarzen Label unterstreichen den Marktauftritt markant. Mit der Flaschenfarbe wird das Grün der Landschaft Islays symbolisiert.

Sicher ist, in der Sichtwahl fallen die Dumpy-Bottles unweigerlich ins Auge. Sie unterstreichen die Dynamik und Kreativität der neuen Generation. »Unser junges Marketing-Team in der Distillery hat das Design entworfen und umgesetzt,« berichtet Global Brand Ambassador Ewald Stromer, »… zukünftig wird dieser Port Charlotte dauerhaft mit einer Altersangabe von 10 Jahren in den Shops stehen

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist er nicht limitiert. Nach Bedarf erscheinen jeweils neue Abfüllungen. Die Warehouses sind gut bestückt.

Port Charlotte Batch No 1

Port Charlotte Heavily PeatedKunstvoll verschnitt Blender Adam Hannett für seinen 10-jährigen Port Charlotte Whiskies, die in unterschiedlichen Fass-Kulturen jeweils 10 Jahre heranreiften. Der eloquente Ileach – so heißen die Bewohner Islays – komponierte mit einer neuen eigenständigen Rezeptur einen eindrucksvollen Single Malt, der sich verspielt und elegant mit maritimen, rauchigen Noten im Glas opulent entfaltet.

Er zeigt sich in der Nase kraftvoll, frisch mit Zitrus und fruchtig mit einer Apfelsüße, wohltuendem Karamell und zarter Vanille. Der süße Rauch ist sehr gut, ja, optimal – eingebunden und ergänzt harmonisch das Zusammenspiel mit fruchtigen Aromen wie Minze und Ananas.

Mineralische Eindrücke erinnern an Gewürze und Gerste. Der PC 10 mit seinen vielschichtigen Aromen ist ein wohlwollender Nasenschmeichler. Im Grunde genügt der Genuss beim Riechen – eigentlich ist dieser Malt zu schade zum Trinken. »Er ist ein sehr authentischer Islay,« resümierte Hannett während der Präsentation. »The whisky is absolutely stunning! Absolutely beautiful

Die früh reifende zweireihige Sommergerste der Sorte Oxbridge von 5 Farmen aus der Kornkammer von Ross-shire bildete den Grundstoff für den 2008 durch den Safe sprudelnden Spirit. Bruichladdichs langjähriger Partner Baird’s Malt in Inverness mälzte diese in Saladin-Becken unter Torfrauch. Feiner, dunkler, fast vollständig vermoderter Torf aus dem Tomintoul Moss (Speyside) verlieh dem Malz einen differenzierten, subtilen Rauchcharakter.

Grober, salziger Torf von Islay bewirkt hingegen einen deutlich aggressiveren Raucheffekt. Baird’s mischte nach den Vorgaben von Allan Logan aus Malz ohne Rauch und Malz mit Rauch einen Cocktail, der die punktgenaue Konzentration von Cresolen und Phenolen mit 40 ppm ermöglichte. Die bewusste Auswahl von Gerste und Torf sowie die Verfahren der Verarbeitung bilden die Grundlage der Port Charlotte Spirits.

Das Fass prägt

Chateau-Moton-Rothschild-Barriques, Bruichladdich

Bruichladdich Destille, Jack Daniel's Barrels

Syrah-Fässer, Bruichladdich Destille© The Gateway to Distilleries
Chateau-Mouton-Rothschild- (oben), Jack Daniel’s– (Mitte) und Syrah-Barriques (unten) © The Gateway to Distilleries

 

Ihre aromatische und geschmackliche Prägung erfuhren die Spirits in unterschiedlichen Fasskulturen. Davon waren 65 % first-fill und 10 % second-fill Bourbon Barrels aus innen gecharrtem amerikanischen Eichenholz von Jack Daniel’s sowie 25 % französische toasted refill-wine-barriques aus amerikanischer und/oder französischer Eiche.

Magische Prozesse in den Fässern entfalteten ihre Wirkung auf die Destillate. Das kontinuierliche Zusammenspiel von Oxidation, Wärme, Kälte, Alkohol, Wasser, Temperatur, Luftdruck, Eichenholz und Meeresnähe formte über Jahre spezifische aromatische und geschmackliche Verbindungen. Diese generierten Variationen von Süße und Würze.

Es entstand ein Whisky mit Noten von Früchten, Blumen, Vanille und Karamell, aber auch mit mineralischen Eindrücken von Salz und Erde. Der 10-jährige Port Charlotte wird mit starken 50 Vol.-% ohne Kältefiltration und Farbstoff abgefüllt. Diese Variante ist im Fach- sowie Duty-Free-Handel erhältlich.

Terroir Matters

Bruichladdich Destille

Der limitierte Port Charlotte Islay Barley des Jahrgangs 2011 betont mit großen gelben Lettern auf dem Label seine lokale Herkunft, die Hebrideninsel Islay.

Der Vorgänger wurde im Dezember 2008 aus einer Gerste destilliert, die Landwirte der Islay-Höfe Coull, Island, Kynagarry, Rockside, Starchmill und Sunderland im September geerntet hatten. Vertragspartner Baird’s in Inverness verarbeitete das Getreide zu einem rauchigen Malz mit dem für Port Charlotte typischen Wert von 40 ppm Rauchanteilen. Er kam 2016 in der Flaschenfüllstärke von 50 Vol.-% auf den Markt.

Port Charlotte Islay BarleyDie Gerstensorten Oxbridge und Publican der aktuellen Abfüllung Islay Barley Vintage 2011 kamen von den örtlichen Landwirten Raymond Fletcher (Dunlossit), Neil McLellan (Kilchiaran) und Raymond Stewart (Sunderland). Gemälzt wurde die Ernte wie üblich von Baird’s. Nach kurzer Zwischenlagerung gewannen die Mashmen in dem aus dem Jahre 1881 stammenden offenen Läuterbottich eine kräftige Würze und vergärten diese mit Hefe versetzt in hölzernen Gärbottichen zu einer fruchtigen Wash mit einer Alkoholkonzentration von 6 bis 7 Vol.-%. Im Dezember 2011 brannten sie den New Make zweifach wie bei Bruichladdich grundsätzlich üblich in schlanken kupfernen Brennblasen sehr langsam und schonend ohne Computersteuerung.

Rund ein Viertel des Gerstenbrandes reifte in erstklassigen französischen Barrique-Fässern aus Bordeaux, in denen Winzer zuvor Weine aus den Rebsorten Syrah und Merlot ausgebaut hatten. Der große Rest wurde in amerikanische first-fill Bourbon Barrels von Jack Daniel’s gelegt. Im fertigen Whisky ist die weinige Finesse stets präsent. Sie macht den Port Charlotte in der aromatischen Struktur luftiger, frischer und feiner – eine große Freude in der Nase.

Aromen von Zitrus, Apfel und Pfirsich gepaart mit Vanille und Kokos verbinden sich mit dezent salzigen Noten. Der neue Islay Barley wurde durch die Zugabe von kristallklarem Quellwaser der Octomore Farm auf die Flaschenfüllstärke von 50 Vol.-% reduziert.

Bruichladdich Whisky, Brennblasen
© The Gateway to Distilleries

 

Das maritime Terroir ist nicht zu leugnen. Intensiver Rauch und mineralische Töne vermischen sich wohltuend mit fruchtigen Aromen. Die Süße von Apfelkompott und Vanille schafft einen Spannungsbogen zu erfrischender Zitrone. Eindrücke von trockenen Gräsern und Gerste setzen kontrapunktische Assoziationen. Die feine, elegante Struktur entwickelt sich zu einem raffinierten Arrangement von Rauch, Früchten, Honig, Karamell und Erde. Harmonisch wohltuend klingt ein Hauch von Islay-Romantik an.

Rauch und Alkohol sind trotz des jugendlichen Alters gut eingebunden, das Resultat der langsamen Destillation in schlanken Brennblasen. Leder, ein wenig Teer, Asche und etwas Gummi begleiten Beerenfrüchte, Birne und Pfirsich. Ein Bouquet aus gegensätzlichen Aromen schmeichelt sich dezent ein, die Komponenten fügen sich in beeindruckender Ausgewogenheit ineinander.

Bruichladdich Whisky

In der Hand gerieben offenbaren sich anfänglich intensive Getreidenoten wie sie in der gemahlenen Grist wahrgenommen werden können. Holzaromen duften prominent. Der Port Charlotte Islay Barley ist eine liebliche Erscheinung mit sehr gefälliger Einbettung des Rauchs. Dieser ist stets präsent, allerdings eher zurückhaltend. Im Mund und auf der Zunge entfaltet sich eine honigartige Süße, gepaart mit Vanille. Sie erinnert an eine Creme Brulée mit angebrannten Flecken des karamellisierten Zuckers, um sodann in eine pfeffrige, Ingwer-artige Schärfe überzuleiten, die lang anhaltend von leicht salzigen, etwas grasigen, bitteren Wahrnehmungen begleitet wird.

Die sich öffnende Süße endet trocken, fruchtige Aromen hallen im Verbund mit Rauch lange nach – typisch für einen Port Charlotte. Die Mineralität bleibt erhalten, eine pfeffrige Würzigkeit – hervorgerufen durch die Tannine der Bordeaux-Barriques – ist lange zu spüren. Nur wenige Tropfen beweisen wie vielschichtig gehaltvoll der begeisternde Port Charlotte Islay Barley tatsächlich ist.

Selbst im leeren Rona-Verkostungsglas klingen komplexe Aromenbündel aus Frucht und Rauch lang anhaltend nach. Die geballte Fruchtigkeit, der kräftige süße Antritt und die florale Frische werden auch jene beeindrucken, die rauchigen Islay Whiskies bisher fern standen. Die Zugabe von etwas Wasser sorgt für eine weitere Öffnung der Aromen und nimmt dem Whisky eine gewisse Grapefruit-Bitterkeit. Der Genuss verstärkt sich.

Bruichladdich Destille

Rückblick

Nur drei Landwirte der Insel lieferten Gerste für die aktuelle Islay-Variante des Port Charlotte. Das war nicht immer so. Jim McEwan berichtete: »1913 wurde das letzte Mal ein Whisky aus Islay-Gerste destilliert … Wir wollten zu unseren Wurzeln zurückkehren. Daher motivierten wir die hiesigen Bauern wieder Gerste anzubauen und unterstützten sie dabei finanziell … Die erste Gerste wurde 2004 von Raymond Stewart wenige hundert Meter nördlich von Bruichladdich in Kentraw geerntet.«

Heute bauen trotz der widrigen klimatischen Bedingungen – salzige Luft und Erde, heftiger Regen, kühle Temperaturen, kräftige Winde, niedrige Erträge – 19 Landwirte das Getreide wieder erfolgreich an und liefern es exklusiv an die Brennerei. Production Director Allan Logan selbst glaubt an einen spürbaren und prägenden Einfluss der lokalen Gerste: »Der Vintage 2011 ist der zweite Jahrgang eines Port Charlottes aus 100% Islay Gerste seit Wiedereröffnung der Brennerei im Jahre 2001. Die erste Bruichladdich Islay Barley Abfüllung erschien 2010, destilliert aus der Gerste von Kintraw.«

Geschäftsführer Douglas Taylor ergänzt: »Wir beziehen unsere Gerste zu 100% aus Schottland, davon sogar mittlerweile 33% direkt von der Insel Islay. Wir unterstützen den Wiederanbau alter Gerstensorten und experimentieren mit unterschiedlichen regionalen Einflüssen, um die Texturen und Aromen so individuell und authentisch wie möglich zu gestalten.«

»Port Charlotte is the future«

Der neue Star bei Bruichladdich, Adam Hannett, erklärt selbstbewusst mit einfachen Worten seine Whisky-Philosophie:

[bs-quote quote=”Wir erzählen keine Marketinggeschichten oder wilde Insellegenden, sondern glauben an das Islay-Terroir und die Herkunft unserer Rohstoffe und schreiben das deutlich auf unsere Flaschen … Wir erzählen alles, was unsere Whiskies zu dem macht, was sie sind. Wir sind gläsern … Der Whisky erzählt uns, wenn er fertig ist. Wir können nicht einen Whisky für die ganze Welt produzieren, aber wir möchten bei Bruichladdich den besten Whisky kreieren … er entsteht langsam und wird sorgfältig gemacht. Es ist nicht die Frage wie viel wir herstellen, sondern wie gut wir ihn machen.” style=”style-17″ align=”center” author_name=”Adam Hannett” author_avatar=”https://www.shmckr.com/wp-content/uploads/Adam-Bruichladdich.jpg”][/bs-quote]


Einen detaillierten fotografischen Rundgang durch die Bruichladdich Distillery erlaubt die Webseite des Autors The Gateway to Distilleries.

 

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