Port Charlotte Special: Whisky und Wein

The Auld Alliance: Bruichladdich and Bordeaux.

Dem allgemeinen Trend folgend erweitert Bruichladdichs Head Distiller Adam Hennett das rauchige Portfolio mit attraktiven Port Charlotte Single Malt Whiskies. Aus über 200 Fässern suchte er für seine neue Cask Exploration Serie Whiskies aus, die einen differenzierten Einblick in das Leistungsniveau von Bruichladdich erlauben.

Begleitet wird der Auftritt der kürzlich erschienenen Islay-Ikone PC 10 vom limitierten Release Port Charlotte MRC:01 mit einer Füllstärke von 59.2 Vol-%. Diese hohe Alkoholkonzentration ist das arithmetische Mittel aus allen in das Vatting eingehenden Fässern. 

Langsam und schonend brannten die progressiven Stillmen um den früheren Production Manager Duncan McGillivray, der bis 2014 in Charge war, die Malt Spirits mit der BruichladdichTrickling-Methode im Jahre 2010. Ihre Grundlage – eine zweireihige Sommergerste der Sorte Oxbridge – stammte ausschließlich von den Feldern der schottischen Kornkammer entlang des Dornoch Firth und Moray Firth.

Bruichladdichs langjähriger Partner Baird’s Malt mälzte die Gerste in Saladin-Becken unter Torfrauch. Feiner, dunkler, fast vollständig vermoderter Torf aus dem Tomintoul Moss (Speyside) verlieh dem Malz einen differenzierten, subtilen Rauchcharakter. Grober, salziger Torf von Islay bewirkt hingegen einen deutlich aggressiveren Raucheffekt. Ursprünglich hatte Master Blender Jim McEwan die Rezeptur entwickelt. Zusammen mit Duncan McGillivray destillierten beide am 29. Mai 2001 zum ersten Mal nach der Wiedereröffnung von Bruichladdich den neuen heavily peated spirit eines rauchigen Port Charlottes.

Auch 2009 mischten die Mälzer nach den standardisierten Vorgaben aus Malz ohne Rauch und Malz mit Rauch einen Cocktail, der die punktgenaue Konzentration von Cresolen und Phenolen mit 40 ppm ermöglichte.

Die bewusste Auswahl von Gerste und Torf sowie die Verfahren der Verarbeitung – schonendes Läutern, lange Gärung und langsames Brennen – bilden die Grundlage der fruchtigen und süßen Port Charlotte Spirits mit ihren rauchigen Aromen.

Jim McEwans vorausschauende Absicht war es, neben den nichtrauchigen Whiskies von Bruichladdich einen Spirit mit subtilen Rauchtönen zu destillieren, die sich harmonisch in ein fruchtiges Bouquet einbringen.

Fässer zaubern Whisky

Ihre aromatische und geschmackliche Prägung erfuhren die MRC-Spirits in unterschiedlichen Fasskulturen aus Amerika und Frankreich. Den finalen aromatischen Charakter formten allerdings handverlesene Bordeaux-Barriques. Bis zu 80 % des Aromaprofils eines Whiskys entsteht während der Reifung auf magische Weise in Eichenholzfässern.

Die Kunst des Wood Managements – der gezielte Einsatz von unterschiedlichen Fässern (vorbelegt mit Bourbon, Sherry oder Wein und deren Auswahl), ihre Größe und Holzart, die Dauer der Reifung, der Lagerort, das Klima sowie deren Mischungsverhältnis – schaffen erst das gewünschte Erscheinungsbild eines Single Malts. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Es ist die Kompetenz des Master Blenders, der diese Prozesse kunstvoll, kreativ und vorausschauend zusammenfügt.

Dieses Streben Jim McEwans nach Perfektion schuf Whiskies von Weltruf.

Geheimnisvolles MRC

Das Akronym MRC ist vermutlich eine Abkürzung. Adam Hannett gibt erste verschlüsselte Hinweise: »… matured for an extra year in the finest French oak from the Bordeaux left bank.« 

Diese Andeutungen verweisen Weinkenner auf die geographische Herkunft: die berühmten dem Atlantik zugewandten Weinlagen des Haut-Medoc. Dort in der Gemeinde Pauillac liegen viele der besten für den Weinbau so wichtigen Chateaus. Bekannt ist nur: Ohne Übertreibung verwenden ihre Weinmacher erstklassiges Fassmaterial für die Vinifizierung ihrer hochgelobten Rotweine, die Preise in der Subskription von 500 bis 1.000 Euro erzielen.

In der Regel dauert die Vinifizierung der Premier Cru Classé Weine in den getoasteten neuen, also nicht vorbelegten, Eichenholzfässern 19 bis 22 Monate. Nach der einmaligen Verwendung der ausgemusterten Fässer werden diese an kleinere Weingüter oder Destillen, darunter Bruichladdich, weiterverkauft. Glücklich ist, wer diese raren und hochwertigen Barriques erhält.

Der aktuelle Port Charlotte MRC:01 folgt dem Muster der nicht-rauchigen Vorgänger aus dem Hause Bruichladdich.

Im Jahre 2008 hatte der legendäre Jim McEwan – Hannetts Lehrmeister – mit speziellen Wein-Finishings experimentiert. Das Resultat mündete in Bruichladdichs The Sixteens First Growth Series. Selbstbewusst, wie die progressiven Hebridean Distillers nun mal waren, schöpfte der visionäre Mark Reynier kurz nach der Übernahme von Bruichladdich im Jahre 2000 ein eigenes doppeldeutiges Wortspiel ACE – Additional Cask Enhancement – als euphemistische Umschreibung der heute weitverbreiteten Methode der Nachreifung eines Whiskies in Weinfässern, die im Englischen einfach mit double maturation oder kurz als finishing umschrieben wird.Port Charlotte MRC:01

In first class-Barriques erfuhren nichtrauchige Bruichladdich Malts während der Zweitreifung – eine Art Schönung ihres Aromen- und Geschmacksprofils, die zuvor in Bourbon Barrels heranreiften. Master Blender Jim McEwan kreierte sechs Single Malts, welche das Ansehen der Progressive Hebridean Distillers förderten. Das Eichenholz dieser Barriques (225 Liter) stammte von extrem hochgewachsenen und sehr alten Bäumen französischer Wälder, das nach langer Lufttrocknung renommierte Küfereien zu Fässern banden.

Privilegiert konnte der geniale »Whisky Whisperer« McEwan auf eine stattliche Auswahl von Premium-Fass-Kulturen zurückgreifen. In diesen vinifizierten Winzer der Grand-Cru-Weingüter des Bordeaux hochwertige Rotweine und einen Weißwein, angeblich handelt es sich um alle fünf Premier Grand Crus und um den herausragendsten aller Sauternes. 

Nach Jahren Reifezeit in Bourbon Barrels erlebten die Whiskies für einige Monate ihre zweite aromatische Prägung in einer weinigen Umgebung. Die auf jeweils 12.000 Flaschen limitierten 16-jährigen Single Malts waren nach ihrem Erscheinen schnell vergriffen und erzielen heute bei Auktionen ein Vielfaches der ehemaligen Verkaufspreise. 

Port Charlotte MRC, ein rauchiges Juwel von Islay

Master Distiller Adam Hannett erntet nun die Früchte der Arbeit seiner Vorgänger Mark Reynier, Jim McEwan und Duncan McGillivray. Sie hinterließen ihm in den Warehouses einen großen Fundus reifer rauchiger Port Charlotte Whiskies. Mit neuen kreativen Ideen entwickelt Hannett ein eigenständiges Profil. Der MCR-Batch-01 markiert den Anfang einer neuen Cask Exploration Series.

Er beschreibt den nur im Fachhandel erhältlichen MRC:01 als »eine geniale Kombination von fruchtgeladenem französischem Barrique, kräftigem Torfrauch und dem Einfluss der Reifung auf der wilden Insel Islay … wie alle unsere Whiskies werden diese natürlich ohne Farbstoffe und ohne Kältefiltrierung in unserer eigenen Bottling Hall am Ort der Destillation abgefüllt.«

Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Jim McEwan im Jahre 2015 ist jetzt der junge Head Distiller Hannett der alleinige verantwortliche Whisky-Macher bei Bruichladdich. Er kopiert nicht nur einfach die Innovationsfreude seines Lehrmeisters, sondern entwickelt alternative Reifemethoden selbständig weiter und öffnet neue Dimensionen der Whisky-Herstellung. 

Innovation. Bourbon und Barrique

Seit 2010 ruhten die Malts des Port Charlotte MRC.01 für 7 Jahre in Eichenholzfässern in den küstennahen Lagerhäusern der Brennerei in einer maritimen Atmosphäre am Loch Indaal. Die eine Hälfte der Malts prägten first-fill Bourbon Fässer aus amerikanischer Weißeiche – Jack Daniel’s, Heaven Hill u.a. – , die andere second-fill französische Weinfässer aus unterschiedlichen französischen Weinbauregionen, darunter auch welche aus den burgundischen Weinlagen der Côte d’Or.

Bruichladdich Distillery

Vor der Abfüllung verheiratete Hannett bewusst beide Teile für die Dauer von 12 Monaten in den Rotwein-Barriques aus französischem Eichenholz aus dem geheimnisvollen und nicht zu nennenden Weingut am »linken Ufer«. Auf dem Label finden sich für Außenstehende keine direkten Hinweise, denn Weingüter dürfen aus rechtlicher Sicht nicht genannt werden.

MRC mag daher lediglich ein Anhaltspunkt sein und auf die Weinlagen an der atlantischen Küste von Bordeaux hindeuten. Es ist ein Ansatz einer verbraucherfreundlichen Transparenz, die bei Bruichladdich eine lange Tradition hat. Whisky-Nerds werden mit Hintergrundinformationen manchmal sehr detailliert aufgeklärt, nichts wird verheimlicht, wenn rechtlich möglich. Konflikte mit der strengen Scotch Whisky Association mussten ausgetragen werden.

Background

 »This is a more thoughtful use of casks, based on an understanding of spirit and cask types built up over years,« betont der Whisky-Maker Adam Hannett. Er erinnert an den frühen Weinhandel in Schottland, als die Clarets, die Rotweine aus Bordeaux in Fässern importiert und erst in Leith oder Glasgow in Flaschen gefüllt wurden. In den Brennereien war die weitere Verwendung der leeren Barriques zur Aufbewahrung und Reifung oder für den Transport der Whiskies willkommen. Mehr oder weniger zufällig gaben sie im 19. Jhd. und später den schottischen Whiskies ein weinig-fruchtiges Aromaprofil, da die Regel lautete: »Das Fass rinnt nicht, also fülle es!« Ein gezieltes systematisches Wood Management war eher unbekannt und nicht üblich.

Die offiziellen Tasting Notes

Port Charlotte MRC:01, 2010 

AromaDen extravaganten Anfang machen reife Sommerfrüchte und eine deutliche Rauchnote. Himbeeren und Kirschen, gebettet auf türkischem Honig, überzogen von eleganten Rauchschwaden. Dieser Dram duftet nach Sommer und ist weniger ein Torfmonster, sondern eher leicht, fruchtig und erfrischend wie eine Meeresbrise mit etwas Ozon und Salz in der Nase. Die Kombination aus amerikanischer und französischer Eiche gibt dem Port Charlotte MRC: 01 2010 eine schöne Tiefe, die durch Noten von Vanille, getoastetem Brot, Schokolade sowie frisch gerösteten Kaffeebohnen unterstrichen wird. Mit der Zeit gesellen sich würzige Lakritz-Noten und etwas Walnuss und Mandel dazu und jedes Mal, wenn man am Glas riecht, scheint sich der Duft von roten Beeren und reifen Pflaumen zu verstärken.

Geschmack Mit seinen 59,2 Vol.-% Fassstärke ist er sicherlich von Anfang an wärmend, aber auch lebhaft und süß. Zucker und Marshmallows, umgeben von Rauch … es ist nicht leicht, diese zwei Extreme mit allen Sinnen zu erfassen! Aromen von süßen roten Früchten treffen auf Torfrauch und Holz und gehen langsam über in würzige Noten von Tabakblättern, getoasteter Eiche, Ahornsirup, Pekannüssen und Kaffee. Das alles wird durch eine elegante Kombination aus Orangen und Pfirsichkompott begleitet. Diese Komplexität offenbart sich erst ab Schluck Nummer zwei oder drei und wird von Mal zu Mal vielfältiger. Salzige Gischt und trockener Rauch vereinen sich mit holzigen Aromen und verschmelzen am Gaumen mit süßen Himbeeren, Pflaume, Vanille und Butterscotch.

AbgangIm Finish wird der Rauch etwas medizinischer und erinnert an Mullbinden und Teeröl. Die trockene Holznote verbindet die eleganten Toastaromen der französischen Barriques mit denen der stärker ausgekohlten US-Fässern durch das zusätzliche Finish in Premium-French-Oak-Barriques. Der Einfluss dieser zusätzlichen Reifezeit zeigt sich in einer enormen Vielschichtigkeit aus Frucht und Rauch. Im Herzen ist dieser Whisky perfekt strukturiert und von verführerischer Textur, lange anhaltend mit Noten von cremiger Vanille, würziger Nelke und reifem Pfirsich. Am Ende steht wieder dieser starke, kräftige Rauch und zeigt voller Stolz seine typische Port Charlotte DNA.

CharakterLebhaft, sonnig, rosig – einfach eine wunderbare Erfahrung und die perfekte Kombination aus Frucht geladener französischer Eiche, kräftigem Torfrauch und der Reifung auf der wilden Insel Islay.


Einen detaillierten fotografischen Rundgang durch die Bruichladdich Distillery ermöglicht die Webseite des Autors The Gateway to Distilleries.

 

 

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