Pot Still Whiskey is back in Dublin

Das hat es noch nie gegeben. Die Flasche Nr. 1/250 eines Teeling Whiskey Celebratory Single Pot Still markierte einen neuen Rekord. Ein Sammler zahlte im September 2018 10 000 Pfund plus Aufschläge für die inaugural edition eines irischen Whiskeys. Gebrannt wurde er gemäß der irischen Tradition aus einer mash bill von 50 % ungemälzter und 50 % gemälzter Gerste in der am Newmarket Square in Dublin 2015 errichteten Brennerei. Kein Whisky einer neuen Whisky-Distilleries hatte einen solch hohen Auktionspreis erreicht. Weltsieger war bisher ein Single Malt aus der im romantischen Lake District gelegenen Lakes Distillery.

Den für die irische Kultur so typischen Pot Still Whiskey hatte der U.S.-Amerikaner Alex Chasko im April 2015 in der Teeling Distillery dreifach aus einer irischen Gerstensorte gebrannt. Seit 125 Jahren war es im außerhalb vom mittelalterlichen Stadtkern Dublins liegenden Viertel, den Liberties – einst ein steuerfreier Bereich – die erste Gründung einer Whiskey-Brennerei. Nicht weit vom Newmarket hatte ein Vorfahre der innovativen Gründer Jack und Stephen Teeling 1782 eine Craft Distillery in der Marrowbone Lane betrieben.

Was prägt einen Pot Still Whiskey?

Reifen durfte der 46 Vol.-% kräftige Neuling – Gesamtauflage nur  250 Flaschen – für ganze drei Jahre in einem getoasteten Eichenholzfass auf der Halbinsel Cooley im maritimen Klima des Küstenorts Greenore. Französische Winzer aus dem mediterranen Languedoc hatten zuvor in diesem Barrique die Traubensorte Muscat Blanc – Muskateller – zwei Jahre lang zu einem Wein ausgebaut. In der Regel ist dieser süße mit Branntwein aufgespritete Weißwein ein vin doux naturel, der gewisse geschmackliche Ähnlichkeiten mit jungen andalusischen Likörweinen wie Sherrys aus Moscatel-Trauben aufweist.

Der neue Teeling Standard ist ein Single Pot Still Whiskey, der nach einem traditionellen Rezept aus einer Mischung von jeweils 50 % gemälzter und ungemälzter irischer Sommergerste entstand. Das Batch ONE erschien im Oktober 2018 vorwiegend auf dem heimischen Markt (90 %) und der Rest verteilte sich auf die Märkte in Schweden, Belgien und Holland. Viele Liebhaber eines würzigen schmeckenden Pot Stills wollten diesen historischen Whiskey haben. Nur wenige bekamen ihn. 6 000 Flaschen waren eigentlich zu wenige, um die Nachfrage zu stillen.

Seit der Destillation im April 2015 reiften die dreifach gebrannten nicht-rauchigen Destillate für das erste Batch für drei Jahre und ein paar zusätzliche Monate in Greenore, Co. Louth. Der schottische Operations and Warehouse Manager Iain Wood füllte sie in verschiedene Fasskulturen: nicht-vorbelegte »jungfräuliche« Fässer aus amerikanischer Eiche, Weißwein-Barriques und Seasoned Oloroso Sherry-Fässer.

Das inaugurale Vatting stellte Masterblender Alex Chasko zusammen. Die Nase merkte junge »feinty« Alkohole, die an frisch geschnittene grüne Äpfel oder Zitrone sowie an Pfefferminze erinnerten. Noten von Birnen, Aprikosen und Honig vermischten sich mit denen von blühenden Blumen. Etwas Karamell und Vanille ergänzten das Aromenprofil. Süße und kräftige Würzigkeit schufen auf der Zunge einen spannenden Bogen. Chasko gelang es mit der Mischung von Pot Still Whiskeys aus verschiedenen Fässern sich einem Pot Still Charakter etwas anzunähern. Die Jugendlichkeit war dennoch präsent, es fehlte beim 46 Vol.-% starken Vatting noch etwas die Balance, die sich bei einer längeren Reifezeit ohne weiteres herstellen ließe.

Die Auswahl der Fässer bestimmt den Geschmack

Teelings Master Blender Alex Chasko nutzte die sich in den unterschiedlich vorbelegten Fässern ausprägenden Aromen kreativ zur Komposition und Entwicklung eines eigenständigen Teeling-Pot Stills-Profils. Er wählte die sich Schritt für Schritt allmählich während der Reifephase aufbauende aromatische Charakteristik der jeweiligen Fässer aus und fügte sie additiv zu einem neuen Ganzen zusammen.

Teeling Distillery, Alex Chasko

Die würzigen Noten aus den jugendlichen Fässern verschnitt er mit denen der Vanille aus den Bourbon Barrels. Die Weinfässer brachten etwas Süße und eine gewisse Finesse und eine betonende Frische, aber auch eine merkliche alkoholische Schärfe in den Verschnitt. Aroma und Geschmack mündeten in einen Whiskey der neuen Dubliner Distillers’ Generation. Seit Schließung der letzten Dubliner Distillery John Power in der nahegelegenen Thomas Street im Jahre 1976 war es der erste Pot Still Whiskey einer neu entstehenden Whisky-Kultur in Dublin.

Batch One ist eine Wiedergeburt eines Whisky-Stils, der an die große Tradition der World Whiskey Capital des ausgehenden 19. Jahrhunderts anknüpft. Damals versorgten die irischen Distilleries 70 % des Weltmarkts mit Whiskey. Die blaue Grundfarbe des Teeling Pot Still Labels betont bewusst die geografische und historische Herkunft der Spirituose. Im Stadtwappen von Baile Átha Cliath – gälisch für Dublin – ist das Himmelblau wiederzufinden.

Whiskey-Destillate sprudeln seit 2015 wieder in Dublin

Drei aus Italien kommende Brennblasen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 15 000 Litern, 10 000 Litern und 8 000 Litern destillieren jährlich rund 650 000 Liter Spirit of Dublin. Teelings flüssiges Gold entsteht Schritt für Schritt: Zunächst in einer modernen Wet Vario Mill, in einer Steinecker Lauter Tun, danach in zwei traditionellen Wooden Fermenters aus Kiefernholz von Oregon, dem Geburtsland Alex Chaskos, sowie in vier stainless steel fermenters. Eine Trockenhefe aus Südafrika wandelt den Zucker der Würze in Bier. Das Wasser fließt aus einem eigenen Brunnen, der auf dem Brennerei-Grundstück gebohrt wurde. Ein winziges temperiertes Show-Warehouse illustriert den jährlich 125 000 Besuchern exemplarisch die Reifung der Destillate in Fässern. »Wir vermitteln ihnen echte Erlebnisse«, begründet Alex Chasko das Vorgehen, »der Platz am Newmarket gestattet uns aus Kostengründen leider keine großen Lagerhäuser«. 

Vom Pot Still Batch Two erschienen im Januar 2019 10 000 Flaschen, allerdings mit einer neuen Rezeptur. Es war dieses Mal ein Vatting aus Whiskeys, die sechs verschiedene Fasskulturen aromatische prägten. Chasko wählte Pot Still Whiskeys aus first-fill Bourbon Barrels, Virgin Oak Casks, vorbelegten Muscat blanc-Wein-Barriques sowie solche aus Fässern, die Küfer mit Kastanienholz aufbauten. Der Pot Still erscheint zunächst leicht alkoholisch im Glas, eine Zitrus-Pfefferminz-Frische dominiert die Pfirsich-Aprikosen-Fruchtnoten. Auf der Zunge erscheinen eine leichte Süße sowie kräftig würzige, Ingwerähnliche Eindrücke. Allerdings hallten diese mit einer intensiven pfeffrigen Strenge nach. Es fehlte insgesamt etwas die Ausgewogenheit und Harmonie, die Genießer von einem süßen, einschmeichelnden, weichen, irischen Pot Still Whiskey erwarten. Im aromatischen Vergleich zu Batch 1 entwickelte sich jedoch der Pot Still Batch Two in die richtige Richtung. 

Die Annährung an das Ideal

Teeling Irish WhiskeyMit dem mehr als charaktervollen, weichen, angenehm ausgewogenen Pot Still Batch Three nähert sich die Teeling Distillery mit großen Schritten dem klassischen Profil der traditionell weichen, fruchtigen sowie mild-würzigen irischen Pot Still Whiskeys an. Ein jugendliches Alter ist nicht mehr spontan spürbar. Der Whiskey erscheint weicher und ausbalancierter. Zitrusnoten sind nicht mehr so präsent und wirken ausgleichend mit Eindrücken von reifen Pfirsichen und Aprikosen. Eine Honigsüße begrüßt.

Die strenge Würzigkeit und anhaltende Pfeffrigkeit der Vorgänger ist zugunsten einer insgesamt angenehmeren für einen Pot Still typischen angenehmen Würzigkeit gewichen. Der Batch 3 / June 2019 ist ausgewogener und nähert sich dem Muster eines Pot Still Whiskeys. Er ist ja auch etwa sechs Monate älter als die bisherigen Verschnitte. Ein Fünftel mehr an Reifezeit macht sich positiv bemerkbar. Er zeigt Potential. Ein Verkoster meinte während der Präsentation, er habe bereits einiges mit einem 12-jährigen Powers Johns Lane Pot Still gemeinsam.

»We are far more comfortable now in the evolution of our Pot Still«, betonte Darran Lovely während des Exclusive European Launch des Pot Still Batch Three im Landhotel Rhönblick nahe Fulda. Mareike Spitzer vom größten deutschen Irish Whiskey Shop hatte zusammen mit Küchenchef Stefan Faulstich zum mehrgängigen köstlichen Präsentationsdinner geladen.  

Batch 3 erschien im Juli 2019 und folgt nach den ersten aromatischen Experimenten einer wesentlich veränderten Rezeptur. Whiskeys aus Weißweinfässern wurden vollkommen weggelassen. Die Pot Still Whiskeys kommen nunmehr zu jeweils gut einem Drittel aus first-fill Bourbon Barrels von Jim Beam, aus Virgin American Oak Casks (225 Ltr.) und aus andalusischen jungen Seasoned Oloroso Sherry Hogsheads (250 Ltr.). Die Whiskeys erreichten mittlerweile ein durchschnittliches Alter von fast vier Jahren. 10 000 Flaschen wurden mit einer Alkoholkonzentration von 46 Vol.-% nicht gefärbt und nicht kühlfiltriert abgefüllt. Auf den zweitwichtigsten Teeling-Markt, Deutschland, kamen 1 200 Flaschen. 

»Die allgemeine Balance ist jetzt viel besser, sie nähert sich dem Ideal. Dem Teeling-Stil sind wir bereits sehr nahe gekommen«, betont Teelings Commercial Manager Darran Lovely. »Die Weißweinfässer hatten einen großen Einfluss auf das Aroma, sie verstärkten die frischen Alkoholnoten. Mit dem neuen Rezept von Batch 3 schreiten wir im Evolutionsprozess voran, die Whiskeys sind etwas älter, schrittweise so um sechs Monate. We are very close to the Teeling Style«.

Einen Teeling Single Pot Still Whiskey Batch 4 wird es allerdings nicht mehr geben, da zukünftige Pot Still Whiskeys als neuer Teeling-Standard ohne eine spezifische Batch-Angabe in unregelmäßigen Abständen erscheinen werden. Die neue Ausgabe wird Alex Chasko wiederum mit einer neuen Rezeptur Ende des Jahres anbieten.

Offizielle Tasting Notes

Aroma: Aromen von Zimt, Grapefruit, »Cream Soda« (Brause), gebrannte Mandeln

Geschmack: weißer Pfeffer, reifer Kumquats (Zwergpomeranzen), Pfirsich, cremig, etwas Honigsüße

Nachklang: trocken, langanhaltend mit Würze und einer cremigen Süße, Muscovado-Süße (naturbelassener dunkler Vollrohrzucker)

Preis: Teeling Pot Still Whiskey Batch 03/2019: 39,00 Euro pro Flasche 0,7 Ltr.

 

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