Power of Love – Peat of Love

Ardbeg kreiert ein neues Aromaprofil.

Fotos: © Gateway to Distilleries

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Die Sonne schuf eine entspannte Atmosphäre des Wohlbefindens. Zigarrenraucher Atze reiste aus Kiel zum Ardbeg Day nach Offenbach. Dort traf er Freunde aus Berlin, Hamburg, der Schweiz und Österreich. »Wir fühlen uns wie eine Familie, sprechen über Whisky und erfreuen uns des Lebens.«

2012 beschlossen innovative Marketing-Manager, den renommierten Ardbeg Day des Feis Ile Whisky Festivals von Islay in die Welt zu tragen und allen Committee Members zugänglich zu machen.

Am Main feierten im ehemaligen Industriekomplex Fredenhagen über 550 Gäste aus Deutschland und den angrenzenden Regionen ein Festival of Peat and Love. Sommerliche Temperaturen, eine weitläufige Rasenfläche, attraktive Spiele, flotte Musik, köstliches Food and Barbecue sowie freundlich-offene Ardbegians genossen ein Fest der Entspannung pur. Sitting Corners förderten Gespräche über a wee dram of Uigeadail.

»Schee wars!«

Mit etwas Wehmut dachte so mancher Gast an Besuche in der vor mehr als 200 Jahren gegründeten Brennerei zurück. Gemeinsam mit anderen Ardbegians schwelgten die Whisky-Freunde in Erinnerungen und ließen die Taigh-staile na h-Àirde Bige vor dem inneren Auge bildlich neu entstehen. Sie schwärmten von ihren kulinarischen Erfahrungen und lobten alte, mittlerweile seltene rauchige Single Cask Bottlings, deren Spirit in kleinen Brennblasen aus getorftem Gerstenmalz zweifach destilliert wurde.

In der Whisky School unterrichtete Deutschlands Ardbeg-Botschafter Thomas Zilm mit seiner prominenten Stimme und charmanten Art die Schüler in der Destillation und Reifung eines rauchigen Gerstenbrandes. Am Beispiel der Ardbeg Standards, An Oa oder Corryvreckan, lernten sie die Philosophie des Whisky-Machens kennen. Dabeisein, Mitmachen und Genießen war der Lohn für alle. Live Music entführte klangvoll in ein grooviges Flair der 1960er Jahre. Flower Power durchströmte die offene Lagerhalle – Blümchen hier und dort. Farbenfrohe Klamotten erinnerten freudig an längst vergangene Zeiten. Power of Love durchwehte die Herzen. Diana Zeemann war verzaubert: »Flower Power Farben überall … Einer der besten Ardbeg Days für mich.« Und Manuel Anders brachte es auf den Punkt: »Schee wars« – schön war es.

Es war in der Tat ein echt cooles Peat and Love Festival! Die Organisatoren Christoph Schmidt, Urs Hessenauer und Tobias Russ von Moët Hennessy zeigten sich mehr als glücklich über die positive Resonanz.

Präsentation des Ardbeg GROOVES

Schottische Emotionen entfaltete die Ardbeg Global Brand Ambassadorin Karen Fullerton mit ihrem Wort-Witz und Whisky-Wissen. Seit 2004 ist die Weinliebhaberin für Glenmorangie plc als Markenbotschafterin unterwegs und bei der Entwicklung der Whiskies aus den Destillerien Ardbeg und Glenmorangie aktiv. Ihre Whisky-Kompetenz erwarb sie im professionellen Training durch Ardbegs Manager Mickey Heads und Glenmorangies Manager Andy MacDonald. Nach einem berufsbegleitenden Kontaktstudium in Brewing and Distilling an der Heriot Watt University von Edinburgh ist sie Trägerin eines akademischen Zertifikats.

Karen präsentierte die mit Spannung ersehnte limitierte Ardbeg Festival Release GROOVES. Sie erklärte: »Der Single Malt ist ein Vatting aus Whiskies, die in Bourbon-Casks und in stark ausgekohlten portugiesischen Rotweinfässern aus französischer Eiche reiften. Da französische Eiche kräftiger an Tanninen ist, wurde der Spirit würziger und pfeffriger als derjenige, der sich in Bourbon-Fässern aus amerikanischer Eiche ausprägte. Das Vatting verschiedener Fass-Kulturen war notwendig, um die adstringierende Wirkung des Whiskys auf der Zunge zu mildern.« Über das Mischungsverhältnis, das Alter der Whiskies und die Limitierung gab sie keine Auskunft.

Was ist das Besondere am Ardbeg GROOVES?

Der Ausbau des Ardbeg GROOVES erfolgte in ehemaligen Rotwein- sowie Bourbon-Fässern. Die frisch entleerten, ehemals getoasteten Barrique-Fässer wurden unter Flammen intensivst verkohlt, um tiefe Rillen (engl. als grooves bezeichnet) in die Oberfläche der Fassinnenseite zu brennen. Die Karamellisierung des Restweines in den Dauben sollte nach Dr. Bill Lumsden – Glenmorangie Director of Distilling & Whisky Creation -– neue Geschmäcker und Aromen prägen. Dieses Nach-Charring geht auf die Empfehlung des leider 2017 allzu früh verstorbenen Whiskyexperten Dr. James Swan zurück.

Erstmals wurde eine ähnliche Methode bei der Reifung der 7. Private Edition Milsean von Glenmorangie angewandt. Die damals verwendeten stark getoasteten portugiesischen Rotweinfässer wurden nach dem Ablassen des Weins einem Charring unter heftigen Flammen unterzogen, bevor man sie mit einem für einige Jahre in Bourbon-Casks herangereiften Single Malt zur weiteren aromatischen und geschmacklichen Nachreifung befüllte.

»Die stark gecharrten Weinfässer hatten durch diese Maßnahme, die Küfer der Speyside Cooperage ausführten, ihre Fassinnenflächen um ein Vielfaches vergrößert und damit die Abgabe von Aromen und Geschmack an den darin heranreifenden Ardbeg Spirit intensiviert«, erläutert Ambassador Karen Fullerton. Die gebürtige Schottin war im Übrigen im Jahre 2004 die erste weibliche Whisky-Botschafterin Schottlands. Das Grooves-Vatting aus Bourbon- und Weinfassgereiften Ardbeg-Whiskys ist das Resultat einer Teamarbeit von Gillian MacDonald – Head of Analytics & Whisky Creation, Brendon McCarron – Head of Maturing Whisky Stocks – und Dr. Bill Lumsden.

Die Methode des Double Deep Char ist allerdings nicht neu. Der schottische Blender Dewar’s legte vor einigen Jahren eine Scratched-Cask-Release auf, während der Bourbon-Produzent Maker’s Mark sogenannte Cuvée-Dauben in der experimentellen Private Selection Barrel-Serie zur Reifeprägung der Spirits einsetzte. Die irischen West Cork Distillers charren first-fill Bourbon-Fässer ebenfalls zum zweiten Mal bis zu 5 Minuten lang und finishen darin für einige Monate ihren Black Cask Whiskey.

Wie schmeckt der mit 46 Vol.-% Alkohol abgefüllte Festival GROOVES?

Ardbeg Whisky »Grooves«

Erste Eindrücke. Er ist lecker. Die Rauchnoten gefallen, ein wechselhafter Spannungsbogen von fruchtig, blumig bis pfeffrig und salzig wird aufgebaut. GROOVES entbietet ein vielschichtiges, interessantes Aroma-Profil. Die Fruchtnoten assoziieren einen kräftigen Apfelsaft, gepaart mit leichten Zitruszesten, die überleiten in verhaltene Blumendüfte, die an Frühlingsblüher wie Veilchen erinnern. Riechen alleine verschafft bereits erwartungsvolle Vorfreude.

Kurz nach dem Einschenken in das Rona-Verkostungsglas reizen leicht stechende Alkoholnoten die Nase. Sie verschwinden alsbald und deuten doch auf die Anwesenheit von jüngeren Whiskies hin. Danach erscheint ein anfänglich dominanter Rauch, der jedoch allmählich abnimmt und in den Hintergrund rückt. Es ist ein angenehmer Rauch, der nicht abträglich an eine Reifenreparatur, einen Fahrradschlauch oder eine frische Teerdecke erinnert. Wohltuend umschmeichelt er zaghaft die Nase, auf der Zunge gleitet er von mineralischen, erdigen Wahrnehmungen in einen salzigen Ton über.

Eingefleischte Ardbegians mit einem Hang zu kräftigen Phenol-Kresol-Aromen werden enttäuscht. In dieser Ardbeg-Abfüllung »grooved« der Rauch harmonisch eingebunden im Stil von Yin und Yang zwischen fruchtigen Eindrücken und weißem Nougat. Leder erscheint. Letztlich drängen die kräftigen Apfel- und reifen Birnenanklänge den Rauch in den Hintergrund.

Süße und Malzigkeit leiten geschmeidig und weich zu einer verblüffenden Überraschung: gemahlener schwarzer Pfeffer oder frisch geschnittene Ingwer-Scheiben erscheinen plötzlich kräftig in ihrer würzigen Wirkung auf der Zunge. Adstringenz flammt auf. Selbst bei wenigen Tropfen hallt der komplexe Kontrast von Früchten, Pfeffer und Salz unter langanhaltenden dezenten rauchigen Eindrücken nach.

Zimt und Vanille keimen im Hintergrund. Eine weinige Finesse fehlt allerdings, sie ist in den lodernden Flammen untergegangen. Durch die Zugabe von einigen Tropfen destilliertem Wasser gewinnt der neue Ardbeg beträchtlich an Aromen und Geschmack. Der GROOVES wird herrlich vielfältig und eindrucksvoller. Ein Genuss, der lange erfreut.

»Der fruchtige Charakter ist das Ergebnis einer Umstellung von Distillers Yeast auf südafrikanische Anchor-Trockenhefe sowie eine leichte Veränderung der Cut Points des Mittellaufs«, erklärt Karen das Phänomen. »Wie bei allen anderen neuen Ardbegs mittlerweile üblich, wurde der Islay Malt nicht kühlfiltriert und nicht mit Zuckerkulör E 150a gefärbt.«

Fazit

Der GROOVES ist ein sehr gefälliger und ausgesprochen harmonischer Ardbeg, dessen Genuss auch denjenigen gefallen mag, die nicht so sehr auf rauchige Whiskies stehen. Das harmonische, fruchtige und rauchige Spektrum begeistert, jeder Schluck erlaubt neue Eindrücke. Er ist ein Vertreter der neuen Generation von Ardbegs, die mit Harmonie überzeugen.

Mit dem An Oa begann eine Zeitenwende. Bereits wenige Tropfen entfachen einen lange anhaltenden Nachhall an Genüssen. Der Rauch ist angenehm und sehr gut eingebunden in die Aroma-Palette. Genießer, die Ardbeg-Whiskies bisher kritisch distanziert bis ablehnend gegenüberstanden, werden den GROOVES mögen. Handwerklich ist dieser Single Malt perfekt in Szene gesetzt. Rauchfanatiker diskutieren nicht nur die spezielle Charakteristik, sondern auch den Preis für eine Abfüllung ohne Altersangabe.

Ardbeg GROOVES ist das überzeugende Resultat einer langjährigen Experimentierfreude mit unterschiedlichen Fass-Kulturen und der bei Glenmorangie und Ardbeg umgesetzten Fachkompetenz im Wood-Management.

Der Verkaufsstart ist im Fachhandel sowie unter www.clos19.com ab dem 11. Juni 2018 zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 99 Euro, solange der Vorrat reicht.

Ernie’s Empfehlung: www.ronaglas.de

 

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