Saint Kilian is happy …

Ein neuer Stern aus Unterfranken.

Sankt Kilian feiert Geburtstag. Destillerie Manager Mario Rudolf und sein Team präsentierten mit großer Freude und Anspannung vor 400 geladenen Gästen, Freunden und Händlern sowie Journalisten ihren ersten 3-jährigen Single Malt Whisky aus Rüdenau: Signature Edition One. Bernsteinfarben glänzt der zweifach gebrannte Gerstenbrand in einer Flasche, die in Form und Proportion die eigenen Brennblasen optisch interpretiert. Das formschöne originelle Design ist gelungen und ansprechend wertig für den mit 45 Vol.-% Alkohol in natürlicher Fassfarbe abgefüllten Inaugural Whisky. Entstanden ist der Sankt Kilian aus 100 % fränkischem Gerstenmalz. Selbstverständlich wurde die Erstauflage nicht kältefiltriert, um so Aroma- und Geschmacksfülle für den Connaisseur vollständig im Glas zu erhalten. 

Mario Rudolf, St. Kilian Whisky

Der in Amorbach geborene Unterfranke Mario Rudolf verantwortet die Signature Edition One: »Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl jetzt hier zu stehen, drei Jahre nachdem wir unser erstes Fass befüllt haben, mit unserem Whisky in der Hand. Der Whisky ist ein Ergebnis der Experimentierfreude mit verschiedenen Fasskulturen und ihre spezifische Auswahl.« Es ist aber auch die Leistung eines engagierten dynamischen Teams und deren präzisen handwerklichen Destillation in einer State of the Art Distillery vom Feinsten. 

Blicken wir zurück

Eine Idee entwickelte sich. Die Männerfreundschaft zwischen dem aus der Region Unterfranken stammenden Investor Andreas Thümmler und dem erfahrenen irischen Destillateur und Anlagenbauer David F. Hynes formte das Fundament einer wegweisenden Zusammenarbeit. Als Managing Director bei Cooley hatte Hynes einst die fulminante Entwicklung der weltweit gelobten Whiskeys Tyrconnell, Connemara, Greenore und Kilbeggan verantwortet. Die älteste irische Destillerie Kilbeggan bildete den Kristallisationspunkt und brachte die beiden Whisky-Spezialisten zusammen.

Thümmlers Idee, eine schottische Destillationsanlage in die Hügel des unterfränkischen Maintals in der Nähe des historischen Handelsplatzes Miltenberg zu bringen, war famos. Das aromatische Resultat eines öligen, fast cremig fruchtigen nach Äpfel und Birnen duftenden Spirit ohne stechende Alkohole, süß und malzig schmeckend bestätigt und belohnt die positive nachhaltige Entscheidung des Brennereibesitzers Thümmler. Am Rande des Odenwalds entstand in einem strukturschwachen Gebiet in einer ehemaligen Textilfabrik im Dorf Rüdenau eine Destillerie, die 14 Menschen einen Arbeitsplatz bietet.

Eine Destillerie entsteht

David Hynes entwarf die Struktur und Größe der Brennblasen, den Läuterbottich – 12 000 Liter – und die vier hölzernen Gärbottiche – jeweils 10 800 Liter. Die weltberühmten Kupferschmiede von Richard Forsyth aus Rothes in der Speyside dengelten zwei gleich große kupferne Brennblasen – jeweils 6 000 Liter. Küfer aus Dufftown in der Speyside setzten die hölzernen Gärbehälter nach traditionellen Mustern auf. Das Kiefernholz kam aus dem amerikanischen Bundesstaat Oregon an der Pazifikküste. Neu war die Idee einer temperaturkontrollierten Gärung der Würze durch installierte Kühlplatten. Sie beginnt bei relativ hohen 28 ℃ und endet nach rund 65 Stunden, am Wochenende dauert sie entsprechend länger. Das achtprozentige fruchtige Bier wird in der Rohbrand- und der Feinbrandblase in Wasser und Alkohol fraktioniert. 

Eine Brennerei unter Verschluss

Wie in Deutschland von der Zollbehörde bei einer Verschlussbrennerei gefordert, verschwindet die Spirit Still vollständig und hermetisch verplombt hinter einer Glaswand, wo sogar die Schraubköpfe des Rahmens und der Tür einzeln verschlossen wurden. Selbst der Zugang zum Kesselraum wird den Destillateuren durch eine verriegelte Stahltür grundsätzlich verwehrt. Nur die Staatsbeamten des Steueramts dürfen die überall im Alkohollauf angebrachten Plomben lösen. Die aromatische Kontrolle des Spirits ist daher für Mario Rudolf und seine Kollegen nur nach dem Durchlauf durch die alte Alkoholmessuhr am Probenausgang des Spirits Safes möglich.

Das Destillationssystem zeigt eine technische Besonderheit: Hynes installierte einen spiralförmig verlaufenden Dephlegmator in den voluminösen und leicht aufsteigenden Lyne Arm der Feinbrandblase, womit die Brenner mit der Zufuhr von kühlem Wasser den Rückfluss der aufsteigenden schweren Alkoholdämpfe in den Kessel kontrolliert erhöhen oder vermindern können. Das Destillat wird während der Rückflussphasen reiner und verliert seine schwefligen Aromen. Hynes: »Wir nähern uns dadurch quasi einer zweieinhalbfachen Destillation und darüber, wenn man so möchte.«

Kilian whisky Brennanlage

St. Kilian Whisky, Brennanlage

Der studierte Chemiker der University of Dublin hatte bereits bei der Cooley Distillery in Riverstown im Co Louth in die dortige Feinbrandblase ein ähnliches System einbauen lassen. Gleiches wiederholte sich in der neuen Great Northern Distillery in Dundalk, wo Hynes als einer der Direktoren, neben Dr. John Teeling, die Produktion der Whiskeys verantwortet. Allerdings führt eine zusätzlich installierte Kupferleitung den Reflux aus dem waagrecht verlaufenden Lyne Arm direkt in den Brennkessel zurück, in dem früher Brauer in der Sudpfanne einmal die Würze für das Harp Lager Beer kochten. 

Das Ergebnis ist ein aromatischer Gerstenspirit

Der Sankt Kilian New Make sprudelt in einer im Vergleich zu Schottland höheren Alkoholkonzentration von 70 bis 75 Vol.-% aus dem Spirit Safe. Im Gegensatz zu schottischen Regeln, wo nur Fässer aus Eichenholz zur Reifung von Whiskys verwendet werden dürfen, erlauben die EU-Bestimmungen deutschen Brennern den Einsatz von Fässern aus allen möglichen Holzarten. 90 verschieden vorbelegte kleine und große Fasstypen von roten und weißen Weinen wie Amarone oder Sauternes, karibischem Rum, andalusischem Pedro Ximénez Sherry,  Bourbon bis hin zu Äppelwoi sowie Juvenile Casks prägen derzeit die Kilian Whiskys.

Bei der spezifischen Fassauswahl beriet der kompetente Spezialist und Importeur Markus Eder aus Bad Dürkheim die Kilian-Brenner. Wie in Schottland üblich wird der New Make vor der Fassfüllung mit Wasser auf  63,5 Vol.-% reduziert. In rund 3.800 Fässern reifen die Spirits seit dem Produktionsstart am Saint Patricks Day 2016  in Rüdenau am Ort der Destillation. Unter ihnen sind mittlerweile Destillate aus Buchenholzrauch-gedarrtem fränkischen Malz sowie schottischem Torfrauchmalz von den Maltings in Glenesk südlich von Aberdeen. 

2018 wurde das klare Kilian-Gerstendestillat White Dog von den Londoner World Whisky Awards zum weltbesten New Make gekürt.

Bemerkenswert ist allerdings die Tatsache, dass bei Sankt Kilian keineswegs nach einer deutschen Methode gebrannt wird. Die Destillateure in der Sankt Kilian Brennerei setzen keineswegs ein hierzulande typisches Brennverfahren um, das traditionell in Edelobstbrennereien angewandt wird. Auf ihrer schottischen Anlage werden Vorlauf und Nachlauf des zweiten Brennvorgangs zusammen mit den low wines des ersten Brennvorgangs redestilliert, wie das in Schottland sonst üblich ist.

»Wir verwenden zur Reifung nur das Herzstück,« erklärt Master Distiller Mario Rudolf, «die gesundheitsschädlichen Alkohole sowie die ungenießbaren Nachlaufalkohole werden vom Mittellauf getrennt.«

Wie schmeckt der neue Kilian Whisky?

Die allererste Abfüllung FIRST KILIAN wurde auf 760 Flaschen begrenzt. Die in einer wertigen Schmuckschatulle verpackte Spezialität war schnell vergriffen. Zum Whisky-Start legte der erfahrene Diplom-Braumeister Mario Rudolf eine Signature Edition One nach. 

 

St. Kilian Whisky, Signature Edition One

Der Single Malt ist Marios spannender und vielschichtiger Verschnitt aus 2016 destillierten Kilian-Whiskys, die jeweils für drei Jahre in first fill Bourbon Barrels (37 %), mit Martinique Rhum vorbelegten Fässern aus amerikanischer Eiche (37 %), Pedro Ximénez Sherry Fässern (18 %) und first-fill Bourbon Quarter Casks (3 %) von der Garrison Brothers Distillery in Hye, Texas, ihre Prägung erfuhren. Einen besonderen aromatischen Kick initiierten fünf Prozent nicht vorbelegte Kastanienholzfässer. Sie verfeinerten den Verschnitt, der sich über zwei Tage im großen Tank vermählte. Die Rezeptur integriert summarisch individuelle Aromen der jeweiligen Fässer und mündet in einen markanten Geschmack.

So bewirken die 125 Liter kleinen Quarter Casks den Eindruck von Reife, die PX-Fasskultur verleiht Farbe, Süße, Milde sowie Aromen von dunklen Früchten, während das französische Kastanienholz den Kilian weicher macht und das Rhum-Holz ihn süßer erscheinen lässt und die Bourbon Barrels Karamell, Vanille, reife Ananas und Malzigkeit beisteuern. Im Ergebnis entfaltet sich ein sehr komplexer Single Malt, der reifer und harmonischer erscheint, als dies beispielsweise bei einem Kilian Whisky aus lediglich 200 Liter großen Bourbon-Fässern der Fall wäre. 

St. Kilian Whisky Fässer

Diese Methode der Integration und des gezielten kompositorischen Verschnitts von Destillaten aus verschiedenen Fässern wurde vom Master Blender Mario Rudolf sehr geschickt ausgeführt. Die von ihm generierte sensorische Vielschichtigkeit ist dem großen Fundus an unterschiedlichen Fasskulturen geschuldet, die mittlerweile in den Lagerhäusern der Brennerei liegen. Weise vorausschauend experimentierte das Team der Sankt Kilian Brennerei mit vielen Holz- und Fassarten und legte damit den Grundstein für die besondere aromatische und geschmackliche Variabilität ihrer Whiskies.

Der Kilian Whisky überrascht positiv. Die Signature Edition One begeistert angenehm mit einer ausgeprägten Fruchtigkeit. Ein Bouquet aus Aromen reifer Äpfel, Birnen und Aprikosen strömt anhaltend in die Nase. Eindrücke von Ananas, Vanille, Karamell und Honig setzen nach. Aufkommende malzige Gerstentöne erinnern an die jugendliche Frische. 

Auf der Zunge entfaltet sich eine liebliche Süße von Karamell und Honig, die allmählich in einen würzigen leicht pfefferigen, Ingwer-artigen Eindruck überleitet. Am Ende flammen kurz Noten einer bitteren -nussigen?- Schokolade auf. Für sein junges Alter ist das harmonische Mundgefühl überraschend füllig und weich ausgeprägt. In der Nase tauchen keine alkoholisch stechenden Wirkungen auf. Der Alkohol ist harmonisch eingebunden. Mittellang klingt eine karamellartige Süße nach. Sie endet abrupt. Der erfreulich fruchtige Single Malt erscheint erstaunlich reif. Bereits im Alter von drei Jahren erreicht der Kilian Whisky ein hohes Maß an Harmonie und Ausgewogenheit. Dieser Whisky verfügt über ein beachtlich gutes Entwicklungspotential.

Fazit: Die Signature Edition One von Sankt Kilian ist eine gelungene und bereichernde Überraschung unter den internationalen Whiskys. Einen Vergleich braucht das Geburtstagskind keineswegs zu scheuen. 

Offizielle Tasting Notes

Farbe: Goldgelb

Geruch: Süße Fruchtnoten von Birne, karamellisiertem Apfel und Mango mit sanften Aromen von Malz und Sahnebonbons

Geschmack: Weich und mild-fruchtig, dann eine ausgewogene Würze und ein malziger Abschluss

Kosten: ca. 39 Euro für die 500ml Flasche. Eine kostenfreie Probe wurde von der Sankt Kilian Brennerei bereitgestellt.

Historisches

Der irische Wanderprediger kam während der iro-schottischen Mission im siebten Jahrhundert in die Region Unterfranken und wird heute von Christen als Apostel der Franken verehrt. Gemeinsam mit seinen Begleitern wurde der Missionar in Würzburg ermordet. Sankt Kilian ist u.a. der Schutzpatron der Stadt Würzburg und von Franken.

 

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