Sascha Thieben

Bar im Bootshaus Grill & Bar, Hamburg

Sascha Thieben ist ein Kind der 79er Schneekatastrophen und schlug als erstes Gastronomenkind von dreien die Nachfolge auf Umwegen ein. Eine Tischlerlehre und eine 8-jährigen Marinezeit dauerte es noch, bis 2005 eine Umschulung zum Restaurantfachmann im Renaissance Hotel HH der finale Startschuss der Bar Karriere war.

Die erste Stelle als Barchef brachte Thieben für drei Jahre nach Frankfurt am Main in die alte Bristol Bar. Es folgten unter anderem ein kurzer Stopp im Le Lion in Hamburg, eine Hotelneueröffnung an der Ostsee, eine Hotelumfimierung an der Nordsee und eine Members-Bar in Bremen. Dann ging es der Liebe wegen zurück nach Hamburg. Hier ist er nun der Hauptverantwortliche für die vor einem Jahr neu geschaffene Bar im Bootshaus Grill & Bar in der Hafencity.

www.bootshaus-hafencity.de

Sascha Thieben

 

10 FRAGEN AN SASCHA THIEBEN

Wie spät ist es und was machen Sie gerade?

Es ist 11 Uhr, ich lese im Buch »Unser großes Kochbuch«. Vom Frühstück bis zum Abendbrot von Hanna Enderlein (DDR 1970).

Wann wussten Sie, dass Sie Barkeeper werden wollen und warum?

Im Jahr Frühjahr 2000, in einem Hafen in Norwegen auf dem Marineschiff Tender Rhein, meine ersten Mixversuche haben unter den Kameraden Gefallen gefunden. Wir überzeugten die Vorgesetzten, das wir auch Zivilisten an Bord für eine Cocktailparty holen dürfen. Später am Abend waren in unsrer Mannschaftsmesse alle Dienstgrade vertreten, alleine das war schon eine Besonderheit. Auch Norwegische Kameraden und Privatpersonen waren unserer Einladung gefolgt. Nach dieser Nacht war für mich klar, nach der Dienstzeit will ich weiter die verschiedensten Personen zusammen bringen. Wo geht das besser als in einer Bar mit Musik und Drinks? 

Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn es Ihren nicht gäbe?

Eine schwierige Frage. Vielleicht Klimaforscher, denn der steigende Meeresspiegel bedroht früher oder später die Erinnerungen meiner Kindheit auf der Insel Pellworm.

Worauf könnten Sie keinen ganzen Tag verzichten?

Schlaf, denn die Zeiten, zu denen ich mehrere Tage durchmachen konnte, sind Geschichte. In meinem Alter siegt selbst auf Barevents inzwischen immer die Vernunft. 

Wo und in welchem Jahr wären Sie jetzt gerne für 1 Stunde?

Da gibt es zu viele Orte, alleine schon von Seite der barkulturellen Geschichte her.

Was ist das Verrückteste, was Sie je unter Alkoholeinfluss gemacht haben?

Erst von Hamburg aus zu einem Fußballspiel Bremen-BVB mit einem Bremen-Fan und einem Dortmund-Fan gegangen. Nach dem Spiel haben wir uns umgezogen und sind ins Spielcasino, denn einer von uns war ausgebildeter Croupier. Nach dem Casino haben wir uns auf zum Oktoberfest nach München gemacht. Hier haben wir bis zu den Schließzeiten durchgemacht und sind dann zurück nach Bremen. 

Was trinken Sie, wenn Sie nicht wissen, was Sie trinken sollen?

Wenn ich eine neue Bar besuche und mir erst mal in Ruhe die Karte ansehen möchte, dann bestelle ich oft zur Überbrückung ein Glas Champagner oder einen Negroni. 

Die absurdeste Drink-Bestellung Ihrer Karriere?

4 Gäste, 1 Flasche Moët & Chandon, 1 Flasche Dom Pérignon. Der Gast nahm die Moët-Flasche aus dem Doppelkühler, öffnete sie und füllte den Inhalt ins Eis in dem der Dom Pérignon steckte. »Champagner muss mit Champagner gekühlt werden!«

Der absurdeste Bar-Talk mit einem Gast?

Ich durfte Mittäter bei einer Verlobung sein. Der Mann hatte die Bar exklusiv dafür gebucht und war vorher mehrmals dagewesen, um seine Pläne minutiös zu planen. Es waren wilde Ideen und dabei viele Manhattans im Spiel. Ich war froh, dass ich ihm von der einen oder anderen Idee abraten konnte. Details bleiben geheim, aber die Dame hat »Ja« gesagt. 

Ihre teuerste Anschaffung in den letzten 10 Jahren?

Ein sechsteiliges Set echte Damastmesser, da macht das Kochen gleich noch viel mehr Spaß. 

COCKTAILREZEPT

Time pressure

Cocktail TIME PRESSURE mit dem Red Bush Whisky von Sascha Thieben

6cl Bushmills Red Bush
2cl Apfelsaft*
2cl Birnensaft*
1cl Zitronensaft
2 Barlöffel Bio Kokosblütenzucker
2 Drops MS Better’s Bitters Miraculous Foamer

*Äpfel und Birnen kommen aus dem Alten Land, beide müssen durch den Entsafter und dann noch passiert werden. Wer nicht im Alten Land lebt, nimmt jeweils einen ähnlich intensiven Saft von guten Produzenten wie Van Nahmen oder Kohl.

Alle Zutaten mit Eiswürfeln kräftig shaken, strainen, um eine schöne Schaumkrone zu erhalten.

Dann folgt noch ein Dry Shake. Den Glasrand eines Retro-Champagner-Glases zur Hälfte mit Zitrone benetzen, anschließend mit gehackten Pekannüssen als Crusta garnieren. Den fertigen Drink dann in das präparierte und später gefrostete Glas einfüllen. Die Oberfläche mit einer Zitronenzeste abspritzen.

Mit einem Apfel/Birnenfächer garnieren.

Der Bushmills Red Bush bringt von Haus aus schon eine sehr präsente Apfel- und Honignote mit. Der regionale Obstkalender bietet jetzt gerade Äpfel und Birnen aus der Nachbarschaft, zumindest wenn man an der Elbe wohnt.

Der Kokosblütenzucker unterdrückt die Honignote des Whisky nicht, bringt aber die nötige Süße.
Kombiniert mit dem Nusscrusta, freut man sich auf die nun kommende Herbst- und Winterzeit.

Der Cocktail sollte ohne »Time Pressure« gerne vor dem offen Kamin getrunken werden.

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