Softies dieser Welt, wer hat euch gerufen, wer hat euch erfunden?

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Skifahren nur mit Helm, Kindererziehung nur mit Desinfektionsmitteln und auf gar keinen Fall rauchen.

Nein, ich möchte Sie heute nicht zum Schwarzsehen auffordern, ich sehe durchaus die positiven Wendungen der letzten 20 Jahre. Denken wir einmal an die Möglichkeit, nachts Xenon-illuminiert durch die Republik zu fliegen, denken wir an die hoffentlich irreversiblen Entwicklungen im Bereich der Körperbehaarung und in der Damenmode. Kein denkender Mann möchte hier den Rückwärtsgang erleben müssen.

Heiner Lauterbach hat es uns in seinem legendären Monolog, gefilmt auf dem Rücksitz eines Hamburger Taxis, im zeitlosen Film St. Pauli Nacht schon vorgetragen. Jeder plant Projekte, die Inhalte schwinden, und Alkohol und Tabak gelten als widerwärtig. Wie krank ist das? Wo bleibt er, der Genuss, der Hedonismus, der Hang zu Action, Gefahr und Passion? Wo kein Schatten, da kein Licht.

Wer sich nicht hin und wieder weit aus dem Fenster lehnt, weiß die Geschwindigkeit des Lebens nicht zu schätzen. Wer möchte angepasste Menschen, wer hat Lust auf diese Melange aus Weicheiern, die heute durch die Gegend läuft?

Wo wären wir alle, die Generation derer, die heute an den Volants von Auto und Industrie hocken, wenn wir in dem Weichspüler aufgewachsen wären, der heute durch die Lande flutet? Was bin ich froh, weit vor Handy und Navigation, ohne Internet und Networking, nein, draußen im Grünen mit blutigen Knien großgeworden zu sein. Was bin ich dankbar, Themen wie Sonnencreme und Schutzhelm ebenso aus dem Wege zu gehen wie sinnlosen Diskussionen über Tempolimits und Rauchverbote. All das mag unser Leben vielleicht verlängern, doch was für ein Leben?

Ich möchte es so formulieren: Möchten Sie, lieber Leser, Ihr Leben ab heute rauch-, alkohol-, fett- und zuckerfrei bestreiten, wenn Sie wüssten, dass es dann 10 Jahre länger anhielte?

Ich halte den Tausch »spaßbefreit, dafür umso länger« für einen wirklich schlechten Deal. Für alle Beteiligten – wo doch jeder weiß: Alle wollen alt werden, keiner will es sein. Schauen wir uns den legendären und von mir für seine Werke sehr geschätzten Helmut Dietl an, der zeit seines Lebens fröhlich und viel rauchte und sich nach Diagnosestellung keine Sekunde über seine logischerweise aus dem Tabak resultierende Erkrankung beschwerte. Das ist Haltung. Das ist ein Mann. Kein Softie, keiner, der auf Trennkost achtete, sondern einer, der sein Leben zu leben verstand.

Intelligente Wesen wissen, dass die drei Geschmacksträger der Küche die sind, die sich diese Vitamin-Gurus entgehen lassen wollen: Fett, Zucker und Alkohol. Ja, und wir alle wissen, mit den dreien mundet das Leben in vielerlei Hinsicht deutlich besser.

Werter Leser, Sie haben es schon mal richtig angegangen. Sie sind heute nicht beim Ayurveda, Sie suchen Ihre Erleuchtung nicht im Yoga, sondern eher beim Jodeln, noch mehr im jodhaltigen Salz im Tatar. Sollte vor Ihnen ein alkoholfreies Bier gelandet sein, waschen Sie damit gerne die Felgen Ihres japanischen SUVs oder geben Sie es Ihrer Katze, die Sie dann wahrscheinlich auch Ihr Eigen nennen, aber denken Sie doch einmal nach. Wieso brauen, wieso vergären, um dann das wunderbare Ethanol und mit ihm den Geschmack zu entziehen?

Lauterbach zeigte lauthals seine Abneigung, er beweist Charakter und Haltung, verachtet die modernen Weicheier. Recht hat er, der Mann. Bleiben Sie Ihrer Linie treu, verachten Sie Mainstreamer und hauptamtliche Bedenkenträger. Genießen sie es, weitab jeglicher Political Correctness zu leben, zu handeln und zu agieren.

Genießen Sie Ihr Bier, lassen Sie es sich schmecken, hoffentlich fettig, kalorienreich und alles andere als ballaststoffreich. Ballast findet sich in den Worten der Gesundheitsfanatiker, der Grünen, der Veganer und aller anderen Traumtänzer. Ein Prost der Realität und Freude an der harten Linie. Auf die Mitglieder des Vereins für deutliche Aussprache.

Zum Wohle!

 

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