Sommerweine – die beste Auswahl für die warme Jahreszeit

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Endlich ist es so weit: Der Sommer ist da. Man baut die Hängematte auf und entspanntes Probeliegen ist angesagt. Statt Halbschuhen tragen wir Sandalen, auf der Nase die Sonnen- statt der Lesebrille. Die Kohle auf dem Grill glüht vor sich hin, wartet auf die ersten Steaks, und die sommerlichen Salate sind angerichtet. Nur eine Entscheidung ist noch nicht gefallen: Was trinken wir jetzt am besten? Gibt es eigentlich einen richtigen Sommerwein oder gibt es mehrere richtige Sommerweine?

Sommerwein, der Begriff

Sommerweine als Schlagwort kennen wir eigentlich nur in Europa, dem Rest der Weinwelt ist diese Bezeichnung gänzlich unbekannt. Weingesetzlich hat der Begriff »Sommerwein« hierzulande keinerlei Grundlage und darf daher auch nicht auf dem Weinetikett verwendet werden. Einige Weingüter umgehen das geschickt, indem sie für ihre »Sommerweine« Fantasienamen wie »Sommersturm« oder »Sommerwind« erfinden. Wie schmeckt aber der perfekte Wein für den Sommer und was zeichnet ihn aus? In der warmen Jahreszeit sollte der Wein unkompliziert, frisch und leicht zu trinken sein. Dies trifft jedoch auf viele Weine zu und hängt auch von dem persönlichen Geschmack ab. Betrachten wir zuerst die Sommerküche, denn mit dem richtigen Essen kann der Wein nur noch dazugewinnen.

Was man im Sommer so isst

Deftige und kräftige Schmorgerichte schmecken in der warmen Jahreszeit einfach nicht so recht. Es ist Grillzeit! Aber auch Salate mit einer leichten Vinaigrette, frisches Obst, Fisch- und Meeresfrüchte und natürlich Eis munden im Sommer besonders gut. Zu der leichten Sommerküche passen frische und leichtere Sommerweine einfach besser als ein schwerer Barolo oder Chardonnay.

Sprudelndes – vorweg, zwischendurch und nebenbei

Schaumweine jeglicher Herkunft passen perfekt in den Sommer. Ob Cava aus Spanien, Champagner und Crémant aus Frankreich, Spumante aus Italien oder ein deutscher Sekt. Die Kohlensäure und das Zusammenspiel von Süße und Säure erfrischt und belebt. Da kann man sich bestens dran festtrinken. Man kann sie auch vorzüglich mit einem Schuss Aperol, Campari oder Holunderblütensirup aromatisieren. Ein klassisches Sommergetränk ist Kalte Ente: jeweils zur Hälfte ein trockener Rieslingwein und trockener Rieslingsekt mit einer Zitronenzeste.

Fisch und Meeresfrüchte

Zu gegrilltem Fisch kann man fast alles trinken: Riesling vom Rhein, Silvaner aus Franken, Weißburgunder aus Baden, Sauvignon Blanc von der Loire, Vermentino aus Sardinien oder ein Grüner Veltliner aus Österreich. Zu Garnelen mit Aioli oder Gambas al Ajillo empfiehlt sich ein frischer gut gekühlter Sherry: Fino aus Jerez de la Frontera oder ein Manzanilla de Sanlúcar de Barrameda. Diese Spezialität aus Südspanien ist hierzulande leider fast in Vergessenheit geraten, aber es lohnt durchaus, sie für sich als Sommerweine wiederzuentdecken.

Fleisch vom Grill

Gerne wird das Grillfleisch mit Kräutern und Gewürzen mariniert oder es wird eine würzige Sauce oder ein fruchtbetontes Chutney dazu gereicht. Nun darf der Wein schon etwas kräftiger sein. Ein vollmundiger Chardonnay ist immer eine richtige Wahl und ein guter Rosé ist der perfekte Allrounder. Geheimtipp: Probieren Sie mal dazu einen feinherben Riesling. Die Restsüße vom Riesling puffert sehr schön die feine Schärfe und Würze der Marinade. Sie unterstreicht die fruchtige Seite des Chutneys.

Salate

Bei Salaten ist die Vinaigrette, beziehungsweise das Dressing, eine wichtige und geschmackgebende Komponente. Wenn die Salatsauce eher säurebetont, also mit einem besonderen Essig oder Limonensaft abgeschmeckt ist, sollte man darauf achten, dass der Wein nicht säurebetont ist. Rivaner, Silvaner, Chardonnay oder Grüner Veltliner sind Rebsorten mit einer verhaltenen Säure. Möchte man dennoch zu einem Riesling greifen, empfiehlt sich die feinherbe oder halbtrockene Variante. Bei Obstsalaten ist es ganz einfach: Wenn man einen Wein auswählt, in dessen Bouquet man die Früchte vom Salat wiederfindet, kann nichts mehr schiefgehen. Also Apfel und Citrusfrüchte mit Riesling, Birnen und Silvaner, Bananen mit Chardonnay und rote Beeren mit Rosé.

Eis und Wein – geht das?

Eis ist zwar eine leckere, aber auch eine kalte Angelegenheit. Kälte zieht die Geschmacksknospen am Gaumen zusammen und macht somit die Kombination etwas schwieriger. Wenn das Eis jedoch langsam im Mund schmilzt, bekommt es Temperatur, die Geschmacksknospen öffnen sich und das Aroma des Eises breitet sich am gesamten Gaumen aus. Nun ergeben sich für den Genießer ungeahnte Möglichkeiten: Mangoeis mit einem restsüßen Riesling Kabinett, Himbeereis mit einem feinherben Rosé, Zitroneneis mit Moscato d’Asti oder Schokoladeneis mit rotem Portwein.

Sommerweine – meine Geheimtipps

 

50._Breitengrad

 

Der vergessene Klassiker

»Labrusca Rosso LINI del 910«, Lambrusco

Die über 100 Jahre alte Kellerei LINI 910 aus der Emilia-Romagna ist eine Vorreiterin der Lambrusco-Renaissance. Schon beim ersten Kontakt mit der Nase verfliegen alle Vorurteile gegenüber Lambrusco. Vollmundiges Bouquet: jede Menge Beeren – Maulbeere, Himbeere, Holunderbeere – und zarte Kräuter im Hintergrund. Unglaublich erfrischend. Hüpfende Säure und eine tolle Tanninstruktur verleihen diesem Wein Druck, Spannung und Größe. Sommer pur.

Labrusca

Der Innovative

»Pomp Blanc« und »Rosé«, Apfelweinkelterei Höhl und Weingut Fritz Allendorf

»Pomp« ist die einzigartige Assemblage von feinsten Rheingauer Rieslingsekt und Apfelwein. Die Idee dazu hatten das Rheingauer Weingut Fritz Allendorf und die renommierte Apfelweinkelterei Höhl. »Pomp Blanc« begeistert mit seiner saftigen Frucht, einer filigranen Perlage und langem Finish. »Rosé« wurde mit etwas Cassis verfeinert und ist etwas fruchtbetonter. Ob Blanc oder Rosé – es ist der perfekte Aperitif für den vornehmen Galaempfang im Park.

Pomp-Blanc

Pomp-Rosé

Der Titan

2016 Riesling »Rotlack« Kabinett trocken, Schloss Johannisberg, Rheingau

 

Schlosskeller
Kabinettkeller, Schloss Johannisberg

Schloss Johannisberg im Rheingau ist nicht nur das älteste Rieslingweingut in Deutschland, sondern der Welt. Hier wurde 1745 die erste Spätlese gekeltert und die besten Weine lagern seit Jahrhunderten schon im Kabinettkeller. Die Kapseln der einzelnen Prädikate haben unterschiedliche Farben. Eine rote Kapsel ziert den trockenen Kabinett. Dieser Riesling hat alles, was ich mir von einem Kabinett verspreche: Finesse, Eleganz und pure Mineralität. Mit zarten Alkohol geradezu tänzerisch leicht, versprüht er den Duft frischer Äpfel und Limetten. So macht Rheingauer Riesling Spaß!

2011 Riesling Rotlack

Die Überraschung

2016 Sauvignon Blanc Aloisiushof, Pfalz

Phillip Kiefer aus dem romantischen wunderhübschen Weinort St. Martin in der Pfalz sprüht über vor neuen Ideen. Bei seinem Weinbaupraktikum in Neuseeland wurde er mit der Liebe zum Sauvignon Blanc infiziert. Sofort pflanzte er in seinem elterlichen Betrieb Sauvignon Blanc. Das Ergebnis ist einer der besten Sauvignon Blancs in Deutschland. Toller Duft nach Cassis, Limetten, ein Hauch grüne Paprika und zarte grüne Nuancen. Am Gaumen sehr straff, knochentrocken. Bei diesem Wein fängt man an, in Flaschen zu denken. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange dieser Wein noch ein Geheimtipp bleibt.

Aloisiushof Sauvignon Blanc

Der Portugiese mit Format

2016 Loureiro, Aphros, Vinho Verde

Vinho Verde ist eine Weinregion im Norden Portugals und bekannt für frische und vitale Weißweine. Die Region liegt zwischen zwei Flüssen und in unmittelbarer Nähe zum Atlantik. Hier ist es kühl und sehr grün, daher auch die Bezeichnung Vinho Verde (verde = grün). Der 2011er sortenreine Loureiro von der Kellerei Aphros im Dourotal gehört in jeden Kühlschrank. Zarter Duft nach exotischen Früchten, etwas Heu, feines Säurespiel, herrlich trocken, fast ein kleiner Staubsauger und mit 12 % Vol. Alkohol geradezu leichtfüßig. »Wenn nur jeder Vinho Verde so schmecken würde!«, denke ich – und prompt finde ich mich mitten in Portos Altstadt wieder.

2016 Loureiro, Aphros, Vinho Verde

 

Die französische Verführung

2016 Rosé de Provence, Domaine de Marchandise

Rosé aus der Provence ist ein wahrer Klassiker, die Region ist bekannt für ihre Rosés. Fast 70 Prozent der Trauben werden für Rosé verwendet, 20 Prozent entfallen für Rotwein und lediglich 10 Prozent für Weißwein. Es handelt sich in der Regel um eine Cuvée aus verschiedenen Rebsorten, die meist aus Grenache, Syrah und Mourvèdre besteht. Der »2011er Rosé de Provence« von Domaine de Marchandise funkelt lachsfarben im Glas, versprüht einen herrlichen Duft von Erdbeeren und Himbeeren. Am Gaumen perfekt ausbalanciert, kraftvoll, aber nicht sättigend und wunderbar stoffig trocken im Finish. Ich schließe die Augen und sitze an der Côte Azur, schaue aufs blaue Meer und flirte mit der hübschen Französin am Nachbartisch.

Cotes de Provence 2011

Der Temperamentvolle

Fino En Rama, Bodegas Urium

Fino ist ein frischer und trockener Sherry. Mit 15 % Vol. ist er auch der leichteste Sherry. En Rama darf sich der Fino nur nennen, wenn er ungeschönt, ohne Filtration abgefüllt wird. Er gleicht also quasi einer Fassprobe und ist Sherry pur. Verführerischer Duft, nach frischen Äpfeln, Citrusfrüchten, Nuancen von Fenchel, zarten Hefenoten und der typischen Salzigkeit. Am Gaumen herrlich trocken und erfrischend, zurückhaltende Säure. Diesen Wein sollten wir wie die Andalusier genießen. Gut gekühlt auf der Terrasse zu frischen Meeresfrüchten, gegrilltem Fisch oder Ibérico-Schinken. Und im Hintergrund zupft ein Mariachi auf seiner Gitarre. Spanien pur!

BodegasUrium

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