Tequila & Mezcal: Verkostungstipps

Annährung an eine exotische Aromenwelt.

Mezcal und Tequila – aber wie? Zunächst vergessen Sie bitte sämtliche bisher gemachten Erfahrungen und Gerüchte. Wenn das möglich ist. Manchen haben sich die Folgen jugendlichen »binge drinkings« mit Billigtequila nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt, was aber nicht die Schuld des Tequilas an sich ist.

Wer bei alkoholischen Getränken spart, spart am falschen Fleck und das gilt besonders für Agavendestillate. Das wertvolle Rohmaterial und die aufwändige Herstellung guten Mezcals oder Tequilas bedeuten, dass diese nicht für den Preis eines Wodkas oder Gins zu haben sind.

Gepflegt einkaufen

Echter Genuss fängt beim Einkauf an und wer nicht weiss, worauf zu achten ist, hat schlechte Karten. Im Einzelhandel bekommt man eventuell ein Beratungsgespräch, jedoch ist die Kenntnis über eine Nischenkategorie wie Agavenbranntwein auch dort meist überschaubar. Deutschland ist zwar der drittgrößte Markt für Mezcal und Tequila, nach den USA und Mexiko, diese sind aber immerhin 20 mal größer! Entsprechend ist dort auch sehr viel mehr Know How vorhanden und es gibt private Blogs und Gruppen, die sich dem Genuss und der Kultur dieser Destillate widmen. Hier seien zur Vertiefung für den interessierten Trinker stellvertretend zwei genannt:

Mezcal: www.mezcalistas.com

Tequila: www.tastetequila.com

Wir selbst bieten ein gut kuratiertes Angebot an Mezcal und Tequila, deren Produzenten wie persönlich kennen und denen wir vertrauen:

www.mezcaleria.de

Das bessere Angebot an guten Agavendestillaten findet man im Internet. Umso mehr bedarf es einiger Vorbildung. Und worauf ist nun zu achten?

Bei Tequila:

  • Vermerk 100% Agave (machmal auch: Puro de Agave)
  • Mehr als die standardisierten 40 Vol.-% ist immer gut!
  • Möglichst keine Produkte aus Kochvorgängen mit Diffusoren oder Autoklaven. Bei Tequila Matchmaker,  einer Erweiterung von www.tastetequila.com, kann über die NOM-Registriernummer für jedes Produkt ein Katalog über die Herstellungsmethoden aufgerufen werden.
  • Echte Fans trinken Blanco, also ungelagerten Tequila, bei dem geschmacklich die Agave im Mittelpunkt steht. Fasslagerung ist keine traditionelle Produktionsmethode! Außerdem darf – was wenig bekannt ist – bis zu 1 Vol.-% an Zucker oder Aromen in den Kategorien Reposado und Anejo hinzugefügt werden, ohne dass dies auf dem Etikett vermerkt sein muss.
  • 30 Euro oder mehr muss man schon ausgeben

Bei Mezcal:

Hier gilt das oben gesagte und noch mehr.

  • Trinkstärke mindestens 46 Vol.-%
  • Kategorien Artesanal oder Ancestral kaufen
  • Es sollten der Maestro Mezcalero, Ort der Herstellung und Flaschennummer auf dem Etikett vermerkt sein. Mindestens! Je mehr Informationen, desto besser. HIER gibt es eine Orientierungshilfe.
  • Guter Mezcal kostet runde 50 Euro und aufwärts

Gepflegt trinken

Jícaras, Mezcal
© Nils Dallmann

Der Stoff muss atmen! Lassen Sie sich und dem Destillat Zeit. Insbesondere, wenn es sehr hochprozentig ist, beziehungsweise wenn die Flasche ganz frisch geöffnet wurde. Anfängliche Fehlnoten wie Aceton verfliegen und das ganze Aromenspektrum entfaltet sich erst nach einige Minuten, gerne auch mehr.

Benutzen Sie ein weit geöffnetes Glas! Klassische Nosing-Gläser sind meist zu eng und erzeugen einen aggressiven Alkoholeindruck in der Nase. Es seien hier Likörschalen, kleine Martinigläser oder – wenn sonst gar nichts geeignetes im Hause ist – ein Weißweinglas empfohlen.

Vor Ort trinkt man Mezcal traditionell aus Kalabassenschalen, den Jícaras, oder den Vasos Cruz. Dies sind Gläser für Kerzen, wie sie in den mexikanischen Kirchen als Ewige Lichter zu finden sind und deshalb ein Kreuz ab Boden haben. Von der Form her zwar nicht optimal, aber in der Handhabung sehr robust, überstehen sie auch mal einen leidenschaftlichen Mezcalabend mit Freunden.

Auf keine Fall sollte man Shotgläser verwenden, denn Mezcal und Tequila sind Edelbrände. Sie werden nicht gestürzt, sondern »se toma a besitos« – man trinkt sie in Küssen!

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