The GlenAllachie – Speyside rocks

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Fotos: ©The Gateway to Distilleries

GlenallAchie Single Malts waren bis zum Frühjahr 2018 nur wenigen Whisky-Genießern bekannt. Die Brennerei wurde von ihren ehemaligen Besitzern nicht als eigenständige Marke etabliert. Unabhängige Abfüller – darunter Signatory und Cadenheads – versorgten Freunde eines kräftigen nicht-rauchigen Speyside Malt mit zahlreichen Fass-Abfüllungen.

Nur wenige Meilen südlich von Charlestown of Aberlour im Tal der schwarzen Felsen, am Fuße des Ben Rinnes gelegen, produzierte die 1967 gegründete Destillerie einen doppelt gebrannten Malt. Dieser verschwand als fruchtig kräftiger Aromaträger geheimnisvoll in verschiedenen Blended Whiskies, u.a. im Clan Campbell. Jährlich wurden bis zu vier Millionen Liter reiner Gerstenbrand zur Reifung in Eichenholzfässer gefüllt und vor Ort in den riesigen Warehouses im Glen Aileachaidh, in Mulben oder Keith gelagert. Noch heute laden ab und an die Lastzüge der Chivas Brothers, im Besitz des global agierenden französischen Konzerns Pernod-Ricard, den kräftigen fruchtigen Spirit in ihre Tanks.

Mit dem Verkauf der modern anmutenden Brennerei im Jahr 2017 an ein schottisches Trio um den in der Whisky-Welt berühmten Billy Walker – ehemaliger Mitbesitzer von BenRiach, Glendronach und Glenglassaugh – gelangte wieder einmal eine Distillery nach vielen Jahren in ausländischem Besitz – Pernod-Ricard – in schottisches Eigentum.

Billy Walker, ©The Gateway to Distilleries
Billy Walker erklärt den Prozess der Reifung.

 

Nach der Veräußerung der BenRiach Distillery Company an die Amerikaner Brown-Forman – Jack Daniel’s – im Jahr 2016 hatte Walker die Taschen voller Dollars und plante noch keineswegs seinen Ruhestand. »Eigentlich wollte ich nicht verkaufen, aber ich musste mich der Entscheidung meiner beiden südafrikanischen Partner beugen. Ich hatte noch einige Dinge nicht erledigt. So wollte ich gerne Glenglassaugh zu einer eigenen Marke ausbauen. Die Trennung von BenRiach, GlenDronach und Glenglassaugh empfand ich als sehr schmerzlich.«

Die internationale Presseresonanz war gewaltig und machte den Namen GlenAllachie über Nacht weltweit bekannt. Whisky-Blogger entfachten ein großes Verlangen nach diesen unbekannten Speyside-Whiskies.

Die neuen Besitzer um den großen Whisky-Macher Billy Walker – seine Partner sind Trisha Savage und Graham Stevenson – verfolgen ein Ziel: »Wir möchten einen herausragenden Single Malt Scotch Whisky machen, der ohne die Bürokratie der Großkonzerne und deren finanziellen Einfluss direkt aus schottischer Hand in unserer Eigenverantwortung entsteht.«

Whisky is our Passion

Die Brennerei wurde 1967 vom genialen walisischen Ingenieur William Delmé Evans aus technischer Sicht hervorragend konzipiert. Viele Planer kopierten später seine Ideen.

The GlenAllarchie distillery, Delle Evans

GlenAllachie verfügt über vier große Brennblasen sowie zwei separate Spirit Safes. Die Stillmen können somit zwei unterschiedliche Destillate gleichzeitig produzieren. Während das eine Paar einen nicht-rauchigen New Make destilliert, kann im anderen ein rauchiger Spirit fraktioniert werden (seit April 2018). Das Produktionswasser kommt von den Hängen der höchsten Erhebung der Speyside, dem Ben Rinnes. Selbstverständlich ist das Gerstenmalz schottisch. Es wird in Port Gordon an der Nordseeküste hergestellt – dort, wo der neue Operations Director Richard Beattie von GlenAllachie früher viele Jahre für die Qualität des Malzes verantwortlich war.

The GlenAllachie Stillhouse
Das Stillhouse, entworfen von William Delmé

 

Für den über 70-jährigen Walker ist Teamgeist eine Tugend. Alle Mitarbeiter werden auf der Webseite einzeln vorgestellt: »Whisky is our Passion. Wir machen einen Single Malt mit viel Spaß und Leidenschaft, der völlig frei und unabhängig entsprechend unserer eigenen Entscheidung entsteht.« Beim Rundgang spüren Besucher eine hohe Einsatzfreude. Jeder Mitarbeiter ist mit vollem Herzen dabei. Sie freuen sich auf die gemeinsame Herausforderung.

Die neuen GlenAllachie Standards

Bisher produzierte die Brennerei fast ausschließlich für die Herstellung von Blended Whiskys. Zwar fand sich vor dem Verkauf 2017 überraschend eine der höchst seltenen original Distillery-Abfüllungen in den Regalen der Fachgeschäfte, doch sonst war der Spirit aus dem »Tal der schwarzen Felsen« ein eher unbekanntes Wesen. Dies änderte sich mit der Übernahme, denn der schlaue Fuchs Billy Walker konnte von den Vorbesitzern über 40.000 Fässer erwerben, einen soliden Grundstock für zukünftige GlenAllachie-Abfüllungen. »Im partnerschaftlichen Klima mit den Verantwortlichen wiederholten sich die guten Erfahrungen, die damals 2004 zum Erwerb von BenRiach führten. Unsere Ideen und Strategien ergänzten sich vortrefflich«, beschreibt Walker den positiven Verlauf der Verkaufsgespräche.

The GlenAllarchie
Einzigartig und selten: der horizontale Condenser.

 

Im Frühjahr 2018 erschien die erste Vintage-Abfüllung eines Whiskys aus dem Jahr 1978. Sie wurde von vier weiteren Whiskies begleitet, die Billy Walker nach intensiver Sichtung des Bestands als limitierte Erstauflagen selektierte. »Wir möchten Whiskies schaffen, die sich jedermann leisten kann. Sie sollen mit Altersangaben, nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert mit mindestens 46 Vol.-% Alkohol abgefüllt werden.«

Das ausgiebige Nosing der Fassproben führte den Master Blender zur Entwicklung einer Core Range, die aus einem 10-, 12-, 18- und 25-jährigen Whisky besteht. »Wir planen selbstverständlich regelmäßige Einzelfass- und Sonderabfüllungen und sogar einen rauchigen Whisky.«

Anfang Juli 2018 war es bereits so weit. Die entsprechenden The GlenAllachie Single Malts erreichten die internationalen Märkte. Damit wiederholt sich ein Konzept, das BenRiach und GlenDronach weltweit so erfolgreich werden ließ.

Das Meisterstück

The GlenAllachie 12 YO

Der 12-jährige Single Malt Scotch Whisky ist das Herzstück von The GlenAllachie, ein Vatting aus drei verschiedenen Fasstypen. Ein Teil reifte zunächst in ehemaligen Bourbon-Barrels, um danach für sechs Monate eine zweite aromatische Prägung in 400 Liter großen Puncheons zu erfahren, die zuvor andalusische Bodegas mit Pedro Ximénez- und Oloroso-Sherry belegt hatten. Ein anderer Teil erhielt in neuen »jungfräulichen« 250 Liter großen Hogsheads aus amerikanischer Eiche eine intensive würzige Note. Vor dem Abfüllen stellte Warehouse Manager Lindsay Cormie den Whisky akribisch auf 46 Vol.-% Trinkstärke ein.

»Der bronzefarbene Single Malt Scotch Whisky duftet nach Butterscotch, Honig und Mokka. Am Gaumen gesellen sich Aromen von Marzipan, Banane und Rosinen hinzu«, beschreibt GlenAllachies International Malt Ambassador Alasdair Stevenson den Charakter. Über das jeweilige Verhältnis von Bourbon-, PX-, Oloroso- und Juvenile Casks im Vatting macht er keine weiteren Angaben.

Der neue GlenAllachie duftet zunächst vielschichtig fruchtig frisch, um dann in zurückhaltende Karamelltöne überzuleiten. Ein fülliges Bouquet heller Früchte zaubert zusammen mit Frühlingsblühern einen begeisternden Willkommensgruß. Respektvolles Riechen ist angesagt. Vieles gilt es zu entdecken. Setzt sich die aromatische Harmonie beim Schmecken fort? Körperreich, etwas ölig und geschmeidig gleitet der Malt die Zunge entlang, die Aromen blühen intensiv wieder auf und harmonieren mit den anfänglichen Erwartungen. Es schließt sich ein Kreis. Würzige Noten geben dem Whisky einen spannungsvollen Pepp, der lange auf der Zunge anhält und sich allmählich im Geschmack von Karamellbonbons auflöst.

Die würzigen Noten stammen wohl von den Whiskies, die in den »juvenile hogsheads« nachreifen durften. In der Auswahl dieser Whiskies war der Master Blender sehr sparsam, denn die Würzigkeit überdeckt keineswegs das florale und fruchtige Aroma. Im Nachklang erscheint eine faszinierende Komplexität von Rosinen und Sultaninen. Diese ist allerdings nicht dominant kräftig, sie ergänzt die fruchtigen und floralen Noten, ohne diese zu überdecken.

Bemerkenswert sind sehr dezente Rauchnoten, die wohl von den »medium level three char« frischen Hogsheads herrühren und diesen Speysider ausgesprochen spannend machen. Die Trockenheit am Ende überrascht. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Laut Stevenson werden lediglich »three thousand cases« für das erste Batch abgefüllt. Der 12-jährige GlenAllachie schmeckt sehr lecker und wird viele Freunde finden.

Preis: ca. 40 Euro

Der Starke

GlenAllachie 10 Year Old, Batch 01

Der 10 Jahre alte Single Malt wurde weltweit auf 12.000 Flaschen limitiert. Es ist ein Vatting aus unterschiedlichen Fässern. Die Grundreifung erfolgte zunächst in American Oak Bourbon Casks. Danach wurde ein Teil der Whiskies für sechs Monate in Pedro Ximénez Sherry Casks, ein anderer in Oloroso Sherry Casks und der restliche in Virgin Oak Casks nachgereift. Die durchschnittliche Fassstärke liegt bei 57,10 Vol.-% Alkohol. Nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert.

Preis: ca. 55 Euro

Offizielle Tasting Notes: Honig, Toffee und Vanille mit Hagebutten, Orangenmarmelade und karibische Gewürze.

Die Sherry-Variation

 

The GlenAllarchie 18 YO

Der 18-jährige ist ein Vatting aus unterschiedlichen Fässern. Die Grundreifung erfolgte zunächst in American Oak Bourbon Casks, danach wurde ein Teil für sechs Monate in Pedro Ximénez Sherry Casks ausgebaut. Der Master Blender verheiratete diese Malts mit einem Whisky, der wohl seine gesamte Reifezeit in einem Oloroso-Fass lag. 46 Vol.-% Alkohol, nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert. Nur 6.000 Flaschen wurden abgefüllt.

Preis: ca. 95 Euro

Offizielle Tasting Notes: Rosinen, Marzipan und Honig mit starken Aromen von Kirschen, Gewürzen und dunkler Schokolade.

Der Alte

The GlenAllarchie 25 YO

Die Krönung der GlenAllachie Core Range ist ein 25 Jahre alter Single Malt, ein Vatting aus unterschiedlichen Fässern. Es ist ein spektakulärer Sherry-Whisky, eine wahrhafte Sherry-Bombe, der eine Full Maturation in Pedro Ximénez Sherry Casks und Oloroso Sherry Casks erlebte. Er begeistert die Sherry-Whisky-Liebhaber mit Temperament.

Die dunkle Farbe deutet eindeutig auf seine Herkunft. Ein typischer Sherry-Whisky umschmeichelt die Nase: es erscheinen dunkle Früchte und kräftige Alkoholnoten. Rosinen, Orangenzesten, Pflaumen und Mandeln wetteifern miteinander. Eine immense Vielschichtigkeit fordert die Riechfähigkeiten heraus. Auf der Zunge entfalten sich die dunklen Früchte in Verbindung mit einer kräftigen Orangenfrische, die übergeht in eine kräftige pfeffrige Würze mit Noten von Zimt und Nelken. Exotische Früchte kommen auf: Mango, Ananas, Banane. Die Süße bildet den Rahmen und gleitet im Nachklang allmählich über in eine bittere dunkle Schokolade. Billy Walker mag bei älteren Whiskies etwas mehr Würze, daher erscheinen auch stark pfeffrige Noten auf der Zunge.

Dies ist ein feierlicher Single Malt, der Billy Walkers Kompositionskompetenz sehr eindringlich widerspiegelt. Ein »excellent wee dram« für spezielle Anlässe im Freundeskreis, die Provenienz und Qualität zu schätzen wissen. Ein Blauschimmelkäse Saint Agur oder eine Zigarre mögen den gemeinsamen Genuss nachhaltig verstärken. 48 Vol.-% Alkohol, nicht gefärbt, nicht kühlfiltriert.

Preis: ca. 250 Euro

Ernie’s Empfehlung: Rona Tasting Glas.

 

www.theglenallachie.com

 

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