The Quiet Man – Ein Whiskey von der Bar

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In J. R. Moehringers großem Werk »Tender Bar« – einem Buch, welchem man als Trinker und Sinatra-Hörer schier unabdingbar ausgeliefert ist, findet sich die vielleicht trefflichste Bemerkung darüber, warum Menschen in Bars gehen. Die einen, welche reden, um ihr Trinken zu rechtfertigen. Die anderen – die wahrscheinlich spannendere Gruppe –  hingegen sind jene, die um des Redens willen trinken. Eines jedoch eint sie alle: am Ende stehen Sie vor einem Bartender. Diese Berufsgruppe ist die wohl bedeutendste unter all jenen des öffentlichen Interesses, umfasst doch das Aufgabenfeld jedes Barmannes und jeder Barfrau weit mehr als das Zubereiten von Drinks. Eine der Königsdisziplinen dieser Monarchen der Nacht jedoch ist etwas sehr Stilles und scheinbar Nebensächliches. Etwas, was so einfach anmutet und doch so schwer ist: Das Zuhören.

Mein Vater, An Fear Ciuin

John Mulgrew, The Quiet Man Ciaran Mulgrew, The Quiet Man

Bartender sehen und hören fast alles und doch verlangt es ihr eigener Kodex, dass sie all dies für sich behalten. All die kleinen und großen Geheimnisse der Nacht, von denen es so viele zu geben scheint wie Sterne am Himmel. Einer dieser Männer war John Mulgrew, welcher 50 Jahre lang in und um Belfast Nacht für Nacht Drinks servierte. Auch er hörte die wildesten Geschichten, Gerüchte und Details – doch nie verlor er auch nur ein Sterbenswort darüber – nicht einmal daheim im Kreis seiner Familie. Im Irischen nennt man die stillen Männer »an Fear Ciuin« – The Quiet Man. Ihm – seinem Vater – zu Ehren schuf Ciaran Mulgrew als Mitbegründer von Niche Drinks eine irische Whiskey-Marke mit eben jenem Namen: The Quiet Man.

Von Derry in die Welt

The Quiet Man gibt es in drei unterschiedlichen Abfüllungen. Da wären die jeweils mit 8 und 12 Jahren abgefüllten Single Malt Whiskeys und der traditionelle Blend. Alle drei werden in Derry, Nordirland, abgefüllt. Allein dies ist schon eine kleine Sensation, denn damit beginnt eine neue Ära in der Geschichte der Stadt, schloss dort doch vor mehr als 100 Jahren die letzte Brennerei ihre Pforten. Eröffnet wurde in der Stadt eine Destillerie das letzte Mal vor über 150 Jahren. Es ist ein so typischer Whiskey für die Rennaissance der irischen Brennereien – und dabei ist es zum Glück völlig unerheblich, ob nun in der Republik oder der britischen Enklave – irischer Whiskey ist seit Jahren eine der stärkst wachsenden Kategorien in der Spirituosenindustrie. Dem Kulturgut Irish Whiskey ist es egal, ob Emerald Isle politisch geteilt ist oder nicht – seine Geschichte ist älter als jeder politische Streit.

Zur Zeit kommen die Rohdestillate, kommt der New-Make Spirit, von einem anderen Hersteller, aber noch dieses Jahr – 2018 –  soll die Produktion von Whiskey komplett in Derry erfolgen, steht doch die Brennerei kurz vor dem Abschluss der Bauarbeiten und wird sich dann einreihen in eine ganze Zahl neueröffneter Whiskey-Destillerien. Schon 2016 belieferte man 26 Länder mit dem neuen Boutique Whiskey – unter anderem die USA, Kanada, Südafrike und auch Deutschland.

Klassischer irischer Whiskey

Die Single Malts, deren Basis ausschließlich gemälzte Gerste ist und in kupfernen Pot Stills destilliert werden, reifen für 8 bzw. 12 Jahre in first-fill ex-Bourbon Casks, welche man vor allem durch sehr gute Beziehungen zu Händlern in den USA bekommt. Damit entwickelt sich schon in der vermeintlich kurzen Zeit von 8 Jahren ein intensives und ausdrucksstarkes Aromenprofil. Der Traditional Blend ist ein sogenannter Single Pot Still, dessen Grundlage neben gemälzter auch ungemälzte Gerste sowie weitere Getreidesorten ist. Daraus entwickelt sich seine wundervolle Balance zwischen pfeffrigen Noten und fruchtiger Weichheit, welche unter anderem mit Gold bei der San Francisco Wolrd Spirits Competition belohnt wurde.

Die Ursprünge an der Bar

Es ist ein klassischer irischer Whiskey Stil, der hier an den Tag gelegt wird und dem eine hoffentlich goldene Zukunft beschert ist. Denn bei The Quiet Man geht es nicht nur darum, dass der Whiskey pur genossen werden soll. Ganz im Sinne der zugrunde liegenden Idee möchte man auch, dass damit gemixt wird oder der Whiskey einfach ganz entspannt im Tumbler auf Eis getrunken wird. Es ist ein Whiskey aus der Bar.

Ganz in Erinnerung an John Mulgrew, jenem Bartender aus Belfast, welcher über 50 Jahre hinweg Nacht für Nacht hinter seinem Tresen stand und Menschen neben Drinks auch immer ein offenes Ohr anbot. Und so geschieht es noch heute, Nacht für Nacht an den Tresen der Welt, wo Männer und Frauen mehr sind als Bartender. Sie sind Zuhörer, Psychologen und Ratgeber, Aufbauer und Ermuntere und durch einen ungeschriebenen Kodex auch stille Zeugen ihrer Zeit. Denn Reden über die ihnen anvertrauten Dinge werden sie nie. Jeder von ihnen ist ein Quiet Man – An Fear Ciuin. Ganz im Sinne der alten Tradition.

 

 

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