Tonic Water. Was steckt dahinter?

Der Ursprung des heutigen »Tonic Water« liegt in dem Begriff »Tonika«. Tonika sind jeher bekannt als stärkende, kräftigende Mittel und wurden schon früh zur Prävention von Krankheiten eingesetzt. Noch heute sind Tonika ein fester Bestandteil der chinesischen Medizin. Meist ist ein bestimmter Inhaltstoff für die stärkende Wirkung verantwortlich.

Tonic Water wird heutzutage fast ausschließlich mit den Bitterlimonaden von Schweppes, Fever Tree und anderen Anbietern in Verbindung gebracht. Was heute als Durstlöscher oder als Bestandteil von zahlreichen Cocktails hinter namenhaften Bars ausgeschenkt wird, war im frühen 19. Jahrhundert fester Bestandteil der britischen Armee während der Erschließung der indischen Kolonialgebiete. Die Soldaten hatten schwer mit Tropenkrankheiten zu kämpfen, insbesondere mit den Fieberkrämpfen der Malaria Krankheit. 

Die damaligen Ärzte griffen daraufhin auf ein Mittel zurück, welches in den indischen Kolonialgebieten bereits für seine fiebersenkende Wirkung bekannt war. Das Chinin. Ein wasserlösliches, kristallines Pulver, welches aus der Rinde des Chinarindenbaumes gewonnen wird. Zur frühen Kolonialzeit wurde Chinin den Soldaten noch als überaus bitter schmeckende Tablette zugeführt. Der bittere Geschmack des Chinins verleitete die Kolonialisten jedoch damals schon dazu, ihre Medizin in Wasser zu lösen und etwas Zucker zuzugeben, um das Bittere zu maskieren. Oft wurde damals schon Sodawasser zur Lösung des Chinin-Pulvers verwendet. Dies könnte man als Geburtsstunde des heutigen Tonic Waters bezeichnen.

Chinarindenbaum

Herstellung früher und heute …

Noch bis zum 2. Weltkrieg wurde das Tonic Water ausschließlich aus Extrakten der Chinarinde hergestellt, die zum Großteil aus Indonesien bezogen wurde. Dies führte schon früh zu Versorgungsengpässen durch Territorialstreitigkeiten und kriegerischen Auseinandersetzungen. Schnell musste eine Alternative her!
Amerikanische Wissenschaftler fanden schnell einen Weg, Chinin auch synthetisch herzustellen, um die Versorgung der Truppen sicher zu stellen. Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Schnell stellten die Tonic Water Hersteller auf synthetisches Chinin um. Die Beschaffung war einfach und preisgünstig wie nie zuvor. Noch heute ist Chinin neben Zucker und Wasser eine der Standardzutaten des Tonic Water.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Chinin im Tonic Water vom obligatorischen Muss zum traditionellen Zusatz. Die Chinin-Gehalte wurden gesenkt und schnell war ein Kultgetränk geboren, welches noch heute von einem der Pioniere der Tonic Water Herstellung angeführt wird: der Marke Schweppes. Schweppes wurde bereits 1831 zum britischen Hoflieferant für Soda Wasser ernannt. 1870 wurde das erste Schweppes Indian Tonic abgefüllt. 

Chinin

Von Malaria bis GINspiration und »Tonic Wheel« des 21. Jahrhunderts

Ganz unabhängig von der Malariaprofilaxe, entwickelte sich im britischen Kolonialgebiet eine heimliche Vorliebe und eine zunehmende Zweckentfremdung für das einst sehr nützliche Tonikum. Die Mischung des bitter-süßen Sodawassers mit Gin, welcher in den britischen Kolonien zur Standardausrüstung gehörte, fand immer mehr Liebhaber. Diese Vorliebe war bis ins britische Königsgaus zu verfolgen. Der Gin-Tonic galt schon früh als Lieblingsgetränk der Queen Mum.

Der Erfolg war absehbar. Die Marke Schweppes expandierte stark. 1958 wurde Schweppes auch in Deutschland eingeführt und führte zu einem regelrechten Hype auf das Bittergetränk. Zahlreiche Hersteller sprangen auf das Pferd auf und bilden heute ein nahezu unüberschaubares Angebot aus Bitterlimonaden, welche alle unter dem Begriff Tonic Water verkauft werden. Der Gin-Tonic ist vom britischen Königshaus zum Mittelpunkt der Barszene geworden. Insbesondere in Deutschland hält der Gin-Trend weiter an, was das Einfallsreichtum der Tonic-Produzenten stetig neu beflügelt. 

Wer heute eine Gin-Tonic Bar betritt, wird von Kombination-Matrizen und Tonic Wheels begleitet. Die nötige GINspiration holt man sich zu Hause über zahlreiche Gin-Blogs und Erfahrungsberichte. Von daher ist es nur schwer absehbar, wie weit wir noch gehen können. Interessant zu beobachten ist der Wandel und die Rückbesinnung beim Tonic Water zu traditionellen und natürlichen Zutaten. Wer heute mal wieder ein Tonic Water mit echtem Chinarindenextrakt probieren möchte, kommt bei dem Koldbrew-Tonic von Philosoffee auf seine Kosten. Q Tonic Water aus Brooklyn setzt in den USA Maßstäbe mit natürlichem Chinin von handgepflückter Chinarinde aus Peru.

 

Kommentare sind geschlossen, abertrackbacks und Pingbacks sind offen.