Unterschiede zwischen Schimmel und Zigarrenblüte.

Von weißem Flaum. Und von Milben und Käfern.

Nahezu jedem Zigarrenraucher ist es schon einmal passiert: Er öffnet den Humidor oder eine Zigarrenkiste – und der Anblick seiner »Braunen« versetzt ihn nicht in Verzückung, sondern eher in Grausen, ja in Panik. Die Zigarren sind mit einem weißen Flaum, kristallartigen Partikeln oder grünlichem Geflecht besetzt. Vielleicht kriechen aber auch kleine weiße oder etwas größere braune Krabbeltiere um die und auf den Zigarren herum. Dafür kann es manch unappetitliche Ursache geben. Humidor-Experte Marc André erklärt, was es mit diesen Überraschungen auf sich hat …

Marc André, HumidorWeiße, auch grüngelbe Ausblühungen auf der Zigarrenoberfläche haben dem einen oder anderen Aficionado schon so manche Schweißperle auf die Stirn getrieben. Nicht selten wird vom Entsorgen eines gesamten betroffenen Zigarrenbestands berichtet – schließlich seien die Zigarren ja verschimmelt und damit nicht mehr rauchbar gewesen. Richtig – sofern es sich wirklich um Schimmel gehandelt hat.

Tatsächlich ist das aber ganz selten der Fall. Fast immer handelt es sich bei den weißlichen Punkten um Ausblühungen, die als Zigarrenblüte oder auch als »Plume« bezeichnet werden. Im folgenden werden wir uns etwas ausführlicher mit der Zigarrenblüte beschäftigen und damit sichere und eindeutige Unterscheidungsmerkmale zum Schimmel aufzeigen.

Die Chemie der Zigarrenblüte

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Interpretationen, was genau die Zigarrenblüte ist. Insbesondere auf amerikanischen Websites liest man neben halbwegs richtigen auch sehr skurrile Meinungen. Da ist dann von »ausgeschwitztem Traubenzucker« oder »ausgefällten Stärkeflocken«, von »Tabakölen, die an der Oberfläche trocknen und kristalline Strukturen bilden« oder von »Abbauprodukten der Nachfermentierung des Tabaks« die Rede.

Die chemische Analyse der Zigarrenblüte jedoch zeigt etwas anderes – und zugleich etwas recht Erstaunliches. Es gibt nämlich zwei verschiedene Arten der Zigarrenblüte, die sich auch in ihrer chemischen Grundstruktur unterscheiden.

Die eine Art tritt immer dann auf, wenn die relative Feuchte im Humidor absinkt, während die andere speziell dann zum Vorschein kommt, wenn die relative Feuchte im Humidor zu schnell erhöht wird, zum Beispiel in der ersten Woche nach Befüllen des (passiven) Befeuchtungssystems.

Sinkt die relative Feuchte im Humidor für längere Zeit ab, so ist der an sich hygroskopische Tabak noch feuchter als die ihn umgebende Luft. Physikalisch gesprochen liegt der Wassergehalt des Tabaks oberhalb der Sorptionsisotherme, gibt also so lange Feuchtigkeit ab, bis sich ein Gleichgewicht zwischen Wassergehalt des Tabaks und der ihn umgebenden Luft einstellt.

Wird der Luft nun nicht (durch einen Befeuchter) Feuchtigkeit zugeführt, so fungiert die Zigarre als »Luftbefeuchter« – sie wird immer trockener. Das Wasser transportiert nun auf seinem Weg zur Verdunstung an der Zigarrenoberfläche nicht nur sich selbst, sondern auch gelöste Mineralien und Salze. Diese Mineralien und Salze treten im gelösten Zustand durch das Deckblatt an die Oberfläche der Zigarre. Die Folge: Das Wasser verdunstet, und es bleiben die Mineralien (respektive Salze) sichtbar auf dem Deckblatt zurück.

Besonders bei Zigarren, deren Tabake auf stark mineralreichen Böden angebaut worden sind, ist dieser Umstand von Bedeutung, da hier die Ausblühungen ganz unglaubliche Ausmaße annehmen können und auch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten.

Das Spektrum reicht vom weißen, fadenartigen Geflecht bis hin zu schwefelblumenartigen Ausblühungen, die nur schwer entfernt werden können.

Zigarrenblüte
Punktuelle Ausblühungen.

 

So einfach die Begründung für das Auftreten der mineralischen Zigarrenblüte beim Austrocknen des Tabaks ist, so komplexer ist die Erklärung der Zigarrenblüte, wenn die Umgebungsfeuchte rasch ansteigt, da physikalisch ja genau das Gegenteil des oben beschriebenen Sachverhalts vor sich geht. Salzablagerungen können es also nicht sein. Und tatsächlich haben die beauftragten Labors bei dieser Art der Zigarrenblüte keine Salze nachweisen können. Auch der Hinweis auf Zucker oder Stärke hat sich nicht bestätigt. Auffallend ist der leicht bittere Geschmack der Ausblühungen (man muss alles einmal probiert haben).

Zigarrenblüte
Schwefelblumenartige, mit dem Deckblatt verwachsene Ausblühungen.

Bei den Ausblühungen, die aufgrund steigender relativer Feuchte auftreten, handelt es sich offensichtlich primär um Proteine – allerdings konnten die Labors die Herkunft bzw. den Entstehungsprozess dieser Zigarrenblüte nicht eindeutig identifizieren. Osmose, Verdunstung, Kristallisation – all diese meßbaren und nachvollziehbaren Prozesse scheiden aus.

Blütengeflecht, Zigarrenblüte
Flaumartige Ausblühungen.

Ein spezifisches Problem der Analyse: Die Zigarrenblüte, die durch Feuchteanstieg entsteht, »wächst« viel langsamer als die Blüte durch Austrocknen der Zigarre. Zudem: Um sie zu analysieren, bedarf es einer äußerst aufwendigen Laboruntersuchung.

Eines aber ist auszuschließen: Es handelt sich bei der durch Feuchteanstieg bedingten Zigarrenblüte weder um kristallisierte Öle noch um Abbauprodukte einer Nachfermentation (dazu müsste der Zigarre Wärme zugeführt werden), sondern um einen Eiweißstoff. Das erklärt auch den unangenehmen Geruch, wenn Sie eine in »Blüte« stehende Zigarre anzünden – was Sie übrigens niemals praktizieren sollten, selbst wenn in einigen amerikanischen Publikationen das »Blüte-Rauchen« als »hip« angesehen wird. Es schmeckt einfach nicht.

Leider lassen sich die beiden Arten der Zigarrenblüte optisch nicht voneinander unterscheiden. Selbst unter dem Mikroskop sehen die Strukturen sehr ähnlich aus. Sowohl geflechtartige Umhüllungen als auch leicht abwischbare, verstreute weiße Punkte (von kristallin bis flauschig-weich), als auch mit dem Deckblatt verwachsene, schwefelblumenartige Ausblühungen treten in beiden Fällen der Zigarrenblüte auf.

Welcher Art nun die Zigarrenblüte auch sein mag: Sie wischen die Ausblühungen mit einem weichen Pinsel ab und prüfen gewissenhaft die relative Feuchte im Humidor. Je konstanter sie ist, desto geringer ist die Neigung der Zigarre zum Ausblühen.

Viel wichtiger, als die einzelnen Arten der Zigarrenblüte zu erkennen, ist die Unterscheidung zwischen Zigarrenblüte und Schimmel.

Tabakschimmel

Schimmel tritt verhältnismäßig selten im Humidor auf und dann auch nur, wenn die relative Feuchte mehrere Wochen bei nahezu 80% oder sogar darüber liegt. Die Temperatur hat hierbei einen geringen Einfluss. Entgegen der landläufigen Meinung, eine höhere Temperatur (etwa 25 bis 30° C im Sommer) begünstige das Schimmelwachstum, ist es genau umgekehrt: Je kühler die Umgebung, desto schneller wächst der Schimmel (wie man auch gut beim Käse im Kühlschrank beobachten kann).

Der auftretende Schimmel kann, neben einer zu hohen relativen Feuchte im Humidor, seine Ursache in eingeschleppten Schimmelsporen haben (in der Regel zurückzuführen auf Lebensmittel). Der dann auftretende Schimmel ist meist einer der Art Aspergillus. Zwar wächst dieser Schimmel vorzugsweise auf stärkehaltigen Lebensmitteln, fühlt sich aber auch auf feuchten Wänden im Haus wohl. Auf der Zigarre finden sich dagegen Arten des Aspergillus, die als Nährboden Salz- und Stickstoffquellen bevorzugen. Der Zusammenhang ist offensichtlich: Wenn die aus kristallisierten Salzen und Mineralien bestehende Zigarrenblüte nicht von der Zigarre entfernt wird, bildet sie einen idealen Nährboden für Schimmel.

Villy Alvero, Zigarrenkunde, SchimmelDer eigentliche Tabakschimmel (Oespora tabaci)  kommt auf Zigarren im Humidor äußerst selten vor und tritt nur bei ganz akuter Überfeuchtung in Zusammenhang mit Stockflecken und muffigem Geruch auf. Für einen Laien ist dieser Schimmel aber nicht vom klassischen Lebensmittelschimmel zu unterscheiden.

Schimmel tritt immer punktuell auf, hat einen Kern und einen Vorhof, ist weiß oder schwarz, grau oder grünlich. Er kann leicht vom Deckblatt entfernt werden, hinterläßt aber im Gegensatz zur Zigarrenblüte meist einen Fleck oder eine Farbveränderung an der betroffenen Stelle. Da die Zigarrenblüte weiß ist, kommt es häufig zu Verwechslungen und zum versehentlichen Entsorgen der Zigarren.

Die einzig sichere Methode, Schimmel von der Zigarrenblüte zu unterscheiden, ist die Untersuchung unter einem hochauflösenden Mikroskop.

Wenn die Ausblühungen fadenartig oder wie spitze Nadeln aussehen, dann handelt es sich um die Zigarrenblüte. Hat die Substanz jedoch die Gestalt von Stecknadelköpfen, handelt es sich um Schimmel (da sich die Schimmelsporen in den Köpfen befinden). Egal, welche Schimmelart auf einer Zigarre auftritt – sie ist nicht mehr zu genießen und muss entsorgt werden.

Häufig wird als Unterscheidungsmerkmal zwischen Zigarrenblüte und Schimmel der Sachverhalt angeführt, Schimmel könne nicht rückstandslos entfernt werden, wohl jedoch die Zigarrenblüte. Dem ist nicht so. Auch die Zigarrenblüte kann mit dem Deckblatt der Zigarre fest verwachsen, ja sogar, im Extremfall, das Deckblatt stark beschädigen.

Falls Ihre Zigarren ausblühen bzw. einen weißen Flaum flächig oder punktuell verteilt aufzeigen, gehen Sie bitte wie folgt vor:
  • Bürsten Sie die Zigarren mit einem weichen Pinsel ab und entfernen Sie die weißen Rückstände restlos, da sie ein Keimboden für Schimmel sind.
  • Lassen sich die Ausblühungen entfernen, ohne dass ein Fleck an der betroffenen Stelle verbleibt, dann handelt es sich um Zigarrenblüte.
  • Sind die Ausblühungen grünlich, blaugrau oder schwarz und verbleibt nach dem Abwischen an der betroffenen Stelle ein Fleck, dann sollten Sie die Zigarren entsorgen.
  • Verwechseln Sie jedoch nicht Farbabweichungen im Deckblatt der Zigarre mit Schimmel. Auch bei ganz frischen Zigarren sind oft kleine grüne Punkte auf dem Deckblatt zu erkennen, die sich nicht entfernen lassen. Hierbei handelt es sich um eine harmlose Verfärbung des Deckblatts, die davon herrührt, dass der Rohtabak während seiner Fermentation versehentlich Wasserspritzer abbekommen hat, weshalb dann an diesen Stellen der Fermentationsprozess nicht vollständig wirksam gewesen ist.
Verfärbung Zigarren Deckblatt
Kein Schimmel, sondern lediglich eine Farbveränderung auf dem Deckblatt.

 

  • Prüfen Sie die Feuchte im Humidor. Ist die relative Feuchte im Humidor konstant oder schwankt sie? Schwankende Feuchte ist meist der Grund für eine verstärkte Ausblühung. Sorgen Sie für eine konstante relative Feuchte – am sichersten ist das mit einem elektronisch geregelten Befeuchtungssystem möglich.

Wenn Ihre Zigarren tatsächlich verschimmelt sein sollten, dann muss neben der Entsorgung der befallenen Zigarren der Humidor äußerst gründlich gereinigt werden. Immer wieder ist davon zu lesen, ein Humidor sollte nach Schimmelbefall wenn nicht mit Alkohol, so doch mit Essig ausgewischt werden. Was es damit auf sich hat, wird weiter unten erklärt. Zunächst geht es um die Frage, was Sie erreichen wollen. Bei der Schimmelbeseitigung gibt es unterschiedliche Zielsetzungen:

  • Verhindern der weiteren Ausbreitung des Pilzmyzels
  • Verhindern einer umfangreicheren Sporenbildung
  • Tatsächliches Entfernen des Schimmelbelags am Holz des Humidors (durch Abschleifen)
  • Zerstörung der Sporen, sodass sie biologisch nicht mehr aktiv werden können (sporizide Wirkung)
  • Wenn Sie mit hochprozentigem Alkohol (Isopropylalkohol) den Schimmel aus dem Humidor wischen, dann lösen Sie lediglich die Schimmeloberfläche ab. Auf glatten Flächen mag das ausreichen, doch in einem Humidor mit poröser Holzoberfläche können Sie sich diese Mühe sparen. Alkohol hat keine sporiziden, also schimmelvernichtenden Eigenschaften. Daher gehört solch eine Aktion in den Bereich der überflüssigen Handlungsweisen.

Das Auswischen mit Haushaltsessig ist ebenfalls Unsinn. Die bakterizide Wirkung von Essigsäure verändert lediglich den pH-Wert, wodurch physiologische Prozesse unterbunden werden. Gegen Schimmel wirkt Essig überhaupt nicht.

Wirklich vernichtet werden kann Schimmel nur mit Hilfe der Chemie. In Frage kommen die Sporizide Wasserstoffperoxyd, Peressigsäure und Natriumhypochlorid sowie, als Fungistatikum, sogenannte quartäre Ammoniumverbindungen (wobei letzteres die Schimmelbildung lediglich zum Stillstand bringt).

Die Probleme mit dem Schimmel im einzelnen:
  • Wischen Sie Ihren Humidor mit Wasserstoffperoxyd (35 %) aus, dann wird er innen weiß, weil Wasserstoffperoxyd ein starkes Bleichmittel ist und das im Holz enthaltene Lignin ausbleicht. Zudem ist die Substanz ziemlich aggressiv und ätzend und für den Laien in der Anwendung mit Gefahren verbunden. Mit einer geringprozentigen Lösung (etwa 3 %), die man auch zum Gurgeln verwendet, brauchen Sie allerdings gar nicht erst anzufangen. Sie wirkt nicht sporizid, sondern nur desinfizierend.
  • Peressigsäure ist stark haut- und augenreizend und zudem als Bleichmittel für die Anwendung im Humidor mit den gleichen Problemen behaftet wie das Wasserstoffperoxyd. Das ist auch kein Wunder, wird doch die Peressigsäure mit Hilfe von Wasserstoffperoxyd hergestellt. Allerdings ist diese Säure so instabil, dass sie nicht gelagert werden kann und folglich frisch hergestellt werden müsste – also vergessen wir auch dieses Mittel.
  • Natriumhypochlorid ist die sogenannte Chlorbleichlauge und in chlorhaltigen Haushaltsreinigern enthalten. Nachteil: Es riecht extrem stark nach Chlor, ist ätzend und greift die Schleimhäute an. Folglich lassen wir auch davon lieber die Finger.
  • Quartäre Ammoniumverbindungen werden in vielen Schimmelsprays eingesetzt und sind als »kationische Tenside« auf der Verpackung kenntlich gemacht. Allerdings wirken diese Tenside nicht sporizid, töten den Schimmel demnach nicht gänzlich, sondern sind lediglich fungistatisch, das heißt pilzhemmend. Auch diese Sprays haben im Humidor nichts zu suchen.

Doch auch ohne die Anwendung chemischer Produkte kann dem Problem Schimmel begegnet werden. Es macht lediglich mehr Arbeit …

Lassen Sie den Humidor zunächst einige Tage offen stehen und austrocknen (allerdings an einem Ort, an dem Sie die Schimmelsporen nicht einatmen). Am besten fönen Sie den Humidor schön warm aus, denn Pilzmyzele sterben bei circa 50 ℃ ab. Dann wird der Humidor mit 120er Schleifpapier komplett und gründlich ausgeschliffen und während des Schleifvorgangs stetig ausgesaugt. Tragen Sie bei dieser Arbeit unbedingt einen Mundschutz und führen Sie sie am besten im Freien durch. Es empfiehlt sich, die Saugdüse des Staubsaugers mit Klebeband zu verengen, sodass Sie maximale Saugkraft erreichen. Die Ecken und Kanten des Humidors sollten besonders sorgfältig ausgekratzt werden.

Optimal ist es, wenn der Humidor anschließend eine neue Auskleidung aus Spanischem Zedernholz erhält; eine Stärke von ca. 4 mm reicht vollkommen aus. Sollte der Humidor im Inneren mit massivem Spanischem Zedernholz ausgestattet sein, dann ist diese zusätzliche Auskleidung nicht zwingend erforderlich. Ist der Humidor dagegen innen nur dünn furniert (das ist meist am Boden der Fall), dann bleibt nach dem Ausschleifen von dem ohnehin schon hauchdünnen Furnier so gut wie nichts übrig; es sollte zumindest eine neue Bodenplatte in den Humidor eingesetzt werden. Nach dieser »Kur« ist Ihr Humidor wieder »aufnahmebereit«.

Milben, Käfer und anderes Kleingetier

Mindestens ebenso erschreckend und nicht weniger eklig als Schimmel auf Zigarren ist das Erscheinen von krabbelndem Getier im Humidor. Dabei gibt es zwei deutlich zu unterscheidende Arten: sehr kleine, ca. 0,5 bis 1 mm große, weiß-milchige, krabbelnde Punkte, meist nicht einzeln, sondern in der Gruppe auftretend, sowie ca. 2 bis 4 mm lange, ovale, braunrot bis braungelb gefärbte und dicht grau behaarte Krabbelkäfer.

Bei dem milchig-weißen Krabbelgetier handelt es sich um die sogenannte Pflaumenmilbe – eine häufig vorkommende Hausstaubmilbe, die aber ungefährlich für die Zigarre ist, da sie sich primär von Pilzen (also Sporen und Myzel) ernährt.

Die Pflaumenmilbe entwickelt sich bei Temperaturen zwischen 3 und 34 ℃ bei einer Luftfeuchte von mehr als 60 %. Also ist für dieses Lebewesen ein Humidor der ideale Lebensraum. Zwar ist die Milbe an sich für die Zigarre nicht schädlich, doch da sie sich von Schimmel ernährt, gestaltet sich das Ganze recht unappetitlich.

Selten treten diese Tierchen in Zigarrenkisten einzeln auf, sondern meist als kleine Kolonie, die lediglich die Oberfläche der Zigarren besiedelt. Das sieht zuweilen recht spektakulär aus. Aufgrund des fast ausschließlich »massenhaften« Auftretens der Milben wird vermutet, dass beim Verpacken der Zigarren kleine Gelege der Milbe mit dem Einschlagpapier der Zigarrenkiste in das Behältnis geraten, sich dort entwickeln und ausschlüpfen.

Bei Milbenbefall bürsten Sie die Tiere einfach mit einem Pinsel von den Zigarren ab – wischen Sie die Kiste sorgfältigst aus und prüfen Sie, ob eventuell Schimmelbefall vorliegt.

Meine ›Partagás Limitadas‹ von 2001 beispielsweise hatten einen ganz extremen Milbenbefall. Selbst mehrmaliges Abbürsten der Milben, das Einfrieren der Zigarren (in der Kiste) bei minus 24 ℃ – nichts hat geholfen, obwohl die Pflaumenmilbe empfindlich auf niedrige Temperaturen reagiert. Immer wieder sind diese Viecher von neuem aufgetaucht. Woher sie kamen, wohin sie gingen – ein Rätsel. Nach wiederholtem wöchentlichen Abbürsten war dann irgendwann Ruhe – seitdem sind auf diesen Zigarren zum einen keine Milben mehr aufgetreten, zum anderen weisen sie weder Löcher noch sonst einen Schaden auf.

Also keine Panik bei Milbenfall. Zwar könnte man die Pflaumenmilbe auch mit chemischen Mitteln bekämpfen, wie etwa mit gasförmigen Akariziden (z.B. Kohlendioxid, Phosphorwasserstoff, Stickstoff, Sulfuryldiflourid), aber das wäre dann doch etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Zigarrenkäfer

Wenn Sie statt weißen laufenden Punkten kleine braune Käfer im Humidor oder in der Zigarrenkiste entdecken, dann ist höchste Alarmstufe angesagt. Denn dann haben Sie den Lasioderma serricorne L. als Mitbewohner im Humidor bzw. in der Zigarrenkiste. Und das ist insoweit unangenehm, als sich die Larve des Tabakkäfers von Tabak ernährt und die Zigarren regelrecht in Blockflöten verwandelt.

Willy Alvero, Zigarrenkunde, Zigarrenkäfer

Junge Larven des Tabakkäfers sind gelblich, behaart und ziemlich fix unterwegs. Ältere dagegen werden bis zu 4 mm groß, sind weißgelblich und bewegen sich recht wenig. Je nach Temperatur und Nahrungsangebot dauert die Entwicklung von der Junglarve bis zum Käfer zwischen 70 und 120 Tagen. Die Larven können sich nur deshalb auf und im Tabak vermehren, weil sie mit Hilfe von sogenannten »Symbionten« im Darm Nikotin abbauen, also in der Lage sind, sich selbst zu entgiften.

Tabakkäfer, Fresslöcher auf der Zigarre

Fraßlöcher in einer vom Tabakkäfer befallenen Cigarre
Frasslöcher in einer vom Tabakkäfer befallenen Zigarre.

Zunächst einmal ist alles ganz harmlos, denn da ruhen die Puppen des Käfers in einer Art Kokon, der aus mit Speichelsekret zusammengeklebten Tabakteilchen und Kotpartikeln besteht. Dieser Kokon wird von der Larve erst kurz vor der Verpuppung gebildet. Doch wehe, wenn sie »losgelassen« wird. Ist das der Fall, treiben diese üblen Zeitgenossen ca. 1,5 Monate ihr Unwesen. Der erwachsene Käfer hat dann eine Lebensdauer von etwa 6 Wochen. Glücklicherweise erzeugen diese Tiere nur eine Generation an Nachkommen pro Jahr.

Zigarren mit Fraßlöchern im Deckblatt können Sie nur noch entsorgen, während Sie Zigarren ohne Beschädigungen in eine zuvor gesäuberte Kiste packen, in eine Plastikfolie stecken und für mehrere Tage einfrieren.

Der Käfer und die Larven sind temperaturempfindlich: Zum einen sterben die Larven bei einer Temperatur von unter 10 ℃ ab, zum anderen kann sich der Käfer nur bei Temperaturen über 20 ℃ vermehren.

Wollen Sie ganz sichergehen, dass nach dem Einfrieren und Auftauen der Zigarren tatsächlich kein Käfer bzw. dessen Larve überlebt hat, bleibt nur eine Möglichkeit: die in Folie eingeschweißte Zigarrenkiste anschließend noch 3 bis 4 Wochen in den Kühlschrank legen. Wichtig ist jedoch auf jeden Fall eine längere Kältephase unter 10 ℃, um die Larven sicher abzutöten, denn bloßes kurzzeitiges Einfrieren (3 bis 4 Tage) tötet zwar den Käfer, reicht aber zur Vernichtung der Larven nicht aus.

Ganz unsinnig ist auch die (leider) weitverbreitete Meinung, eine gekühlte Lagerung der Zigarren bei ca. 18 ℃ schütze vor dem Tun des Tabakkäfers. Gewiss – bei dieser Temperatur vermehrt er sich zwar nicht, die Larven jedoch fressen weiterhin fröhlich Löcher in die Zigarren.

Um bereits bei der Produktion Zigarren vor Käferbefall zu schützen, werden in den Zigarrenfabriken Pheromon- und UV-Lichtfallen eingesetzt. Außerdem wird zur Schädlingsbeseitigung auch Phosphorwasserstoff eingesetzt. Dennoch frostet jeder qualitätsbewußte Importeur grundsätzlich alle eintreffenden Zigarren und bietet somit ein hohes Maß an Sicherheit vor Tabakkäferbefall. Auch eine mit 30 bis 40 bar Hochdruck durchgeführte Durchdringung der Zigarren mit Kohlenstoffdioxyd ist ein wirksames Mittel zur Abtötung des Käfers, wobei dieses Verfahren in der Tabakindustrie allerdings eher selten eingesetzt wird.

Anders verhält es sich bei selbstimportierten Zigarren oder bei Zigarren mit zweifelhafter Herkunft aus dem Ausland. Hier ist ein Käferbefall durchaus im Bereich des Möglichen – und jeder Aficionado sollte sich gut überlegen, ob er dieses Risiko eingehen möchte.

Fazit

Zigarrenblüte und weiße Milben sind zunächst unkritische, aber dennoch unangenehme Begleiterscheinungen der Zigarrenlagerung, die aber beseitigt werden können (und sollten). Wirklich durchgreifend und konsequent handeln müssen Sie bei Schimmelbefall und bei Auftreten des Zigarrenkäfers im Humidor, um große und auch zukünftige Schäden zu vermeiden.

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