Whisky meets Gin.

Seit ein paar Jahren ist bei einigen schottischen Destillen ein Trend zu beobachten: Man produziert nicht nur Whisky, sondern mehr und mehr auch Gin!

Macht von zwei Gesichtspunkten aus auch Sinn, denn zum einen erfährt Gin derzeit eine populäre Renaissance, zum anderen versorgt es die Destillen mit einem stabilen Cash-Flow: anders als Whisky muss Gin nicht gelagert werden, sondern kann ad hoc nach der Destillation abgefüllt und auf den Markt geworfen werden – gerade wichtig für das Überleben junger Destillen! 

Die Ergebnisse der Gin-Produktionen sind mehr als erfreulich – Anlass genug für mich, Euch einige interessante Destillen vorzustellen, die neben den klassischen Whisky-Führungen auch Gin- Tours anbieten.

1. Strathearn Distillery, Methven, Bachilton Farm Steading, Scotland

Heute kommt das – für mich – Beste mal nicht zum Schluss, sondern als appetitanregender Opener: Strathearn, eine junge »Micro Distillery« produziert neben Whisky seit Anbeginn eine Auswahl hochwertiger und bereits prämierter Gins (mein Favorit ist der blumig-würzige Heather Gin) in traditioneller, handwerklicher Weise.

Heather Gin, Strathearn Distillery

Bei Starthearn werden dem Besucher eine Reihe sehr guter Führungen angeboten, auch eben eine spannende »Gin Lover Experience«-Tour.

Ja, liebe Genussfreunde, ich weiß, es gibt preisgünstigere Führungen und mit Sicherheit auch kompaktere! Aber wer sich auf diese halbtägige Spezial Tour einlässt (ca. 4,5 Stunden), wird mit einem Erlebnis der besonderen Art belohnt!

Der umfassende, sehr detaillierte Rundgang durch die Produktion, begleitet von einem der charmanten Tourguides und einem erfrischenden Gin Tonic mündet in ein ausschweifendes Tasting der hauseigenen Gins mit anschliessender »Unterweisung« zur Kreation origineller Gin-Cocktails sowie interessanter Tonic-Pairings.

Ausserdem kann man mithilfe des Strathearn Basic Gin und einer guten Portion lokaler Botanicals seinen eigenen »Signature« Gin herstellen!!

Was für ein ausschweifender Spass für alle Teilnehmer – fahren sollte man danach allerdings nicht mehr.

Der Besuch dieser äusserst sympathischen Destille ist für Gin Lover somit ein absolutes »Must Do«!

Vorbuchen!

2. Eden Mill Distillery, St. Andrews, Scotland

Bei Eden Mill, nahe dem berühmten Golf-Mekka St. Andrews, kommt alles Gute zusammen: Man produziert Bier, Whisky UND Gin!

Eden.Mill, St. Andrews

Bei meinem Besuch war leider keine offizielle Führung möglich, aber nach einem kurzen Schwätzchen mit einem der ambitionierten Mitarbeiter im Distillery Shop war dieser bereit, uns einen kurzen Blick in die »heiligen Hallen« zu gewähren.

Eden Mill Destille, Oak GinMehr als bereitwillig lieferte er uns einige umfassende Informationen. Man fachsimpelte, plauschte, scherzte und krönte das Ganze noch mit einer kleinen Verkostung – ein tolles, spontanes Erlebnis!

Bei der regulären Führung (ca. 1,5 Stunden) bekommt man als theoretischen Part sämtliche Produktionswege der Produktpalette sowie die Besonderheiten der Ingredienzien ausführlich erklärt. Natürlich gibt es als Abschluss standesgemäss eine Verkostung, somit wäre auch der Praxis gehuldigt.

Gern darf man auch im angrenzenden Destillerie Shop zuschlagen. Ich empfehle den nachgereiften »Oak Gin«, eine samtweiche, vollmundige Köstlichkeit.

Auch hier sind Vorbuchungen empfehlenswert!

3. Kingsbarns Distillery, St. Andrews, Scotland

Auch bei dieser recht jungen Destillery liegt der Focus neben den Abfüllungen der Wemyss Malts sehr deutlich auf dem hauseigenen Darnley’s Gin.

Bis vor kuzem wurde dieser noch in London produziert, nun steht die Brennblase im eigenen »Gin Still house« auf dem Gelände der Destille – und läuft und läuft und läuft – mit grossem Erfolg!!

Offizielle Gin-Führungen sind ab diesem Sommer möglich, wir waren etwas zu früh dran, daher war mir nur ein kurzer Einblick möglich.

Kingsbarn Distillery

Die »Discover Darnley’s«-Tour nimmt Euch mit in die Landschaft der Halbinsel Fife, in das Stillhouse, lässt Euch die Geschichte des Gins erfahren, erzählt etwas über die spezifischen Botanicals und serviert Euch am Ende natürlich auch den »Spirit« dazu.

Vorbuchen ist nicht zwangsläufig nötig, es werden täglich 3 Touren angeboten (von Mai bis September).

Übrigens: Im hauseigenen Café/ Bistro sollte man unbedingt eine Kleinigkeit snacken. Suppen und Kuchen sind hausgemacht, wie von Grandma … hmmm, yummy!

4. Harris Distillery, Tarbert, Isle of Harris, Scotland

Zugegeben, man ist weit draussen und ab vom Schuss, aber ein Besuch der Hebriden Insel Harris ist dennoch unbedingt empfehlenswert – nicht zuletzt wegen ihrer atemberaubenden Landschaft.

Und wenn man schon mal da ist, so schaut man auch bei der ortsansässigen Destille vorbei – genau wie wir es auch taten.

Harris distillery

Während deren Whisky noch ein wenig Zeit braucht, das Licht der Welt zu erblicken, ist der Gin dieser sehr modernen Destille bereits schon sehr präsent.

Die Führung dauert ca. 1,5 Stunden, man erkundet den Kern der Produktion von Whisky und Gin, alles sehr herzlich dargeboten und detailliert erklärt.

Besonders erwähnenswert finde ich eine Grundzutat des Harris Gin, den lokalen »Sugar Kelp«: eine Algenart, die von hauseigenen Tauchern vor Ort abgeernet wird und diesem Gin eine unverwechselbar maritime Note gibt.                                                                      

Harris Gin

Als finale Abrundung des Rundgangs erfolgt die obligatorische Verkostung des Gins, sowie des New Spirit (ist ja noch kein Whisky, aber ich glaube auch da kommt etwas Schönes auf uns zu).

Falls man im Distillery Shop stöbert, sollte man unbedingt den Tee aus den Harris Gin Botanicals mitnehmen, der ist schlichtweg ein Knaller.

Auch hier empfiehlt es sich, die Führung vorzubuchen.

5. Bruichladdich Distillery, Port Charlotte, Isle of Islay, Scotland

Ich weiß, ich weiß, nach Islay reist man wegen der unvergleichlichen Whiskies … aber warum sich nicht mal in ein Abenteuer stürzen und mal eine Gin-Führung als Alternative buchen?

Schließlich bekommt man bei der progressiven »Laddie« Distillery beides geboten: Nicht nur der Whisky, auch der »Botanist Gin« genießt mittlerweile Kultstatus.

Ugly Betty Still

Und ganz ehrlich, allein der Anblick von »Ugly Betty« ist Gold wert. Gemeint ist die Brennblase, auf der dieser Gin destilliert wird, eine alte Lomond Still, von denen  in Schottland nur noch eine Handvoll existiert.

Wie schön, die alte Lady noch in Aktion zu sehen!

Aber natürlich geht es bei der Gin-Führung auch um die 22 lokalen Botanicals, die dem »Botanist« seinen ganz eigenen Charakter gibt.

Bei der abschliessenden Verkostung spielt man mit diversen Tonics, probiert überraschende Cocktail-Varianten aus, verkostet selbst die neutrale Basis-Spirituose und wer dann noch nicht rundum glücklich vom Destillen-Hof wankt, ja – dann schiebt man einfach noch eine Whisky-Führung hinterher!

The-botanist-gin

Die perfekte Kombi an einen wundervollen Ort: Die Insel Islay!

Vorbuchen mussten wir hier noch nie, die supernetten Mitarbeiter sind immer gewillt, Dich noch schnell in eine Führung reischlüpfen zu lassen.


Also, liebe Genussmenschen, geht ins Land des »Uisghe beatha« und probiert dort unbedingt … auch mal einen GIN!

Ich als eingeschworene Whisky-Geniesserin hatte jedenfalls sehr viel Freude daran, über den Gläserrand zu schauen!

 

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