Whisky & Zigarren

Einer gegen 4.

Wenn Helmut Knöpfle, seines Zeichens Spirituosenspezialist und vor allem Whiskykenner und -liebhaber, noch einen Koffer in Berlin hat, befinden sich sicher auch ein paar ausgezeichnete Whiskys darin. Zu Hause ist der sympathische Connaisseur eigentlich im Süden der Republik, in Bayern – das verrät sein angenehmer Akzent, den er auch in der Hauptstadt nicht ablegt, sofort.

Er begrüßt eine Verkosterrunde und verrät nach kurzer Einleitung: »Ob ein Brand 38 Vol.-% hat oder über 50, ist egal. Der Rest ist Wasser, und das Wasser ist verantwortlich dafür, dass wir am nächsten Tag Kopfschmerzen bekommen, wenn wir zu tief ins Glas geschaut haben!«

Die geladenen Gäste spüren, dass hier Humor auf Fachwissen trifft. Denn abseits von solchen Schoten vermittelt Knöpfle kurzweilig und kompetent sein Wissen. Selbst der eingefleischteste Zigarrenraucher wartet geduldig das Tasting ab, bis er sich seine braune Geliebte ansteckt. Denn Knöpfle besteht darauf, dass die Whiskys erst solitär degustiert werden, damit die feinen Nuancen der edlen Brände wahrgenommen werden können.

Angereist ist unser Gast aus dem Süden mit verschiedenen schottischen Whiskys und einem »Piraten« aus Japan. Verschiedene Zigarren wurden unter die Lupe genommen und mit den exklusiven Destillaten verkostet, wobei der japanische Whisky blind serviert wurde, um von den Teilnehmern erschmeckt zu werden.

In klassisch-englischer Atmosphäre trafen sich knapp 20 Aficionados, bei den ersten Sonnenstrahlen des heraneilenden Frühlings schimmerten die Brände, die Zigarren und später auch die Augen der Genießer um die Wette.

Die Getränke

Hibiki 12 YO, japanischer Whisky

HIBIKI 12 Years

43 Vol.-%

Der Pirat in der Verkostung wird nach einigem Herantasten als japanischer Whisky erkannt und durchweg gelobt. Die Lagerung in Umeshu-Fässern und eine Filtration durch Bambuskohle machen ihn sehr zugänglich. Amberfarben glänzend ruht er im Glas. Die Nase ist fast exotischer Natur, erkennbar sind Blüten, Ananas, Pflaume und Himbeere.

Der Geschmack ist weich und sanft, geprägt von Honigsüße und vanilliger Cremigkeit. Der Nachhall ist fruchtig, würzig und mittellang. Spätestens der Hibiki beweist, dass auch japanische Whiskys zu Zigarren passen können.

Glengarioch 12 YO Whisky

GLEN GARIOCH 12 Years

48 Vol.-%

Dieser klassische Highland-Single-Malt reift 12 Jahre in amerikanischen Weißeichefässern und spanischen Sherry-Casks. Seine Cremigkeit kommt durch den Non-Chill-Filtered-Prozess zustande. Er ist vollaromatisch und weich. Golden mit einem rötlichen Schimmer im Glas, duftet er nach Heidekraut, saftigen, süßen Birnen und Malz. Am Gaumen werden die Aromen noch komplexer. Hellfruchtige Caramellnoten einer Tarte Tatin und weiche Eichennoten nehmen den gesamten Mundraum ein und läuten einen warmen, langen Nachhall ein. Dieser Whisky eröffnet das Tasting grandios und freundet sich auch mit den verkosteten Zigarren durchweg an.

Auchentoshan Three Woods Whisky

AUCHENTOSHAN Three Wood

43 Vol.-% 

Die dreifache Destillation dieses Whiskys aus den schottischen Lowlands macht ihn sensorisch raffiniert, die Lagerung in drei verschiedenen Fässern gibt ihm seine Komplexität. Verwendet werden amerikanische Bourbon-, Oloroso- und Pedro-Ximenez-Fässer. Er ist dunkel, bronzefarben. In der Nase erinnert der »Three Wood« an dunkle Früchte und Rosinen, am Gaumen dominieren Caramell, Nüsse und süßliche Eiche. Trotz der immensen Komplexität ist der Abgang zwar naturgemäß lang, aber erfrischend und fruchtig. Für Zigarrenfreunde sehr zu empfehlen.

Glenfiddich 15 YO Whisky

GLENFIDDICH 15 YEARS Old Distillery Edition

51 Vol.-%

Glenfiddich ist eine der bekanntesten Whiskysorten weltweit und kommt aus der Region Speyside. Die »Distillery Edition« wird heute noch auf dieselbe Weise hergestellt wie schon vor 125 Jahren – ohne Finishing, vermählt nur aus den besten Fässern altersgleicher Whiskys und ohne Kältefiltrierung. Farblich tiefgolden wie herbstlich glänzende Gerstenkörner, der Duft erinnert an pfeffrige Vanille und Holz.

Er wird mit bemerkenswert hohem Alkoholgrad abgefüllt. Dies gibt ihm delikate blumige Noten, die sich elegant mit kräftigen würzigen und pfeffrigen Nuancen verbinden. Der lange, süßlich-sanfte Nachhall gefällt den Aficionados zu den Zigarren.

THE BALVENIE 21 Years Old Portwood

40 Vol.-%

Nomen est omen. Dieser 21 Jahre lang gereifte Whisky aus der schottischen Region Speyside erfährt sein Finish in alten Portweinfässern, nachdem er zuvor in Ex-Bourbonfassern ruhte. Es werden nur besonders ausgewählte Brände für das Blending verwendet. Orangfarbenes Rotgold im Glas und ein sehr ansprechender Duft nach Rosinen, Kakao und Nüssen. Im Mund schmeckt der »Balvenie« deutlich frischer, gepaart mit würzigen Honignoten und cremigem Buttertoffee. Der Nachhall ist zart, aber präsent. Die feine Nussigkeit harmoniert mit den mittelkräftigen Zigarren am besten.

Die Zigarren

PARADISO REVELATION LEGEND

Herkunft: Nicaragua

Wenn der Erfolg einem Recht gibt, macht man einfach weiter. Warum auch nicht? Die Kooperation zwischen Ashton und Don Pepin, die in US-Amerika sehr Kuba-nahe Namen verwenden, die in Europa markenrechtlich nicht gestattet sind, wirft Zigarren auf den Markt, die durchaus schmackhaft und qualitativ einwandfrei sind, zudem den Zeitgeist treffen. Wer sich nach schlanken, eleganten Formaten sehnt, wird sich hier aber übergangen fühlen.

Der Blend der neuen »Revelation Serie« ist durchaus auf Tabakmenge – sprich Ringmaß – ausgelegt. Die »Legend« ist mit dem Ringmaß 52 eine der schlankeren Zigarren dieser Serie … aber genug davon! Das Deckblatt schimmert leicht samtig, im nicht zu dunklen Colorado Maduro. Sie riecht würzig nach Leder und Stall, etwas kräutrig und malzig. Interessant, mal wieder! Der kalte Zug ist rein stallig. Stallig rein, ein sauberer Stall eben. Pferd, höchstens Kuh …

Angezündet macht die Zigarre auf sich aufmerksam, der Raum reagiert. Am Gaumen eine vertraute Wärme und tiefe Würze, umrahmt von schokoladiger Nachhaltigkeit. Schon wieder! Zug, Abbrand, Asche, Form und Kegel kommen bekannt vor. Schon mal eine gute Zigarre geraucht? Na also.

Bemerkenswert an der »Legend« ist, dass der Rauchverlauf wirklich sehr stringent und auf dunkelaromatischem Niveau sehr angenehm verläuft. Also kein trockenes Drama am Anfang und kein zungenbetäubendes Finale. Sehr zu empfehlen wäre auch die Corona und die Panetela … es gibt leider keine.


Format: Corona Gorda

Länge: 159 mm

Ringmaß: 52 (20,6 mm)

Deckblatt: Ecuador

Umblatt: Nicaragua

Einlage: Nicaragua

Stärke: ◉◉◉◎◎

Aroma: ◉◉◉◉◎

Rauchdauer: ca. 1 Std.

Einzelpreise: € 7,60


Hibiki 12 Years

Mandelaugen: Der Whisky ist nicht unbedingt für diese Zigarre konzipiert.
Macht nix. Machen oder lassen, tut nicht weh.

Glen Garioch 12 Years

A biss’l was geht imma: Der Whisky lässt sich nicht betören, hat erst mal keine Lust. Ist die Kombination am Gaumen angekommen, findet sich Weichheit.

Auchentoshan Three Wood

Finster wird’s: Sehr dunkle Aromenkonstellation. Sicher situativ begrenzt, aber sehr ausdrucksstark!

Glenfiddich 15 Old Distillery Edition

Gscheidhaferl: Sehr gutes, komplexes Zusammenspiel mit Zitruseffekten im cremigen Kontext. Klartext: sehr gut!

The Balvenie 21 Years

Oberlehrer: Fast zu seriös, um lecker zu sein. Macht man sich frei, hat man die Chance auf die Katharsis.

DAVIDOFF NO. 2

Herkunft: Dominikanische Republik

Irgendwann hat man wieder eine »Davidoff No. 2« im Gesicht oder eine »Monte 4« oder eine »Cohiba Robusto« oder eine … Ja, und dann verlassen sie einen schon, die Klassiker. Einwände bitte nur per Leserbrief! Diese Zigarren, die man in- und auswendig kennt, die man aber doch viel zu selten raucht, davon gibt es nicht viele.

Eine »Davidoff No. 2« kann man ungeachtet des Preises gerne gegen die Frühstückszigarette mit einer bis zwei doppelten Espresso-Tassen eintauschen. Ein sensorisches Upgrade ist sie allemal. Diese durch ihre Weichheit und Cremigkeit nicht zu verwechselnde, archetypische Pretiöse bestätigt, dass auch leichte Zigarren mehr als eine Daseinsberechtigung haben. Kalt riecht sie nach sonnenverwöhntem Heu, sauberem Schuppen und leider wenig nach dem, was man vor dem Anzünden gerne riecht. Egal. Man halte sich auch nicht mit den technischen Hard Facts auf.

Zieht super, brennt gerade und die Asche ist grau – surprise. Der Geschmack ist delikat. Vom ersten bis zum letzten Zug mild und weich. Und elegant und cremig. Und reich an Aroma, ohne dass der Gaumen belastet wird. Full stop. Udo raucht auf Lunge, sagt man, soll er doch! Nena lebt auch noch. Man muss nicht immer Davidoff rauchen, das wäre zu einfach und zu teuer. Aber die »No. 2« ist großes Kino. Und danach suchen wir.


Format: Laguito No. 2

Länge: 152 mm

Ringmaß: 38 (15,1 mm)

Deckblatt: Connecticut Shade 

Umblatt: Dom. Rep.

Einlage: Dom. Rep.

Stärke: ◉◎◎◎◎

Aroma: ◉◉◉◎◎

Rauchdauer: ca. 3/4 Std.

Einzelpreise: € 15,80 | sfr 19,20


Hibiki 12 Years

Smiling sundown:  Es liegt sicher an der Bambusaschenfiltration oder an der
letzten Yogaübung. 

Glen Garioch 12 Years

Forward:  Der Whisky dominiert, Connaisseurs genießen den Nachhall mit der milden Zigarre.

Auchentoshan Three Wood

Tête-à-tête:  Bei einem aufregenden Date muss man nicht die gleiche Sprache sprechen …

Glenfiddich 15 Old Distillery Edition

Subsubsub:  Sich so einer süßlich-dominanten Granate zu unterwerfen kann keine Sünde, nur Vergnügen sein.

The Balvenie 21 Years

Harmony:  Überraschend harmonisch, schmeckt in 50 Jahren noch …

AVO HERITAGE SHORT TORPEDO

Dominikanische Republik

Was wäre die Zigarrenwelt ohne Avo Uvezian und seiner unermüdlichen Fleißarbeit, die sich in immer neuen Formaten widerspiegelt? In Kooperation mit Davidoffs Masterblender Hendrik (»Henke«) Kellner wurden in hohem Maße lang fermentierte Ligero-Tabake in der Einlage verarbeitet. Das Format: kurz und dick. Das neue Raucherglück?

Jedenfalls signalisiert die Zigarre Wertigkeit und Vorfreude, wie sie dunkel und samtig in der Hand liegt. Die kleine Piramide duftet nach Stall, Nüssen und viel dunklem, aromatischem Tabak. Der kalte Zug ist würzig und kribbelt auf der Zunge. Angezündet ist die »Heritage« schnell präsent und bitteraromatisch, allerdings nicht so kräftig wie erwartet, zumindest im ersten Drittel. Zug und Abbrand sind einwandfrei, der Kegel stabil und die sandige mausgraue Asche fällt spät. Die vollmundig-bittere Komplexität steigert sich in fast ungestüme Kraft, hat die Zigarre die Hälfte des Rauchverlaufs hinter sich. Der Ligero macht sich breit und den Raucher etwas müde. Im Finale wird das Gesamtbild wieder etwas milder, die Rauchtextur wieder etwas cremiger. Schokoladige und dunkelholzige Aromen grüßen süß und mit fast exotischer Fruchtigkeit geht die Short Torpedo ihrem Ende entgegen. Die Whiskys begleiten den ganzen Rauchverlauf eher erfrischend als korrespondierend harmonisch.


Format: Short Torpedo

Länge: 114 mm

Ringmaß: 52 (20,6 mm)

Deckblatt: Sungrown Ecuador

Umblatt: Dom. Rep.

Einlage: Dom. Rep., Peru

Stärke: ◉◉◉◉◎

Aroma: ◉◉◉◉◎

Rauchdauer: ca. 1/2 Std.

Einzelpreise: € 6,50 | sfr 9,50


Hibiki 12 Years

Exotik pur: Die hellfruchtige Exotik des Brandes und die dunkle Exotik der Zigarre passen durchweg gut. Ein wenig Tiefgang fehlt im Finale. 

Glen Garioch 12 Years

Freundlich gestimmt: Harmonische Kombination, die beiden gehen freundlich
aufeinander ein.

Auchentoshan Three Wood

Süße Erlösung: Die Süße des Whiskys hilft, die Bitternoten der Zigarre abzurunden.
Im Finale ein grandioser Begleiter!

Glenfiddich 15 Old Distillery Edition

Double up: Der 15-Jährige erfrischt den Gaumen des Genießers ebenfalls, auch wenn sich ab und an die Bitternoten doppeln.

The Balvenie 21 Years

Double up II:  Auch hier doppeln sich die Bitternoten, und die Süße rundet nur begrenzt ab, trotzdem schön am Gaumen.

Hoyo de Monterrey Epicure Especial

Herkunft: Kuba

Eine Hoyo ist eine Hoyo ist eine Hoyo. Soll heißen, dass die Zigarren der 1865 gegründeten Marke Hoyo de Monterrey sich geschmacklich wohl am wenigsten verändert haben. Schade, dass die Serie »Hoyo du« langsam ausstirbt. Die »Epicure Especial« gesellt sich wunderbar zum Klassikerpärchen »Epicure No. 1« und »No. 2«. Ein stattliches Format, immer schöne Deckblätter, mild, aber sehr cubanisch. Die verkosteten Exemplare sind zwar relativ jung, aber sie duften schon sehr ausgewogen. Erdig, leicht stallig und nussig – passend zum walnussfarbenen Deckblatt. Die Verarbeitung ist einwandfrei, eine vernünftige Tabakmenge auf Spannung gerollt.

Der kalte Zug ist verhalten, mild. Angezündet stellt sich ein, was zu erwartet war: Eine Hoyo ist eine Hoyo, und das ist verdammt gut so! Zug und Abbrand sind perfekt, die Asche hält lange und ist cubanisch grau. Das erste Drittel ist vorrangig cremig, etwas Heu und leichte Würze begleiten die von Zug zu Zug präsenter werdenden Noten der roten Erde. Ein sehr stringenter Rauchverlauf macht die weitere Einteilung schwer, den Genuss umso leichter. Die »Hoyo de Monterrey Epicure Especial« gipfelt in einem würzig-vanilligen, erdig-kakaoigen Endspurt und lässt sich mit allen Whiskys wunderbar bis weit hinter den Zigarrenring schmauchen.


Format: Magnum 54

Länge: 141 mm

Ringmaß: 50 (19,4 mm)

Deckblatt: Kuba

Umblatt: Kuba

Einlage: Kuba

Stärke: ◉◉◎◎◎

Aroma: ◉◉◉

Rauchdauer: ca. 1 Std.

Einzelpreise: € 11,10 | sfr 18


Hibiki 12 Years

H+H=H2:  Diese Kombination lebt von klassischen und fremden Aromen, kaum zu erklären, passt aber wunderbar in Ausgewogenheit und Spannung. Unbedingt ausprobieren!

Glen Garioch 12 Years

Kleiner Fehlstart:  Zu Beginn etwas harsch, der Whisky wartet geduldig, bis sich die Zigarre voll entwickelt hat.

Auchentoshan Three Wood

Macho:  Der komplexe Whisky beharrt auf seiner Kraft und der sensorischen Herrschaft. Trotzdem schön.

Glenfiddich 15 Years Distillery Edition 

Grandios mit Tröpfchen:  Viel Alkohol heißt viel Geschmack, das braucht die Hoyo in der Partnerschaft. Ein Tropfen Wasser, bitte!

The Balvenie 21 Years

Durchstarter:  Einen kleinen dumpfen Dämpfer im ersten Drittel verzeihen wir gnädig. Sonst sehr klassisch schön.

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