Wodka. Der unterbewertete, unbekannte Genuss.

 

1 Wann alles begann …

Die Ursprünge des Wodkas liegen weitestgehend im Dunkeln. Man weiß heute, dass schon seit dem 14. und 15. Jahrhundert sowohl Russen als auch Polen behaupten, Ursprungsländer zu sein. Die wahre Geschichte ist jedoch, wie fast immer, national eingefärbt und dem neutralen Betrachter bleibt wenig Objektives.

Richtig ist, dass vodka aus dem Slawischen übersetzt kleines Wasser oder Wässerchen bedeutet und er heute fast überall auf der Welt hergestellt wird. Allerdings ist in der Literatur nicht klar erkennbar, ob die in der Vergangenheit als Vodka oder Wodka bezeichneten Destillate mit den uns heute bekannten übereinstimmen. Wahrscheinlich eher nicht.

Die Ausgangsstoffe von Wodka

2 Die Ausgangsstoffe von Wodka

Heutige Ausgangstoffe sind (fast) alle vergärbaren organischen Materialien wie Getreide, Kartoffel oder Melasse, dazu kommen Hefe, Wasser und eine Destillationsanlage. Fertig. Reifung gibt es offiziell nicht, Lagerung eher selten, wenngleich heute schon häufiger.

In den ost- und nordeuropäischen Heimatländern des Vodkas, zum Beispiel Polen, Russland, Ukraine, Schweden oder Finnland, war der Anspruch an Wodka immer ein besonderer. Die Spirituose sollte gleichzeitig ein sehr feines Destillat sein und doch den Charakter ihres Grundmaterials, häufig Getreide, ausdrücken: Weizen in Schweden und Russland, Gerste in Finnland, Roggen in Polen.

3 Wie wird Wodka getrunken?

Wodka wird zum ersten Mal häufig eisgekühlt oder als Cocktail getrunken. Doch Vorsicht: Wird er zu kalt serviert, werden beim Trinken die Geschmacks- und Geruchsnerven betäubt und alles riecht und schmeckt fast gleich. Erst das Selbstbefinden am nächsten Morgen verrät, von welcher Qualität das Wässerchen wirklich war. Beim Cocktail gibt sich der Barkeeper zusätzlich alle Mühe, den Wodka hinter allerlei Zutaten zu verstecken.

Häufig soll Wodka nur neutraler Alkohollieferant sein, mehr nicht. Doch das ist nicht alles.

Innerhalb der letzten Jahre hat sich das Wodka-Konsumverhalten stark verändert. Vielfach hat Gin den Vodka als Genuss ersetzt. Nicht nur in den Cocktails, sondern auch im puren Genuss. Erst langsam entwickelt sich, auch dank deutscher Hersteller, wieder ein Bewußtsein für echten, reinen Wodka!

Nicht nur im Cocktail soll der Wodka von hoher Qualität sein, auch pur genossen soll er möglichst Premiumqualität haben. Während früher oftmals (und manchmal auch international noch heute) die Wodka-Markenhersteller sich allergrößte Mühe gaben, uns mit Flaschendesigns und Markenwerbung von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen, ändert sich das Konsumverhalten doch hin zu den geschmacklichen Qualitäten des Wodkas. Die Elemente des Lifestyles, früher noch wichtige Kaufentscheider, treten dabei seit ungefähr 2015 etwas in den Hintergrund.

4 Wodka und die eigenen Erfahrungen des Autors – und was er daraus ableitet

Wieso nur haben wir dann nach wie vor ein derart gespaltenes Verhältnis zu diesem Getränk? Weswegen wird in unseren Gefilden der einzigartige Genuss von Wodka (noch) nicht akzeptiert?

Lassen Sie mich darauf mit meiner eigenen Erfahrung antworten. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich eingehend mit dem Thema Wodka. Reisen zu Produzenten und Markeninhabern sowie Schulungen und Seminare zu meiner eigenen Weiterbildung haben mich mit dem Thema vertraut gemacht.

Heute sind Tastings und Dinner mit Feinschmeckern und Genießern, aber auch Herstellern, Bartendern und Marketingmanagern fester Bestandteil des Umgangs mit Wodka.

In vielen Diskussionen und Interviews habe ich die Position des Wodka-Connaisseurs vertreten. Dabei sind einige Kernaussagen immer wieder aufgetreten: »Wodka kann man nicht genießen!« und: »Wer Wodka pur trinkt, ist Alkoholiker!« Gleiches passiert mir nicht, wenn ich über Whisk(e)y, Gin, R(h)um oder Cognac rede. Eine andere Welt!

Dass Wodka aber wesentlich mehr ist, beweisen die Wodka, deren Hersteller verstanden haben, dass Geschmack eben doch sehr wichtig ist. Immer mehr Marken verwenden heute nicht mehr ausschließlich die Neutralität ihrer Spirituosen als Merkmal, sondern sprechen von Charakter und Einzigartigkeit im Geschmack und Mundgefühl. Details zu Herkunft und Herstellung ergänzen diesen Trend.

5 Die Unterschiede und woher sie kommen

Die Unterschiede ergeben sich zum einen aus den verwendeten Grundmaterialien, aus denen Wodka heute hergestellt wird. Gerste und Weizen sind bekannt für ihre weiche Charakteristik der Destillate (sofern sie gut und sauber destilliert werden), während Roggen einen eher kräftigen Geschmack im Nachklang hinterlässt.

Diese kräftigen Noten machen sich heute wieder mehrere Wodka-Hersteller zunutze, beispielsweise Marken wie Freimut aus Deutschland oder Wyborowa aus Polen.

Kartoffeln haben ihren Eigengeschmack, der schon einmal von leicht muffig (Kartoffelkeller) bis zu erdigen Tönen variieren kann. Aber auch dies kann einen Charme entwickeln und Liebhaber guter Wodka begeistern – wie Karlsson’s Gold Vodka aus Schweden beweist, der zusätzlich das Prinzip des Blendings unter dem Masterblender Börje Karlsson aufgreift. Der Wodka wird aus 7 verschiedenen, individuell destillierten Kartoffelsorten zu einem Gesamtwerk vereint. Das Resultat ist ein einzigartiger, kulinarisch-hochwertiger Charakter.

Doch damit nicht genug. Andere ungewöhnliche Grundstoffe finden heute wieder ihren Weg in die Wodka-Herstellung und folgen damit den Ursprüngen dieses Destillates.

Die ursprünglichen Rohstoffe – Roggen, Gerste, Weizen, Kartoffeln – finden natürlich weiterhin Anwendung, doch jetzt kommen Trauben, Äpfel oder Orangen hinzu. Für billige Wodka wird (oftmals) auch gerne die billige Rübenmelasse verwendet.

Mischungen verschiedener Grundstoffe, auch immer mehr bei neuen Destillaten gesehen, sind nicht mehr nur reine Getreidemischungen, sondern können auch mit den anderen Grundstoffen erfolgen. Die Welt braucht mehr guten und interessanten Vodka!

Wodka Kategorien – damit man weiß, was man kauft!

6 Wodka Kategorien – damit man weiß, was man kauft!

Wie sollte heute der Verbraucher, also wir, die Leser und der Autor dieser Zeilen, wissen, was für einen Wodka man kauft? Eine Aufteilung in Wodka Kategorien wäre von Vorteil. Diesem Thema hat sich die GVA (Global Vodka Alliance) gewidmet und versucht Hilfestellung zu geben. Doch wie soll die überhaupt aussehen? Während man früher maximal in Eastern und Western Style Vodka aufteilte, wird heute eine feinere Aufteilung erforderlich. Einige erste Schritte sind bereits getan.

Die Aufteilung beginnt bereits mit der Bestimmung, welcher Alkohol überhaupt für den Vodka verwendet wird. Vom Gesetzgeber sind 96 Vol-% als Mindestalkoholstärke vorgegeben. Doch woher kommt der Alkohol? Aus eingekauftem Feinsprit, der dann weiter verarbeitet wird, oder aus der eigenen Produktion? Hier haben heute die Craft Destiller angesetzt, wie einige Beispiele zeigen. Auf der einen Seite gibt es die Traditionalisten, die bereits den eigenen Grundalkohol herstellen. Florian Renschin, Markeninhaber von Freimut Vodka, verwendet für die Herstellung seines Wodka eine spezielle Roggenmaische aus 70% ungemälztem Champagnerroggen und 30% gemälztem Champagnerroggen. Diese Komposition gibt einerseits die feine Süße, gepaart mit einem doch kräftigen Nachklang, und eine insgesamt sehr weiche Note am Gaumen.

Malz ist auch das Geheimnis eines Single Malt Vodkas, natürlich aus Schottland. Es wird für den Valt Single Malt Vodka ausschließlich mit Gerste gearbeitet, die auch in den Destillerien der Whiskyhersteller verwendet wird. Diese ergibt eine sehr weiche Textur am Gaumen. Abgerundet wird mit reinstem schottischem Bergwasser.

Andere Hersteller verwenden als Grundmaterial heute auch immer mehr Obst. Äpfel sind es beim Naked Chase oder Trauben beim deutschen Rude Vodka. Letzterer ist ein Wodka destilliert aus ganzen Pfälzer Trauben (Dornfelder) und mit Quellwasser aus Weisenheim am Berg versetzt. Hier fällt insbesondere sofort die Note der Trauben bestimmend auf. Interessanterweise ist dieser Wodka nur einmal destilliert, aber zweifach gefiltert.

Gleich 5fach destilliert in kupfernen Brennblasen und anschließend in einer Kolonne rektifiziert ist Naked Chase, ein Vodka des renommierten Gin und Cidre Herstellers Chase Destillerie aus England. Er erhält seinen weichen, frischen und gleichzeitig einzigartig-fruchtigen Charakter durch die Verwendung eigener Cidre Äpfel aus Herfortshire.

In allen diesen Fällen wird der Alkohol selbstbestimmt erzeugt und dessen Qualität von Anbeginn an, quasi vom Feld aus, überwacht.

7 »Hand crafted«, batch-distilled oder industriell?

Ein Teil der Einteilung gilt also den Herstellern des eigenen Basisalkohols, eine andere Einteilung muss aber auch die industriell produzierten Wodka beinhalten. Diese oftmals geschmähte Kategorie kann gerne in das bereits bestehende System des Eastern und Western Style Vodka aufgeteilt werden. Diese Aufteilung wird heute immer noch angewendet, doch ist sie natürlich keine geografische Einteilung im klassischen Sinne, sondern beschreibt die geschmackliche Komponente der Produkte, die oftmals in großen Anlagen (»industriell«) hergestellt werden: Western Style Vodka sind den amerikanischen Vorschriften folgend neutral (meist mit leichtem Zitrusaroma) und eigen sich hervorragend zur weiteren Aromatisierung und als Mixzutaten (typische Beispiele sind der spanische Blat Vodka und Skyy aus den USA / Italien).

Eastern Style Vodka dagegen zeigen den Charakter des Grundstoffes, oftmals sogar sehr deutlich, und werden durch Veredelungsmethoden (oftmals auch als Filtrierungen bezeichnet) aus Feindestillaten gewonnen. »Veredelt« wird dabei mit oftmals nur homöopathischen Mengen an Zusätzen zum neutralen Grunddestillat. Sehr gute Beispiele für die letztgenannte Kategorie sind die Produkte der Beluga Reihe, insbesondere der Beluga Gold Line, ein unglaublich sanfter, und doch charakterstarker Wodka aus Russland. Beluga Gold Line wird aus Getreidemalz und artesischem Wasser sibirischer Quellen hergestellt. Die natürlichen Inhaltsstoffe werden 5 Mal destilliert, bevor sie mit Reis-Extrakt und Rhodial Rosea-Extrakt angereichert (sprich: veredelt) werden. Auch der Mlechnij Put Vodka aus Saransk zählt zu dieser Kategorie.

Doch damit nicht genug. Ist es noch (relativ) einfach, Weizen oder Gerstendestillate von Roggen, Kartoffeln oder Trauben zu unterscheiden, ist die Unterscheidung innerhalb einer Getreideart schon wesentlich komplexer. Dazu werden häufig auch Mischungen aus Getreiden und/oder Kartoffeln angeboten. Beispiele dafür sind Ultimat Vodka oder der aus Polen stammende Krova. Letzterer verwendet neben Weizen- und Roggendestillaten auch einen 5-Prozent-Anteil an Kartoffeln im Destillat.

Ein weiteres Element, das bei der Herstellung von Wodka unerlässlich ist, gerät oftmals in Vergessenheit, wenn über die Qualität eines Wodkas gesprochen wird: Wasser. Zum Verdünnen auf die Trinkstärken ist es ebenso unerlässlich wie bereits während der Produktion.

Und auch die Zusätze, die im Laufe der Reinigungs- und Veredlungsschritte eines Wodkas hinzukommen, sind für den finalen Charakter von äußerster Bedeutung. Da diese Zusätze zudem unterhalb einer bestimmten, deklarierpflichtigen Grenze liegen, finden wir deren Angaben nur sehr selten auf dem Etikett. Doch sie beeinflussen den Charakter teilweise maßgeblich.

Fangen wir mit dem Wasser an. Immerhin ca. 420 Milliliter Wasser finden wir in einer Flasche Vodka mit 40 % Vol. Alkoholgehalt. Das Wasser spielt also eine wichtige Rolle. Destilliertes Wasser wird ausgeschlossen, da es durch Destillation viele notwendige Bestandteile, zum Beispiel die Mineralien, verliert und damit »tot« ist. Es würde den Vodka geschmacklich nicht verfeinern, sondern ihn ausschließlich flach und geschmacksarm machen.

Besser sind Wässer aus Quellen (Tiefenquellen, Brunnen) oder sogar Gletschern, wie sie von einigen Wodka-Herstellern derzeit verwendet werden. Als typisches Beispiel sei hier der Vodka Xellent genannt. Eine Marke, um die es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden ist, die aber durch die Verwendung von Roggen (aus dem Umland der Destillerie) und dem leicht alkalischen Wasser des Titlis-Gletschers einen völlig eigenständigen Charakter kreiert.

Ebenfalls Gletscherwasser (aus dem Ladogasee in der Nähe der Stadt Sankt Petersburg) verwendet Russian Standard für seinen Vodka. Neben dem Ausgangsprodukt Weizen und dem Wasser ist hier zudem ein weiterer Produktionsschritt wichtig: die »Reinigung«, richtigerweise »Veredelung« dieses Wodkas.

8 Veredelung oder einfach nur Filtration?

Dies bringt uns zur nächsten wichtigen Station im Verständnis des Vodkas. In der teilweise vereinfachenden Kommunikation der Wodka-Marken werden diese Veredelungsschritte oftmals zu einem einzigen, »Filtration« genannten Prozess zusammengefasst und daher vereinfachend als »Entfernung von Aromastoffen« verstanden. Dies ist aber nicht ausschließlich der Fall.

Die bekannteste Methode, die Aktivkohlefiltration, ist nicht nur wegen ihrer riesigen absorptiven Oberfläche – ein Gramm Aktivkohle hat die Oberfläche eines Fußballfeldes! – exzellent für die Filtration verwendbar, sondern sie zeigt auch weitere Eigenschaften, die einige der Alkohol- und Aromenbestandteile oxidativ verändern und damit unter anderem zu einer weicheren Textur des Wodkas beitragen können.

Zur Veredelung können auch andere Materialien herangeführt werden. Ein Beispiel dafür ist die Wodka-Marke Crystal Head, deren martialische Aufmachung in einem Totenkopf als Flasche und der Unterstützung des Schauspielers Dan Aykroyd sicher für Aufmerksamkeit sorgt.

Bei der Herstellung dieses Vodkas werden »Herkimer Diamanten« verwendet. Aber Vorsicht, »reiner Diamant« ist nicht geschmacksverändernd und hat keinen Einfluss auf das fertige Destillat, daher wird nicht das teure Schmuckstück verwendet, sondern der »Herkimer Diamant«, welcher sich bei genauem Hinschauen als ein Quarzkristall aus den USA entpuppt. Diese Art der Filtration ist definitiv geschmacksbeeinflussend – von daher darf mit dem »Herkimer Diamanten« als Filter geworben werden. Der Wodka erhält mit dessen Hilfe einen sehr milden, leicht mineralischen Geschmack.

Welche Aktivkohle man dafür verwendet, zum Beispiel die berühmte »Diamantkohle«, und unter welchen Temperatur- und Druckbedingungen dies geschieht, ist stets Bestandteil der Rezeptur zur Herstellung und gleichzeitig gut gehütetes Betriebsgeheimnis eines jeden Wodka-Herstellers.

Ergänzt man diese Filtration mit Silberionen, die beispielsweise aus dem Wasser stammen können, werden die Wodkas noch milder. Typisches Beispiel ist die unterschiedliche Wahrnehmung der Textur im Mund eines Russian Standard und eines Russian Standard Platinum. Nur eine andere Veredelung verändert bereits die Wahrnehmung an Gaumen und Zunge.

9 Und noch mehr Veredelung

Doch es geht noch weiter: andere Marken, wie der russische Green Mark, verwenden auf Weizendestillat basierenden Wodka als Grundstoff und ergänzen dann für die Rye-flavoured-Vodka-Variante ein Extrakt aus getrocknetem Roggenbrot; für die Cedernnuss aromatisierte Variation wird das dafür verwendete Öl durch Extraktion aus Cedernnüssen gewonnen. Der Unterschied ist erstaunlich, obwohl beide Wodkas zu den unflavoured Vodkas gehören!

Wer will da noch behaupten, Wodka sei ein einfaches Destillat?

Genannt sei an dieser Stelle exemplarisch die Vodka-Marken Mlechnij Put aus der Republik Mordowien in Russland. Bei seiner Herstellung werden neben einer aufwendigen Destillation auch achtstufige Verfeinerungs- und Veredlungsprozesse eingesetzt, die zu einem milden Produkt führen. Zu diesen Prozessen zählt neben der klassischen Aktivkohlefiltration auch die Behandlung mit Milcheiweiß.

Eiweißklärung ist neben der Kältefiltration bei minus 18 Grad Celsius, sicher eine der ältesten russischen Methoden zur Veredelung von Wodka. Die Kältefiltration – nicht zu verwechseln mit der Kühlfiltration – ist eine der wichtigsten Schritte bei der Herstellung des ausgezeichneten Stolichnaja Elit.

Absolut, bisher immer dem Western Style Charakter zugeordnet, schafft es mit seinem Elyx für die Kategorie der Eastern Style Vodka ebenfalls ein herausragendes Produkt mit viel Charakter zu erzeugen. Hilfreich sind hierbei keine Zusätze, denn auf diese wird bei Absolut Vodka im nichtaromatisierten Segment generell verzichtet, sondern die Verwendung von Winterweizen des in der Nähe der Produktionsstätte gelegenen Gutshof Råbelöf und die Destillation in einem traditionellen Kupfer-Gegenstrom-Verfahren aus dem Jahre 1921. Dabei wird ein Small-Batch-Verfahren angewandt, bei dem der Wodka mehrere Kolonnen durchläuft und so gleichzeitig durch intensiven Kupferkontakt veredelt wird. Dieser intensive Kontakt ist für die Charakterstärke und gleichzeitige Milde dieses Wodka verantwortlich. Der etwas erhöhte Alkoholgehalt von 42,3 Vol.-% und das naturgefilterte, kalkarme Grundwasser sind weitere Komponenten zum Geschmack.

Eine weitere Unterteilung ist Teil der Eastern Style Kategorie, doch oftmals verschwimmt hier die Grenze zum Western Style: die Craft Vodka Bewegung der USA. Heute wird dort gerne für alles der Begriff »handcrafted« (handwerklich) verwendet. »Handcrafted Vodka made in USA« hatten lange Zeit das Image einer Besonderheit, hergestellt in kleinen pot still Anlagen in Hinterhöfen und Farmen. Bis man feststellte, dass oftmals das Grundprodukt doch nur wiederum ein mehrfach kolonnendestillierter Grundstoff (also industriell gefertigt) war und »nur« noch veredelt in kleinen Destillationsanlagen und als Small Batch gekennzeichnet. Hier sollte man genauer hinschauen, was der Hersteller unter »handmade« und »small batch« versteht. Der Gesetzgeber versucht derzeit erst diese Begriffe »fassbar« zu machen.

10 Aromatisierung – ein eigenes Thema der Veredelung

Doch damit sind wir noch lange nicht am Ende dessen, was heute im Wodka-Bereich möglich und machbar ist. NB Vodka aus Schottland bezeichnet sich selbst als einen »London Dry Style Citrus Vodka«, einen Begriff, den man aus der Ginproduktion schon lange kennt. Aber Wodka? Nun, zuallererst handelt es sich hier um einen aromatisierten Wodka, einen Citrus Vodka. Bei der Herstellung werden die Prinzipien des London Dry Verfahrens angewendet, das heißt: alle Komponenten werden destilliert. Also alles richtig deklariert. Es ist schon ein besonderes, sehr feintöniges und elegantes Kleinod der aromatisierten Vodka, was Steve und Vivienne Muir in ihrer kleinen Brennerei in Schottland hier erzeugt haben.

Aromatisierung zeichnet auch den Vodrock Vodka von Richard Söldner aus Bayern aus. Sein Vodka wurde vom IWSC 2016 zum besten »Bloody Mary Vodka« ausgezeichnet! Aromatisiert mit Büffelgras und Bisamkorn (Abelmoschuskörner) und Zitrusaromen zeigt er seine Vielfältigkeit, insbesondere in der Zubereitung von Cocktails, aber auch gerne pur.

11 Wodka im Holzfass? Gelagerter Wodka!

Eine weitere Variante der neuen Wodka-Produzenten wird sich der Lagerung widmen. Lange Zeit war dieses Privileg nur einigen Wodka, vorwiegend aus Osteuropa, vorbehalten. So gibt es in Polen die Starka Vodka oder auch unterschiedliche Abfüllungen des Debova Vodka, doch so richtig populär sind diese Wodka noch nicht. Auch Absolut hat sich an diesem Segment versucht, der Absolut Oak wurde dafür veröffentlicht, doch der Charakter lässt noch nicht wirkliche Begeisterung aufkommen.

Schaffen kann dies ein Wodka aus Hamburg, der von Lars-Oliver Fuhse konzipierte und in Deutschland hergestellte Bazic Vodka. Wenngleich mit dem roten Stern noch der russischen Mutter der Vodka gehuldigt wird, ist dieses deutsche Weizendestillat doch bereits bestens bekannt und etabliert. Interessant sind insbesondere seine limitierten fassgereiften Wodka. Diese werden mindestens 6 Monate in nordamerikanischen Rotspon-Eichenfässern ausgebaut, diese waren vorher dreimal belegt mit einem Cuvée aus Grenache und Syrah. Der Wodka reift in Hamburg und wird auch dort in »Small Batches« abgefüllt. Im Falle des Bazic Vodka sind dies gerade einmal 1.222 Flaschen.

Die Zukunft – eine schon reale Vision

12 Die Zukunft – eine schon reale Vision

Und was geht noch in der Zukunft? Aromatisierung wird weiterhin interessant sein und ist in vielfältiger Variation machbar. Die Prozesse spielen sich bei vielen Marken heute nicht mehr ausschließlich  im Verborgenen ab. Früher wurden diese Prozesse nur bei absoluter Notwendigkeit vom Marketing nach außen kommuniziert. Heute geht es auch anders und das auch noch ganz besonders.

Die Marke Grey Goose wurde ja schon oft für ihren Markenauftritt und das sehr starke Marketing von vielen Experten milde belächelt oder sogar kritisiert. Sie war es, welche durch Preisgestaltung die Kategorie des »Premium Vodka« überhaupt erst ins Leben gerufen hat, sie war es, die durch Ausstattung und Details der Flaschen und des Designs Preise gewonnen hat und damit die Aufmerksamkeit der Verbraucher, bis heute, auf sich zog. Oftmals war dabei (leider) der Wodka nicht wirklich im Vordergrund.

Nachdem die Marke bei Bacardi nun aber wieder etwas mehr im Fokus steht, sollte der Blick, auch des geschätzten Vodkaexperten, auf die Abfüllung des Grey Goose VX fallen. Was zuerst auffällt, ist die Bezeichnung »Vodka Exceptionelle finished with a hint of Precious Cognac«, die ergänzt wird durch die Angabe »Spirit Drink«. Also kein klassischer Vodka. Oder doch? Nein, dies ist eine (neue) Kategorie, die über Grenzen hinwegschreitet! Sie vereint Vodka (95%) und Cognac (5%)! Kein Wunder, bei den Eltern: Vodka Grey Goose und Cognac Otard, beides Produkte des Hauses Bacardi.

Die Verwendung unterschiedlicher Destillationsverfahren ist bereits seit Längerem bekannt. So sind Marken wie Smirnoff Black, Ketel One Original oder Alpha Noble, die alle in ihren Prozessen neben den bekannten Säulendestillationen Batch- oder Pot-Still-Destillationen verwenden, beim Genießer sehr geschätzt.

Und es geht sogar noch spezieller, wie uns die Wodka-Marke Kauffman neben ihrer normalen Range an hartem und weichem Vodka zeigt: Jahrgangsvodkas sind tatsächlich, wie bei den Vintages im Wein-, Whisky- und Armagnac-Bereich, geschmacklich unterscheidbar und für die Kenner der Wodka-Szene prestigeträchtige Sammlerstücke von allerhöchstem Genuss.

13 Wie genießt man all diese Vodka? Glas und Temperatur als Komponenten des Genusses

Um diesen Genuss zu vervollständigen, sollte Wodka für den puren Genuss aufgrund der Vielfalt sehr feiner Aromen und subtiler Unterschiede nicht mehr eiskalt serviert werden. Optimale Trinktemperaturen sind Raumtemperatur bis leicht gekühlt, also 14 bis 18°C. Das bekannte Nosingglas oder Spezialgläser, die es erlauben, den Wodka in kleinen Schlucken zu genießen, sind bestens geeignet, den Wodka-Connaisseur und auch jene, welche das erst werden wollen, zu erfreuen.

Wodka als Genuss muss sich (leider) auch weiterhin einen Platz unter den angesagten Genussspirituosen dieser Welt erkämpfen!

Seine vielen Möglichkeiten des Charakters und die Methoden der Herstellung eines Vodka erlauben es uns aber doch, immer wieder interessante neue Aromen zu finden. Es ist nicht einfach, aber es klappt, wenn man sich auf diesen Genuss einlässt! Einzigartigen Wodka von Chase, Freimut und anderen neuen, kreativen und innovativen Destillateuren dieser Szene zeigen uns den Weg. Wodka lebt. Und wie!

Wir müssen nur noch viel darüber lernen, bis wir ihn vollständig verstehen! Auf geht’s!

Ihr
Jürgen Deibel

 

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