Writer’s Tears – von Tränen und Gott

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»Als Gott die Zeit gemacht hat, hat er genug davon gemacht«. Es sind jene Worte des deutschen Schriftstellers Heinrich Böll, die aus seinem irischen Tagebuch vielleicht am eindrücklichsten das beschreiben, wofür das Irland seiner Zeit stand. Ein Gottesglaube – vielmehr ein Gottvertrauen, das sich vor allem in der Demut vor der Zeit ausdrückt. Es ist eben jene Eigenschaft, die den Iren besonders zu Gesicht steht und die die Geschicke dieses Volkes bis in unsere Zeit kennzeichnet.

Zeugen über Generationen

Doch nicht nur der deutsche Reisende Böll zeugt von der Leidensfähigkeit der Iren, sondern vielmehr die irischen Romanciers selber sind es, die auf eine unnachahmliche Weise dieser Lebenseinstellung Ausdruck verleihen. Es sind die großen Namen des 19. Jahrhunderts: James Joyce, Oscar Wilde, Wiliam Butler Yeats oder Jonathan Swift.
Allesamt Söhne einer besonderen Zeit für Emerald Isle. Söhne einer Zeit, die gekennzeichnet ist von englischer Besatzung, Hunger und einer sich verändernden Welt. Ihr Glaube jedoch war auch so unverwüstlich, wie ihre bekennende Leidenschaft zum liquiden Gold ihrer grünen Heimat: dem Whiskey.

Writer's Tears

Whiskey war für Joyce, den Autor von Ulysses und den Dubliners soetwas wie leichte Musik, welche in ein Glas fällt und damit ein angenehmes Intermezzo darstellt. Schließlich, so sagt es ein alter irischer Spruch, sind es die Tränen der Schriftsteller, die ein Whiskeyglas füllen. Zumindest ist Whiskey ein gutes Mittel gegen eine Schreibblockade – damals wie auch heute.

Von Autoren und ursprünglichem Whiskey

Die Kraft und die Bedeutung der irischen Autoren für das 19. Jahrhundert sind dem entsprechend, wofür der Whiskey steht, war dieser doch damals einer der populärsten Spirituosen der Welt. Die Leichtigkeit und die Fruchtigkeit irischen Whiskeys waren weit über die Küste seiner Heimat hinaus geschätzt. Vor allem die dreifache Destillation sorgte für ein feines und elegantes Destillat, welches in Fässern reifend zu Weltruhm gelangte.

Bernard und Rosemary Walsh von der Walsh Whiskey Distillery; Writer's Tears

Dieser Idee und dieser Zeit huldigend, begann man 2009 mit der Herstellung des Writer’s Tears im Hause Walsh Whiskey Distillery, welches 1999 durch Bernard und Rosemary Walsh gegründet wurde. Writer’s Tears ist neben The Irishman der zweite Whiskey, welcher von Walsh vertrieben wird. Er soll eben jene Stilistik des 19. Jahrhunderts widerspiegeln.

Single Malt und Single Pot Still

Hergestellt wird Writer’s Tears ausschließlich aus irischer Gerste – ein Bekenntnis vor Geschichte und der Herkunft dieses Destillates. Dabei kommen neben 60% Single Malt auch 40% Single Pot Still Whiskeys zum Einsatz. Das bedeutet, dass der Großteil des Destillats auf Basis von 100% gemälzter Gerste entsteht, während ein kleinerer Teil aus einem für Irland so typischen Mix aus gemälzter und ungemälzter Gerste destilliert wird. Dem 19. Jahrhundert entsprechend findet hier keinerlei Grain-Whiskey Verwendung.

Bernhard Walsh von Walsh Whiskey Distillery

Während die Ursprünge für Writer’s Tears in Midleton liegen, wo man mit seiner Destillation begann, wird nunmehr seit 2016 in Royal Oak, in der Nähe von Carlow – etwas über eine Stunde südwestlich von Dublin – gebrannt. Hier entsteht der Whiskey, welcher dann für Jahre in ex-bourbon Casks aus amerikanischer Weisseiche ruht, um anschließend mit 40 Vol-%. Alkohol abgefüllt zu werden. Seit 2011 erscheint dazu jedes Jahr auch noch eine extrem limitierte Version in Fassstärke, welche nicht kühl-gefiltert wurde.

Von Büchern und Boutiquen

Writer’s Tears ist eine moderne Interpretation alter irischer Whiskey-Stile und Werte. Vor allem die fassstarken Einzelabfüllungen sind so individuell wie die Werke der großen irischen Autoren. Und so manche Seite von Joyce Ullyses – einem der bedeutendsten Bücher des 19. Jahrhunderts – lässt sich mit einem Glas dieses Boutique-Whiskeys einfacher entschlüsseln.

Es ist diese elegante Mischung der Aromen von Apfel und Karamell, die einen Writer’s Tears zu einem äußerst entspannten Genuss macht und nicht umsonst sind sich die Kritiker wie Ian Buxton oder Jim Murray einig, dass dieser Whiskey zu denen gehört, die man definitiv getrunken haben sollte. Gerne pur, oder wie es James Joyce selber am liebsten mochte: in einem klassischen Whiskey Soda.

Auf jeden Fall ist Writer’s Tears von seiner Idee und auch seiner Umsetzung ein Whiskey, der sich der großen Zeit der irischen Brennereien nähert und dem 19. Jahrhundert ein neuzeitliches Denkmal setzt. Eines, welches dazu auch noch vorzüglich schmeckt.

Ein Whiskey, bei dem man dankbar ist, dass – ganz im böll’schen Sinne – Gott soviel dieser Zeit geschaffen hat, die notwendig war, ist und immer sein wird, um einen solchen Whiskey zu seiner Reife zu bringen. Auch in solch aufregenden Zeiten wie den Unsrigen.

 

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