Zigarren und Irish Whiskey … eine neue Liebe?

Ein Plädoyer für das 'Wasser des Lebens' der grünen Insel.

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Zur bisherigen Wahrnehmung des Irish Whiskey in Zigarrenkreisen

Zugegeben, der erste Gedanke, der mir durch die Denkkanäle geistert, wenn ich an perfekte Zigarren-Spirituosen-Paarungen denke, gilt nicht dem Irish Whiskey. Nicht sonderlich populär, geradezu profillos, wirkt der Bruder des Scotches, neben dem er in den letzten Jahrzehnten ein Mauerblümchendasein fristete. In dessen Schatten er sogar eine Zeit lang in Vergessenheit zu geraten drohte. Doch dies ist nur ein erster, ein oberflächlicher Blick.

Ebenso wenig attraktiv, wie dessen Image, sind die sensorischen Grundattribute, die dem Irish Whiskey klischeehaft nachgesagt werden, für die meisten Aficionados: Frisch, floral, ungetorft und mild. Und wenn man sich die klassischen Iren ins Gedächtnis ruft, bestätigt sich diese erste Assoziation auch. Oder wer kann sich einen süffigen, aber dennoch zu frisch und ungestüm anmutenden Paddy mit einer kräftig-markanten »Camacho Triple Maduro« vorstellen?

Eine einzige Ausnahme war bisher vor allem der Irish Coffee. Dieser stellte mit seinen süß-cremigen Aromen, den feinen Kaffee-Röstnoten und einem unterschwelligen Whiskey-Geschmack eine sehr stimmige Kombination mit einer kräftigen Zigarre dar. Vor allem wenn sie Kakao- und Kaffeenuancen und satte Cremigkeit abgab. Also zum Beispiel eine »Drew Estate Liga Privada No. 9«.

Nichtsdestotrotz, oder vielleicht sogar gerade wegen all dieser Vorbehalte und Zweifel, ist der irische Whiskey mitsamt seinem Facettenreichtum, den er sich in den letzten Jahren mehr und mehr angeeignet hat, einen Versuch wert. Und gibt – auch ganz ohne Kaffee und Sahne – für Zigarrenfreunde durchaus einen interessanten Begleiter ab.

Frischer Wind auf dem irischen Whiskey-Markt

Es geht hoch her in den irischen Destillen: Nach Jahren, in denen keine Brennerei Irlands mehr in irischer Hand war und so gut wie jede kleine Destillerie geschlossen werden musste, erlebte der Irish Whiskey zuletzt eine Renaissance. Neue Brennereien werden eröffnet, Rekordzahlen geschrieben – Tendenz: steigend!

Ein Grund für den Aufschwung ist sicherlich das Umdenken der Branche: Weg vom alleinigen Massenprodukt Blended Whiskey, hin zu individuellen Single Malt und Single Pot Still Whiskeys, nach schottischem Vorbild. Dazu kommen viele weitere Innovationen, die in den letzten Jahren auf dem irischen Whiskey-Markt Einzug gehalten haben. Nicht zuletzt sie sind es, die auch manchen Irish Whiskey in der Funktion als Weggefährte einer Zigarre aufwerten. Zum Beispiel getorfte Irish Whiskeys (Connemara Peated Single Malt Irish Whiskey) oder spannende Finishes in Fässern, in denen zuvor schwere Süßweine oder süßliche Spirituosen gelagert wurden.

Port, Sherry, Madeira oder auch Rum verpassen also diesen Whiskeys eine neue Dimension der Fruchtigkeit, Komplexität und Ausgewogenheit. (z.B. Tyrconnell Single Malt Whiskey oder der Teeling Rum Cask Small Batch). Gerade diese irischen Whiskeys, denen mit einem zusätzlichen Finish der letzte Schliff verpasst wurde, bieten sich perfekt für die Annäherung zwischen dem irischen ‘Wasser des Lebens’ und einer ebenbürtigen Zigarre an.

Die Wahl der passenden Zigarre

 

Irish Whiskey und Zigarren

 

Um sich einer harmonischen, wechselseitig bereichernden Paarung für einen irischen Whiskey der neuen Generation annähern zu können, muss die Wahl der passende Zigarre getroffen werden. Wie insgesamt Whisk(e)y-Zigarren-Kombinationen sollte das Augenmerk vor allem auf Exemplare gerichtet werden, die sich im mittelkräftigen Sektor befinden. Sie können mit dem Brand einerseits mithalten und laufen andererseits auch nicht Gefahr, ihn mit allzu intensiven Aromen und Eindrücken zu übertünchen.

Wie kann nun auch die kraftvolle Süße der oben erwähnten Cask-Finishes, zum Beispiel eines vollmundigen, satten Sherry-Cask-Finishes, aufgefangen und letztlich aufgewertet werden? Oft empfiehlt sich eine Zigarre, die ebenso süßliche wie cremige Noten aufweist. Besonders Zigarren aus der dominikanischen Republik dürften sich bei dem gesuchten Geschmacksprofil anbieten. Aber, wie so oft beim Thema Zigarren, darf man auch an dieser Stelle nicht die Kubanerinnen außer acht lassen: Mittelkräftige Vitolas des Habanos-Portfolio, wie etwa eine »San Cristobal de la Habana La Fuerza«, die durch eine dezente, cremige Süße überzeugen kann, oder eine opulente »Romeo y Julieta Wide-Churchill« mit einem leichten Anflug von Karamell-Noten, sind eine hervorragende Besetzung für ein irisch-kaubanisches Stelldichein.

Das Abschlussplädoyer

Dem Irish Whiskey-Business ist in den in den letzten Jahren eine beeindruckende Metamorphose zu einer modernen Whiskey-Industrie gelungen. Einer Whiskeysorte, die also vollkommen zurecht einen enormen Aufschwung erlebt, eine neue Chance zu geben, lohnt sich allemal.

Des verstaubten, blassen Images der bekömmlich-frischen, aber auch flachen Spirituose, hat sich der Irish Whiskey erfolgreich entledigt. Man wartet nun mit einem selbstbewussten und spannenden, neuen Aromenspektrum auf, das es zu erforschen gilt. Mit einer passenden Zigarre, steht einem genussvollen, harmonischen Rauchvergnügen nichts mehr im Wege.

Und schließlich macht doch gerade die Möglichkeit zur Variation, der Pioniergeist und die schier unendlichen Vielfalt an Getränken den Reiz eines guten und vor allem spannenden Pairings aus.

Am 20. April 2018 findet in Berlin übrigens die Probe aufs Exempel statt, wir werden die Leser über die Ergebnisse informieren. (Anmerkung der Redaktion)

 

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