Zigarrenlagerung: Wissenswertes zu Temperatur und Feuchte

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Lesen Sie den den Hauptteil des Artikels zur richtigen Zigarrenlagerung

 

Eine mäßig gekühlte Lagerung (16 – 18°C) der Zigarren ist für die Langzeitlagerung, d.h. für eine Lagerung über 10 Jahre, sinnvoll. Weil der Aromenumbauprozess langsamer erfolgt und sich dabei komplexere Aromen bilden können. Allerdings sollte dann auch die relative Luftfeuchte zurückgefahren werden. Dies hat zur Folge, dass man diese Zigarren nicht einfach aus dem Humidor nehmen und rauchen kann. Sie müssten vor Genuss zuerst auf die korrekte Feuchte gebracht werden. Optimal wäre eine Lagerung etwa 3 bis 4 Wochen bei rund 70% relativer Luftfeuchte. Dies bedeutet wiederum, dass man in einem Zigarrenkühlschrank nicht gleichzeitig Zigarren zur Lagerung und zum Konsum bereithalten kann.

Viel wichtiger als eine konstante Temperatur ist für die Zigarre eine konstante Luftfeuchtigkeit

Schwankende Luftfeuchte bewirkt ein verstärktes Arbeiten des Deckblatts, was langfristig zu Rissen oder aufgeplatzten Brandenden führen kann. Dies treibt vielen Besitzern eines Zigarrenkühlschranks den Schweiß auf die Stirn und mündet meist darin, dass die Kühlfunktion gar nicht mehr genutzt wird. Grundsätzlich wäre es optimal, wenn Zigarren sowohl bei konstanter Temperatur als auch bei konstanter Luftfeuchte gelagert werden.

In der Praxis ist dies jedoch nur in einem größeren, gekühlten und befeuchteten Raum (begehbarer Humidor) möglich, nicht jedoch in einem Zigarrenschrank. Aus diesem Grund müssen Sie sich entscheiden, ob entweder die Temperatur oder die Luftfeuchte schwanken soll. Beim Wein sollte man auf eine möglichst konstante Lagertemperatur achten, während die Luftfeuchte eher sekundär ist, falls nicht gerade der Korken austrocknet oder verschimmelt. Bei der Zigarre verhält es sich genau umgekehrt. Die Luftfeuchte sollte daher möglichst konstant gehalten werden, die Temperatur aber darf schwanken. 

Warum ist es jedoch so schwierig, Temperatur und Luftfeuchte in einem Humidorschrank konstant zu halten?

Um diese Frage beantworten zu können, ist ein kurzer Exkurs in die Physik notwendig. Luft kann Wasser speichern und zwar umso mehr, je wärmer sie ist. Bei 20°C kann die Luft maximal 17 Gramm Wasser in Form von nicht sichtbarem Wasserdampf pro 1.000 Liter Luft aufnehmen. Sie hätte dann eine relative Luftfeuchte von 100%. Wäre mehr Wasser in der Luft, so würde dieses als Nebel in Form von Wassertropfen niederschlagen. Sind in 1.000 Litern Luft nun nicht die maximal möglichen 17 Gramm Wasser als unsichtbarer Wasserdampf gelöst, sondern nur 12 Gramm beispielsweise, dann herrscht eine relative Luftfeuchte von 70%. Die relative Luftfeuchte errechnet sich, indem man die tatsächlich in der Luft gelöste Wassermenge durch die maximal mögliche lösbare Menge Wasser (bei gegebener Temperatur) in der Luft dividiert.

12 g/m3 (absolute Luftfeuchtigkeit) ÷ 17 g/m3 (maximale Luftfeuchtigkeit) × 100 = 70% (relative Luftfeuchtigkeit)

Wird die 20°C warme Luft mit einer relativen Luftfeuchte von 70% nun abgekühlt, so steigt die relative Luftfeuchtigkeit – weil die Luft, je kälter sie wird, immer weniger Wasser speichern kann. Die 12 Gramm Wasser bleiben in der Luft, der Nenner unseres Bruches wird aber kleiner. Wenn also die Luft nur noch 13 Gramm Wasser bei 15°C beispielsweise aufnehmen kann, aber tatsächlich noch die 12 Gramm Wasserdampf in der Luft sind, dann sind 12 : 13 = 0,92 und das bedeutet eine relative Luftfeuchte von über 90%. Eine Abkühlung von 5°C hat also zu einem Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit von über 20% geführt.

Angenommen Sie stellen einen Zigarrenkühlschrank auf 16°C und 70% relative Luftfeuchte ein. Mal  abgesehen davon, dass die wenigsten Schränke eine aktive Regelung der Luftfeuchtigkeit überhaupt vornehmen. Die sich einstellende Luftfeuchte ist meist nur das Ergebnis der Temperaturschwankungen. Der Schrank steht also im Sommer in einer 25°C warmen Umgebung bei einer relativen Luftfeuchte von 65%. Was ja im Sommer völlig normal ist. Nun öffnen Sie ihn, die 25°C warme und 65% feuchte Luft treten in den Humidor ein. Nun schließen Sie die Tür des Humidors. Der Thermostat schaltet die Kühlung ein und dann geschehen zwei Dinge: Erstens ensteht durch die Kühlung an der Kälteplatte Kondenswasser, d.h. der Luft wird Wasser entzogen. Zweitens steigt durch die Kühlung die relative Luftfeuchte, weil ja kalte Luft weniger Wasser speichern kann als warme.

Das Phänomen mit der Luftfeuchte

Nun stellt sich die Frage, welcher Effekt überwiegt. Wird durch starkes Kühlen der Luft bis zum eingestellten Sollwert zu viel Wasser entzogen, dann sinkt die relative Luftfeuchte unter den eigentlich gewünschten Wert. Ist die Umgebungsfeuchte zu hoch, so reicht der kühlungsbedingte Feuchtigkeitsentzug der Luft nicht aus und es kommt zur Überfeuchtung.

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Und genau das ist das Problem in der Praxis, dass es nämlich zu einer langsamen, aber stetig zunehmenden Überfeuchtung im Humidor kommt.

Dies könnte nur vermieden werden, wenn man in einem Humidorschrank vier voneinander getrennte und unabhängige Regelkreise hätte: Kühlung, Heizung, Befeuchtung und Entfeuchtung. Ein solcher Schrank müsste momentan ca. 180 cm hoch sein und wäre unten zur Hälfte mit Technik gefüllt. Das aber macht einfach keinen Sinn. Und genau deshalb verfügen die handelsüblichen Zigarrenkühlschränke auch nicht über vier getrennte Regelkreise. Dies aber hat zur Folge, dass die Temperatur schwankt, die Solltemperatur nicht erreicht wird oder die Luftfeuchte zu hoch bzw. zu niedrig ist.

Aufgrund des beschriebenen Sachverhalts würde man vermuten, dass die Luftfeuchtigkeit im Humidor absinkt, wenn die Temperatur steigt. Weil die Luft ja dann mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Genau das Gegenteil ist aber der Fall.

Die relative Luftfeuchte steigt nicht nur dann an, wenn die Temperatur sinkt, sondern auch dann, wenn die Temperatur steigt.

Der Grund für dieses gefühlsmäßig absolut nicht einleuchtende Phänomen ist, dass Zigarren mit zunehmender Temperatur als feuchtes, organisches Material, immer mehr Feuchtigkeit abgeben. Ganz ähnlich wie ein heißes, dampfendes Würstchen, das viel schneller austrocknet als ein kaltes, weil das Wasser in Form von Wasserdampf schneller verdunstet. Und nichts anderes geschieht im Humidor, wenn man ihn aus dem kühlen Keller ins warme Wohnzimmer stellt. Man könnte erwarten, dass die Luftfeuchtigkeit im Humidor sinkt, wenn er sich langsam um 5 – 6°C erwärmt. Jedoch ist genau das Gegenteil der Fall, da die relative Luftfeuchte steigt. Wenn Sie den Humidor wieder in die kühlere Umgebung bringen, dann steigt die Luftfeuchte auch an. Dieses Mal allerdings aufgrund der Tatsache, dass die kältere Luft weniger Wasser speichern kann.

Konstante Temperatur

Die Tatsache, dass die relative Luftfeuchtigkeit temperaturabhängig ist und dass Temperaturschwankungen immer zur Überfeuchtung führen, lässt den Schluss zu, dass die Temperatur, die den Humidor umgibt, möglichst konstant sein sollte. Es geht also im Kern gar nicht um die Frage der Kühlung, sondern um die Frage der Temperaturkonstanz. Dabei ist es vollkommen egal, ob die Temperatur 18, 22 oder 25°C beträgt. Möchte man Zigarren bei niedrigerer Temperatur lagern, also bei ungefähr 18°C, dann sollte der Humidor in einem Raum mit eben dieser Temperatur stehen, damit gewährleistet wird, dass es zwischen Innen- und Außentemperatur keinen Unterschied gibt und folglich auch nicht die temperaturbedingten Feuchteschwankungen.

In der Praxis schwankt die Temperatur natürlich. Diese Schwankungen vollziehen sich jedoch meist recht langsam. Dennoch käme es bei rein passiver, ungeregelter Befeuchtung auf Dauer zu einer Überfeuchtung im Humidor, wenn dieser nicht geöffnet wird. Abhilfe kann hier nur ein aktiv geregeltes Befeuchtungssystem schaffen, da ab Erreichen der Sollfeuchte dieses ein weiteres Überfeuchten verhindert.

Kritisch aber wird die ganze Angelegenheit bei Humidorschränken. Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn im Marketing der Hersteller mit der Dichtheit des Humidors werben. Ist es doch gerade ein Garant dafür, dass die korrekte relative Luftfeuchte nicht gehalten werden kann! Ein guter Schrankhumidor muss daher immer so gebaut sein, dass er stets Feuchtigkeit verliert. Das Befeuchtungssystem muss in der Lage sein, diesen Feuchteverlust stets auszugleichen. So dass es auch bei Temperaturschwankungen nie zu einer Überfeuchtung kommen kann.

Fazit

Konzentrieren Sie sich darauf, im Humidor eine möglichst konstante Luftfeuchte zu halten. Ob 68, 70 oder 72% relative Luftfeuchtigkeit ist reine Geschmacksache. Je weniger die Luftfeuchte schwankt, desto besser für die Zigarre. Da schwankende Temperaturen vor allem eine steigende Luftfeuchtigkeit im Humidor zur Folge haben, sollte der Humidor an einem Ort mit möglichst geringer Temperaturschwankung stehen. Also weder in der Sonne, noch am Kamin, noch auf der Heizung.


Noch Fragen? Stellen Sie Ihre Fragen rund um das Thema Zigarrenlagerung, Humidorkonstruktion (vom Etui bis zum begehbaren Humidor) und Befeuchtungstechnik. Marc André beantwortet Ihre Fragen gern. Bitte richten Sie Ihre Anfrage an info@shmckr.com mit dem Betreff »Humidor«.

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